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22.08.2008

Pädophile gehen in Hightech-Netz

ENZKREIS/KREIS CALW. Den Internetfahndern des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) gelang ein bedeutender weltweiter Ermittlungserfolg gegen pädokriminelle Straftäter. Dabei gingen ihnen auch jeweils zwei Verdächtige aus dem Enzkreis und dem Kreis Calw ins Netz.


Seit Juni 2006 ermittelt die Netzwerkfahndung des LKA länderübergreifend in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Konstanz gegen 987 Internetnutzer in Deutschland. Ausgangspunkt der Ermittlungen war die Information eines italienischen Kinderschutzportals beim LKA. Im Zuge von Recherchen stellten die Fahnder bei einem Internetdienst im Bereich der Staatsanwaltschaft Konstanz, der kostenlos Festplattenspeicherplatz anbietet, zwei Videodateien fest, die jeweils den massiven sexuellen Missbrauch eines Mädchen zeigten. Die Dateien dieses Internetdienstes konnten von jedem Benutzer weltweit abgerufen werden, der den individuellen Link kannte. Die hier betroffenen Internetadressen wurden aber in diesem Falle in einem einschlägigen Internetforum, in dem sich Pädokriminelle aufhalten, verbreitet.

Erschreckende Zugriffszahlen
Unmittelbar nach der Kontaktaufnahme mit den Verantwortlichen der Plattform, die bis zu diesem Zeitpunkt keine Kenntnis über diese Inhalte hatten, wurden die betreffenden Dateien vom System entfernt und die Protokolldaten sichergestellt. Dabei mussten die Fahnder feststellen, dass innerhalb eines Monates mehr als 48 000 Zugriffe von Internetnutzern auf diese Inhalte erfolgt waren. Für die erfahrenen Kriminalbeamten und im Vergleich mit anderen Großverfahren, ist diese Zahl erschreckend hoch.
Bereits wenige Stunden nach der Aufnahme der Ermittlungen des Bayerischen Landeskriminalamtes wurden dem Bundeskriminalamt mehr als 41 000 Verbindungsdaten zur Weiterleitung in das Ausland zugesandt. Hiervon waren 98 Staaten weltweit betroffen.
Da die Provider zur Tatzeit noch keine Speicherungspflicht der Verbindungsdaten hatten, konnten in Deutschland von etwa 7500 Verbindungsdaten 987 Tatverdächtige ermittelt werden. Zur Abarbeitung dieses Großverfahrens und dem damit verbundenen Anfall von Massendaten setzte das LKA erstmalig speziell gefertigte Recherche-Tools ein. Bei all diesen Tatverdächtigen wurden Ermittlungsverfahren durch die jeweils für den Wohnort zuständigen Staatsanwaltschaften eingeleitet und die notwendigen polizeilichen Maßnahmen durch die örtlich zuständigen Dienststellen durchgeführt.

Eigene Kinder missbraucht
Bei den Durchsuchungen in Deutschland stellte die Polizei mehr als 1000 PCs, mehr als 1800 Videos und fast 45 000 Datenträger sicher. In mehreren hundert Fällen konnte der unmittelbare Tatnachweis bereits geführt werden. In drei Fällen konnte der sexuelle Missbrauch der jeweiligen Töchter beziehungsweise Stieftöchter durch diese Ermittlungen unterbunden werden. „Gerade der Fall aus Schleswig-Holstein zeigt die unglaubliche Brutalität und Menschenverachtung der Täter!“, so LKA-Präsident Peter Dathe. Hier konnten die Ermittler dem 41-jährigen Täter den vielfachen, fast täglichen, sexuellen Missbrauch seiner beiden Töchter und anderer Mädchen nachweisen. Er verbüßt eine achtjährige Haftstrafe. Die Tatverdächtigen kommen aus allen Bevölkerungsschichten und allen Altersgruppen, wobei festzustellen ist, dass der überwiegende Anteil männlich ist.
Die ersten Verurteilungen, bei denen die Täter wegen des Besitzes von kinderpornografischen Schriften bis zu 15 Monate Haftstrafe oder empfindliche Geldstrafen in Höhe von bis zu 12 750 Euro erhielten, zeigen deutlich, dass das Herunterladen von kinderpornographischem Material aus dem Internet eine erhebliche Straftat darstellt und mit allen Konsequenzen verfolgt wird.
Für Hinweise aus der Bevölkerung über diese menschenverachtende Form der Kriminalität sind die Internetfahnder des LKA über die E-Mail-Adresse netzwerkfahndung@polizei.bayern.de erreichbar.