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Eine Beteiligung des Kreistags an den Stellungnahmen zu den Plänen für Fahrplankorrekturen auf der Residenzbahn zwischen Stuttgart und Karlsruhe fordert die CDU-Fraktion.  Foto: PZ 

Offiziell sind die Abellio-Züge zu 60 bis 70 Prozent pünktlich - in Wirklichkeit sind es zwischen 18 und 23 Prozent

Pforzheim/Enzkreis. Man kann sich die Bahnstatistik schönrechnen. Aufschlussreiches fördert dafür eine Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Erik Schweickert aus Niefern-Öschelbronn zutage. Der ließ das Verkehrsministerium in Stuttgart offenlegen, wie die realen Pünktlichkeitswerte aussehen, wenn man die eingeräumten Überziehungszeiten außen vor lässt.

Hierzu muss man wissen, dass DB Regio vormals vertraglich eine Pünktlichkeitsgrenze von fünf Minuten und 59 Sekunden eingeräumt wurde. Erst ab einer Verspätung von sechs Minuten ging die Fehlzeit in die Statistik ein. Beim Fahrplanwechsel im Zusammenhang mit dem Betreiberwechsel zum 9. Juni unter anderem auf der Residenzbahn hat man die neuen Verträge mit Abellio und Go-Ahead angepasst. Ganz offiziell liegt die Pünktlichkeitsgrenze für die beiden Unternehmen bei drei Minuten und 59 Sekunden. Also erst ab vier Minuten ist offiziell von einer Verspätung die Rede.

Aus Sicht der Kunden ist die zuvor genannte 6er-Marke schon deshalb eine Zumutung, weil das bedeutet, Anschlusszüge definitiv nicht erreichen zu können. Schweickert greift diesen Aspekt ausdrücklich auf und wirft die Frage auf: „Inwieweit kann man eine Verspätung von fünf Minuten und 59 Sekunden als pünktlich definieren, wenn man beispielsweise weiß, dass die Umstiegszeiten von der Residenzbahn zum Fernverkehr im Karlsruher Hauptbahnhof in der Regel bei sieben Minuten liegen und dort die Bahnsteige gewechselt werden müssen? Die Antwort aus dem Ministerium ist deutlich: Land und Nahverkehrsgesellschaft teilten die Skepsis gegenüber der herkömmlichen DB-Pünktlichkeitsdefinition. Zumal es im Land Bahnknoten mit noch kürzeren Umstiegszeiten als in Karlsruhe gebe.

Relevant ist ferner, dass laut Ministerialdirektor Uwe Lahl, der Schweickerts Kleine Anfrage beantwortete, „ausgefallene oder wegen hoher Verspätung ab 31 Minuten als ausgefallen gewertete Züge nicht in die Pünktlichkeitsstatistik fallen.“ Die Wahrnehmung der Kunden im ersten halben Jahr war, dass bei Abellio und Go-Ahead eine ganze Menge schiefgelaufen war.

Unter Berücksichtigung der neuen 3:59er-Marke war Abellio im Zeitraum von Juni bis November zwischen 60,7 Prozent und 71,3 Prozent pünktlich. Die knapp vier Minuten sind wichtig für die Firmenstatistik. Denn die planmäßige Ankunft im selben Zeitraum lag monatlich gerade mal zwischen 18,5 und 23,1 Prozent. Bei Go-Ahead sah es auf Grundlage der 3:59er-Regelung ähnlich aus.

Mehr über die Thematik lesen Sie am 21. Dezember in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news.