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In der S5 nach Karlsruhe hat der 35-jährige, der jetzt in Pforzheim vor Gericht steht, Anfang des Jahres einen anderen Mann gebissen. Foto: Ketterl/PZ-Archiv
In der S5 nach Karlsruhe hat der 35-jährige, der jetzt in Pforzheim vor Gericht steht, Anfang des Jahres einen anderen Mann gebissen. Foto: Ketterl/PZ-Archiv
03.12.2018

Ohne Medikamente ein „Risikofaktor“: Gutachten im Fall des „Straßenbahnbeißers“

Enzkreis. Der Prozess um den sogenannten „Straßenbahnbeißer“ wurde am Montag vor dem Amtsgericht Pforzheim fortgesetzt. Der 35-jährige Angeklagte soll zwischen Januar und März dieses Jahres Leute bespuckt, geschlagen, gebissen und eine Frau an den Haaren gezogen haben.

Während an den ersten beiden Verhandlungstagen der Angeklagte und verschiedene Zeugen zu Wort kamen, wurde der Prozess mit einem Gutachten fortgesetzt. Dabei ging der Sachvollständige zunächst auf die Biografie des Angeklagten ein. Seine Schulzeit verlief unauffällig und wurde mit einem Hauptschulabschluss beendet. Mit 16 Jahren kam er der heute 35-jährige erstmals mit Cannabis in Kontakt. Später folgten synthetischen Cannabinoide und die einmalige Einnahme von LSD. Nach einem Vorfall wurde der Angeklagte im Jahr 2009 erstmals in das Zentrum für Psychiatrie Calw (ZfP) eingeliefert. Ein Gutachten attestierte damals eine schizoaffektive Störung.

Bis heute war er 40 Mal in psychologischer Behandlung. Mehrere Verfahren wurden anschließend wegen Schuldunfähigkeit eingestellt. „Hierbei handelt es sich um einen hilfsbereiten, kooperativen und meist schüchternen Menschen mit sämtlichen Alltagskompetenzen, welcher aber ohne medikamentöse Behandlung ein signifikanter Risikofaktor ist“, legte der Sachvollständige dar.

Die Medikamente hatte er nach seinen Aufenthalten im ZfP immer wieder selbst abgesetzt.

Aktuell ist der 35-Jährige in einer psychiatrischen Einrichtung in Emmendingen untergebracht. Für Mitte Januar ist eine Lösung im betreuten Wohnen mit psychologischer Hilfe angedacht.

Der nächste Verhandlungstag ist für den 21. Dezember angesetzt. Im Januar soll ein Urteil gefällt werden.

Mehr lesen Sie am 4. Dezember in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.