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Der Diebstahl von Äpfeln ist weit verbreitet.
Der Diebstahl von Äpfeln ist weit verbreitet. © Symbolbild: dpa
27.10.2010

Obst-Klau großes Problem – Feldhüter wacht über Ernte

ENZKREIS. Immerhin: Sie sind ehrlich. Bei einer PZ-Umfrage im Internet (www.pz-news.de) haben 81 Prozent der rund 500 Teilnehmer zugegeben, schon mal einen Apfel vom Baum geklaut zu haben. Ein Apfel, das macht doch nichts – so lautet die weit verbreitete Meinung. Das mag zwar stimmen. Aber oft bleibt es nicht bei dem einen stibitzten Stück. Immer öfter werden ganze Bäume ratzeputz kahlgepflückt. Ein echtes Ärgernis für die Baumbesitzer, die um ihre Ernte gebracht werden.

Das bestätigt Matthias Poppe aus Kieselbronn. Der 32-Jährige ist Gemeindevollzugsbediensteter für die Gemeinden Neulingen, Kieselbronn und Ölbronn-Dürrn im Einsatz. Viele Leute nennen ihn nach altem Muster Feldhüter. Und derzeit ist er tatsächlich stark damit beschäftigt, ein Auge auf die Ernte zu haben.

Den Apfel-Klau in großem Stil beobachtet er häufig. „Manche Leute kommen richtig professionell mit Auto samt Anhänger und Leitern angefahren und ernten den ganzen Baum ab.“ Auch Nüsse seien bei Früchte-Dieben sehr begehrt. Sie werden vom Baum geschüttelt und in Tüten und Rucksäcken abtransportiert, schildert er seine Erfahrungen. „Es ist einfach schade, dass die Leute, die die Bäume pflegen, nichts von ihrer Ernte haben.“ Poppe spricht aus leidvoller Erfahrung: Auch ihm wurde schon Obst von seinen Apfel-, Birn- und Nussbäumen geklaut. Als er zur Ernte kam, war kaum noch etwas da. Auf Ermahnungen des Vollzugsbediensteten reagieren die Menschen oft uneinsichtig. Dann werde behauptet, das Obst hole doch sowieso niemand ab. Oder auch, die Früchte gehören allen, weil der Baum in der freien Natur stehe.

„Aber das ist ein Irrtum“, so Poppe. Auf freier Flur sei das Einzäunen der Grundstücke zwar oft verboten. Aber auch hier gelte: Das Obst gehört dem Grundstücksbesitzer – und sonst niemandem. Wenn er Obst-Diebe erwischt, konfisziert Poppe ihre Beute und leitet sie an den Baumbesitzer weiter.

In seinem Heimatort Kieselbronn hat man in diesem Jahr erstmals versucht, Pflücker und Baumbesitzer zusammenzubringen. Wer Interesse am Ernten hatte, konnte sich bei der Gemeinde melden – ebenso Baumbesitzer mit wenig Zeit. „Besonders bei jungen Familien, die aus der Stadt hergezogen sind, war das Interesse groß“, erzählt Poppe. So kamen sie in den Genuss erntefrischen Obstes – ganz ohne Apfel-Klau.