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Foto: Thomas Meyer
19.07.2015

PZ-Chefredakteur Magnus Schlecht kommentiert Brandanschlag: „Feige und abscheulich“

Ein Kommentar von PZ-Chefredakteur Magnus Schlecht zum Anschlag auf ein geplantes Flüchtlingsheim in Remchingen, der in der Region die Menschen schockiert, landes- und sogar bundesweit Betroffenheit bei Politikern und Bürgern ausgelöst hat.

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2015 brannte in Remchingen eine geplante Flüchtlingsunterkunft.

Das ist ein Anschlag auf uns alle in der Region. Auf die weit mehr als 1000 Ehrenamtlichen in Pforzheim und im Enzkreis, die sich tagtäglich für Flüchtlinge engagieren. Auf Hilfsorganisation, Stiftungen und natürlich die sozialen Träger wie Diakonie, Caritas oder gemeinnützige Einrichtungen wie miteinanderleben. Auf alle Verbände, Kirchengemeinden und Vereine, die für Asylsuchende sammeln, Benefizveranstaltungen organisieren und die Menschen aus der Fremde bei sich aufnehmen.

Auf alle, und das ist die überwältigende Mehrheit in Pforzheim und der Region, für die Integration kein Fremdwort ist und für die es selbstverständlich ist, dass Kriegsflüchtlinge und politisch Verfolgte in Deutschland aufgenommen werden müssen. Und auf alle, die in einer Gesellschaft leben wollen, die friedlich und nicht gewaltsam jene Probleme löst, die es zweifellos auch bei der Integration von Migranten gibt.

Nichts rechtfertigt diesen abscheulichen Angriff auf unsere Zivilgesellschaft. Auch nicht die Tatsache, dass die Politik der Flüchtlingsströme nicht Herr wird. Die Weltpolitik ist machtlos angesichts der Krisenherde insbesondere im Nahen und Mittleren Osten. Die EU kann sich nicht auf Verteilungsquoten bei Flüchtlingen einigen. Der Bund tut so, als sei es damit getan, 2000 zusätzliche Stellen fürs Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge (BAMF) zu genehmigen. Dem Land gelingt es nicht, die gerichtlichen Asylverfahren zu beschleunigen, und die finanziell und organisatorisch überforderten Kommunen verlassen sich oft zu sehr auf das bürgerschaftliche Engagement aus der gesellschaftlichen Mitte.

Insofern sollte der Brandanschlag von Remchingen zwei Dinge nach sich ziehen. Erstens, dass solche feigen und menschenverachtenden Taten ohne Wenn und Aber zu verurteilen sind. Zumal nicht erst jetzt bekannt ist, dass es eine kleine, aber aktive rechte Szene in der Region gibt. Nicht nur die Nazi-Schmierereien an verschiedenen Orten der Region und Auftritte rechter Gruppen bei „Pegida“-Demonstrationen in der jüngeren Vergangenheit zeugen davon. Sie machen deutlich, wie wichtig es ist, gegenüber diesen rechten Kräften wachsam zu sein. Rechtsextremismus ist nicht nur ein Problem des Ostens, sondern offenbar auch eines der Region.

Und zweitens sollte nach diesem Wochenende klar sein, dass wir nicht weniger für Flüchtlinge einstehen dürfen, sondern ein Mehr an aktiver und lösungsorientierter Flüchtlingspolitik dringend benötigen.

Letztlich aber bleibt die Erkenntnis, dass die allermeisten Menschen in der Region wollen, dass Deutschland seiner Verantwortung bei der Aufnahme von Flüchtlingen gerecht wird. Was sie jedoch nicht wollen, sind hasserfüllte Idioten, die solche niederträchtigen Verbrechen wie in Remchingen zu verantworten haben.

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