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Pause vor Lehre: Eltern müssen nach fünf Jahren nicht mehr zahlen. Foto: dpa
Pause vor Lehre: Eltern müssen nach fünf Jahren nicht mehr zahlen © dpa
04.07.2013

Pause vor Lehre: Eltern müssen nach fünf Jahren nicht mehr zahlen

Berlin (dpa/tmn) – In der Ausbildung müssen Eltern ihre Kinder finanziell unterstützen. Das gilt unter Umständen auch, wenn zwischen Schulabschluss und Ausbildungsbeginn einige Jahre vergangen sind, wie der Bundesgerichtshof (BGH) am Mittwoch klargestellt hat.

Zu lange dürfen sich Kinder aber nicht Zeit lassen, erklärt die Rechtsanwältin Eva Becker. «Irgendwann genießen Eltern Vertrauensschutz», erläutert die Expertin der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht im Deutschen Anwaltsverein (DAV).

Liegen zwischen dem Ende der Schule und dem Beginn der Lehre mehr als fünf Jahre, müssen die Eltern laut Becker nicht mehr unbedingt die Ausbildung unterstützen. Denn nach dieser langen Zeit müssten sie nicht mehr zwingend damit rechnen, dass solche finanziellen Belastungen auf sie zukommen.

Der BGH hatte entschieden, dass ein Vater seine Tochter nach einer Orientierungszeit von drei Jahren während der Ausbildung unterstützen muss (Az. XII ZR 220/12). Die junge Frau hatte sich nach der Schule drei Jahre lang mit Gelegenheitsjobs durchgeschlagen. Vier Praktika machte sie in der Erwartung, so einen Ausbildungsplatz zu ergattern. Als ihre Bemühungen endlich fruchteten, wollte ihr Vater die Ausbildung jedoch nicht zahlen. Der BGH gab der Frau in letzter Instanz aber Recht.

Laut Becker stellt sich in diesem Zusammenhang immer eine wichtige Frage: «Mussten die Eltern damit rechnen, dass das Kind irgendwann eine Ausbildung beginnt?» Ein Beispiel: Ein Kind macht nach dem Abitur erst ein soziales Jahr und dann diverse Praktika. «Ist das Ziel dahinter die Vorbereitung auf ein Studium oder eine Ausbildung, müssen die Eltern zahlen, wenn der Nachwuchs dann damit tatsächlich beginnt», erläutert die Fachanwältin.

Hat das Kind hingegen jahrelang nur wenig getan, was auf eine spätere Ausbildung hindeutet, müssen die Eltern dann auch nicht unbedingt einspringen. War der Nachwuchs nach dem Ende der Schule zum Beispiel längere Zeit auf Reisen im Ausland und hatte wenig Kontakt zu den Eltern, müssen diese nicht sofort einspringen, wenn das Kind plötzlich wieder auftaucht und um Unterstützung bittet.