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31.08.2009

PZ-Sommeraktion: Wo die Kunst lebt

KIESELBRONN. Kunst zum Anfassen erlebten PZ-Leser im Kieselbronner Atelier des 1991 verstorbenen Künstlers Fritz Theilmann. Und sie bewunderten die Schönheit der Landschaft, in der diese Kunst entstanden ist.

Das Haus am Rand des Kieselbronner Bühlwalds steht da, als hätte es schon immer dort gestanden. Und doch hat es Fritz Theilmann erst nach seiner Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft entworfen. Das Haus ist selbst ein Kunststück, wie es sich zu den Obstwiesen und zum Blick auf Pforzheim hin öffnet. Mit einer Pergola auf Säulen im Garten hat sich der Bildhauer sogar Teile der malerischen Landschaft regelrecht eingerahmt. „Das ist so traumhaft schön“, sagt Ute Vogel, eine Teilnehmerin der PZ-Sommeraktion, „man kann sich richtig vorstellen, wie solch eine Aussicht zur Kunst inspiriert.“

Niemand erklärt das Haus und die vielen Kunstwerke darin besser als Bärbel Rudin, die dort aufgewachsen ist. Die Tochter des Künstlers macht die Skulpturen und Reliefs, die Modelle und „Gipsklamotten“ für die Besucher aus dem Enzkreis und aus Pforzheim lebendig. Viele kennen Theilmanns Kunst aus ihrem Alltag. Aus der Ecke grinst das Modell für den „Pforzheimer Seckel“ gerade so frech wie vor dem Rathaus der Goldstadt. Und Renate Schmidt aus Stein denkt bei den Werken, die Krieg und Gefangenschaft thematisieren, an das Denkmal beim Steiner Friedhof. Dann verguckt sie sich in die Skulptur eines „freudigen Menschen“, der auch das Grab des Künstlers ziert. „Dieser Gesichtsausdruck“, schwärmt sie, „das ist grandios.“

Die jungen Kieselbronner Jana und Luis Pohl sind eher für die verspielteren Werke. Vor dem Haus sind sie schon auf Einladung Bärbel Rudins von einer Eisbären-Skulptur gerutscht. Im Atelier dürfen sie ein Schwinggewicht anstoßen – und schon steppt unter der Decke ein hölzerner Bär. „So einen tanzenden Bären in klein hat mir mein Vater aus der Gefangenschaft geschickt – damit ich besser einschlafen kann“, erzählt Bärbel Rudin.

Janas und Luis‘ Großmutter Hanna Pohl gehört zu denjenigen, für die der Atelierbesuch nostalgische Erinnerungen weckt. „Mit dem Gesangverein Kieselbronn haben wir Fritz Theilmann zu jedem Geburtstag ein Ständchen gesungen“, erzählt sie. Blick ins Atelier inklusive. Emmerich Brunner war dort als Schüler beim Austragen des Kirchenblättles auch mal nach seiner Meinung zu einer Figur gefragt worden. Martin Wolf, der mit dem vier Monate alten Jan den jüngsten Teilnehmer im Tragesack hat, mähte früher auf dem Anwesen schon Rasen. Und die Dürrnerin Ulrike Siegrist erinnert sich, wie ihr Vater Karl Freund, selbst Künstler, sie zum Spaziergang an den Bühlwald mitnahm.

Bärbel Rudin erzählt auch die Geschichten hinter den Skulpturen. Besonders beeindruckt sie die Gäste mit Kleinoden, die Theilmann im Gefangenenlager mit einfachsten Mitteln herstellte. Gebrannt hatte er die Reliefs im Entlausungsofen.