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Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) ist seit Mai die oberste Instanz im Land in Bildungsfragen. Am Mittwoch um 19 Uhr ist sie im PZ-Forum zu Gast. Foto: Kraufmann/dpa
Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) ist seit Mai die oberste Instanz im Land in Bildungsfragen. Am Mittwoch um 19 Uhr ist sie im PZ-Forum zu Gast. Foto: Kraufmann/dpa
13.10.2016

PZ-Interview mit Kultusministerin Eisenmann: „An den Schulen gibt es keinen Stillstand“

Gemeinschaftsschulen und das Gymnasium in acht oder in neun Jahren. Neue Konzepte für Realschulen und das Ende der verbindlichen Schulempfehlungen. In den vergangenen Jahren hat die Bildungspolitik des Landes in der Region für ordentlich Diskussionsstoff gesorgt. Immer wieder haben die PZ und der Verein „Goldader Bildung“ dazu ein Gespräch im PZ-Forum mit der obersten Instanz in Schulfragen organisiert. Am Mittwoch, 19. Oktober, kommt nun die CDU-Kultusministerin Susanne Eisenmann nach Pforzheim. Im Vorfeld beantwortet sie Fragen der PZ zu den verbliebenen Bildungsbaustellen.

Pforzheimer Zeitung: Frau Eisenmann, in den vergangenen Jahren ist die Schullandschaft gründlich umgekrempelt worden und in Aufruhr geraten. Sehen Sie sich nun eher als Konsolidierungsministerin oder haben Sie neue Weichenstellungen geplant?

Susanne Eisenmann: Es ist richtig, die Schullandschaft ist in den vergangenen Jahren in Aufruhr geraten, bedingt durch weitreichende Reformen in unserem Schulsystem, aber auch durch rasante gesellschaftliche Entwicklungen. Deshalb ist es mir wichtig, dass sich nach den vielen Veränderungen nun Ruhe und Verlässlichkeit in den Schulen einstellen. Wir wollen behutsam nachsteuern, wo es nötig ist, aber keine Strukturdebatten mehr führen. Trotzdem wird es natürlich keinen Stillstand geben, da wir einige Herausforderungen anpacken müssen, beispielsweise bei der Digitalisierung, aber auch beim Thema Qualität. Hier wollen wir uns darauf konzentrieren, die Unterrichtsqualität für alle Schularten zu verbessern. Ich denke, das liegt im gemeinsamen Interesse aller Beteiligten.

PZ: Wie Ihre Vorgänger haben Sie zum Start gleich wieder eine Debatte um Lehrerstellen zu führen. Wie kann es mit der Lehrerversorgung weitergehen?

In diesem Jahr hatten wir Einstellungsmöglichkeiten für fast 6600 neue Lehrerinnen und Lehrer. Die Schulverwaltung tut ihr Bestes, um vorausschauend zu planen. So setzen wir uns beispielsweise jedes Jahr mit dem Wissenschaftsministerium zusammen, um aufgrund aktueller Prognosen die Zulassungszahlen an den Pädagogischen Hochschulen festzulegen. Auch das Statistische Landesamt erneuert nun seine Vorausrechnung der Schülerzahlen, die ja dem künftigen Lehrerbedarf zugrunde liegen, jedes Jahr ganz aktuell. Dennoch müssen wir mit gewissen Unwägbarkeiten umgehen.

PZ: Unwägbarkeiten wie die vielen jungen Flüchtlinge?

Ja, diese Kinder und Jugendlichen müssen an den Schulen aufgenommen werden. Hierfür brauchen wir so schnell wie möglich sehr viele zusätzliche Lehrerinnen und Lehrer. Sorge bereitet mir auch die Lehrerversorgung an Schulen in ländlichen Gegenden. Dort haben wir die Situation, dass immer weniger junge Lehrer bereit sind, an Standorten außerhalb der Ballungsgebiete eine Stelle anzutreten. Dieser Herausforderung versuchen wir zwar jedes Jahr, durch vorgezogene Stellenausschreibungsverfahren entgegenzuwirken. Doch meiner Ansicht nach müssten wir noch früher wissen, welche Stellen vakant werden und den Schulen dementsprechend noch früher die Möglichkeit geben, die Stellen selbst auszuschreiben. Hier arbeite ich gerade an einer Lösung.

PZ: In der Hochphase der Schulreformen haben Sie sich in Stuttgart einen Namen gemacht als jemand, der früh entschieden die Entwicklung der Schullandschaft geplant hat. Braucht es so klare Konzepte nun wieder bei der Eingliederung der Flüchtlingskinder in die verschiedenen Schularten?

Auf jeden Fall brauchen wir neue und gute Konzepte. Baden-Württemberg hat aktuell als bundesweiter Vorreiter zum neuen Schuljahr die sogenannte Potenzialanalyse in der Fläche eingeführt. Das ist ein Analyseverfahren, das die Fähigkeiten sowie die fachlichen und kognitiven Kompetenzen der jugendlichen Zuwanderer erkennt und ihnen Perspektiven aufzeigt, um ihren schulischen oder beruflichen Weg besser planen zu können. Unser Land hat bei diesem Projekt die Federführung und der Bund möchte das Verfahren bald auch anderen Ländern zur Umsetzung anbieten. Aus diesem Anlass kommt am 25. Oktober Bundesbildungsministerin Johanna Wanka nach Baden-Württemberg. Gemeinsam werden wir uns an einer Schule in Nürtingen anschauen, wie die Potenzialanalyse eingesetzt wird.

Was bewegt die Menschen im Enzkreis und in Pforzheim in Sachen Bildung? Das zeigt sich am kommenden Mittwoch, 19. Oktober, um 19 Uhr bei der Veranstaltung der PZ und des Vereins „Goldader Bildung“ mit Kultusministerin Susanne Eisenmann im PZ-Forum. Leser haben seit Samstag Fragen an die Ministerin eingeschickt, die ihr bei der Veranstaltung gestellt werden. Aber auch am Abend selbst gibt es die Möglichkeit zu fragen. Der Eintritt ist frei. Anmeldungen unter (0 72 31) 9 33-1 25. hei

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