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26.12.2009

Orkan Lothar brachte Tod und Verwüstung

ENZKREIS. Er kam gegen Mittag, und er kam aus Frankreich: Am 26. Dezember 1999 stürmte Orkan „Lothar“ nach Baden-Württemberg, riss Bäume um, fegte Ziegel von den Dächern, kappte Stromleitungen – und tötete allein im Ländle neun Menschen. Besonders schlimm erwischte es den Schwarzwald, auch die Region rund um Pforzheim. Auf der A 8 starben zwei Menschen, im Kreis Calw wurden zwei Frauen in ihren Autos von Bäumen erschlagen.

Tausende Helfer waren im Einsatz, die Schäden in den Wäldern des Südwestens gingen in Hunderte Millionen und noch Tage nach „Lothar“ waren Waldspaziergänge nur unter Lebensgefahr möglich – 25 Menschen starben in den kommenden Monaten bei Forstarbeiten.

Noch heute erinnern sich viele Beteiligte mit Schaudern an jenen zweiten Weihnachtsfeiertag 1999, daran, wie Feuerwehr, Polizei, Notärzte und unzählige Freiwillige sich in Lebensgefahr begaben, um andere zu retten. Etwa ein älteres Ehepaar, das die Nacht zwischen Ittersbach und Spielberg im Auto verbringen musste, wo umgestürzte Bäume den Weg versperrten. Die Rettung kam schließlich per Hubschrauber. Auch im Holzbachtal dürften Erinnerungen wach werden: Noch vier Tage nach „Lothar“ gab es dort keinen Strom.

Der Orkan hat ein Bild der Verwüstung hinterlassen. In Städten, in denen Bauzäune einknickten wie Streichhölzer, in denen Autos von umherfliegenden Gegenständen zerstört wurden und Fenster dem Sturm nicht standhielten. Vor allem aber in den Wäldern. Plötzlich waren tiefe Schneisen wo vorher stolze Bäume standen, ganze Waldstücke wurden einfach wegrasiert.

Forstdirektoren sprachen damals von „historischen Dimensionen ohne Vergleich“. Es entstanden Kahlflächen von bis zu 400 Quadratkilometern – das entspricht rund 40 000 Fußballfeldern. Im Schwarzwald gibt es eine Zeitrechnung vor „Lothar“ – und eine danach.

An jenem 26. Dezember 1999 ging es bei vielen Menschen tatsächlich um viel: um Leben und Tod.