nach oben
27.08.2009

PZ-Sommeraktion: Frisch aus dem Felsen

DOBEL. Wasser ist nicht gleich Wasser. Das wissen jetzt auch die Teilnehmer der PZ-Sommeraktion. Was es braucht, damit ein Mensch das kühle Nass trinken kann, haben sie gestern bei der Mannenbach-Wasserversorgung erfahren.

Die Sonne blitzt durch die Baumgipfel, überall ist es grün und links plätschert der Bach langsam vor sich hin. Die Teilnehmer der PZ-Sommeraktion merken recht schnell: Hier, weit draußen, im hinteren Eyachtal sind sie ihrem Ziel ganz nah. Sie wollen herausfinden, woher das Trinkwasser kommt, das sie täglich Zuhause aus dem Wasserhahnen lassen.

Immerhin versorgt die Mannenbach-Wasserversorgung vom Wasserwerk im Eyachtal rund 45 000 Menschen in Birkenfeld, Dobel, Karlsbad, Neuenbürg, Straubenhardt und Bad Herrenalb mit dem kühlen Nass aus ihren sechs Quellen.

Und wie kalt so richtig frisches Wasser sein kann, bemerken die PZ-Leser, als ihnen Wassermeister Norbert Erlenmaier die Tür zur Fassungsanlage der Eschenbrunnen-Quelle öffnet. Immerhin hat das hier gesammelte Quellwasser ganzjährig eine Temperatur von gerademal 8,5 Grad. Prompt beginnen einige zu frösteln, manche ziehen sich kurzerhand ihre Jacken über. Doch was sie zu sehen bekommen, lässt sie fast die eisige Kälte vergessen: Eine hohe, wuchtige Felswand aus der klarstes Frischwasser fließt.

Experten haben den Quellverlauf über Jahre hinweg beobachtet. Heute fließen zwischen 75 und 30 Liter Wasser pro Sekunde aus der Eschenbrunnen-Quelle. Doch bis es aus dem Wasserhahnen sprudelt, kommt das Rohwasser in einen Sog von Technik.

So gelangt es zunächst in die Quellsammelbehälter und wird von dort regelmäßig dem Wasserwerk zugeführt. Um Verunreinigungen vorzubeugen, durchläuft das Wasser dort verschiedene Filter aus einem Meter Quarzsand und einem Meter Antrazitkohle. Bei dieser dicken Schicht mag man kaum glauben, dass da überhaupt noch Wasser durch kommt.

Doch so naturbelassen wie die Umgebung, aus der das Wasser kommt, können es die Wassermeister seit Sturm „Lothar“ Ende 1999 nicht lassen. „Auf den abgeholzten Waldstücken sorgen Rehe oder Füchse für allerlei Hinterlassenschaften, die durch den Regen ins Quellwasser gelangen“, sagt Erlenmaier. Damit das Wasser frei von Keimen und Bakterien bleibt, wird Chlorgas zugeführt. Da das Schwarzwald-Wasser recht wenig Mineralstoffe aufweist, ist Chlor nicht die einzige Zugabe. „Ohne Kalkzugabe wäre bei unserer geringen Wasserhärte jede Leitung innerhalb von fünf Jahren kaputt“, sagt Erlenmaier und versichert, dass bei beiden Stoffen die Dosis extrem gering und überhaupt nicht zu schmecken sei.

Das wird auch regelmäßig kontrolliert, rund 180 Mal im Jahr. Schließlich ist Wasser nicht nur etwas Alltägliches, sondern eines, vom Gesundheitsamt best überwachtesten Lebensmittel.
Die gesamte, 1936 gegründete Anlage im Eyachtal ist heute komplett Computer gesteuert. Läuft etwas nicht so, wie es soll, erhält der Bereitsschaftsdienst einen Weckruf. „Störungen passieren meistens nachts, wenn das Werk nicht besetzt ist“, sagt Erlenmaier. Bislang sei die Versorgung noch nie zusammengebrochen. Um jedoch 120 Liter Wasser pro Sekunde – das ist eine Badewanne voll – ins Netz zu leiten, dürften maximal zwei Quellen ausfallen.