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Im Bioladen des Baumbachhofs in Kleinvillars zeigen Jochen Bonnet (links) und seine Schwester Sonja Peter wie groß die Angebotspalette ist. Diese reicht von diversen Käsesorten, hausgemachter Wurst und Brot, über Kartoffeln, Rote Beete, Schwarzwurzeln bis hin zu exotischen Gewürzen wie etwa frischer Kurkuma (Gelbwurz). Fotos: Hepfer

Perspektiven der Landwirtschaft bis 2030: Kreisbauerntag findet in Mühlacker statt

Mühlacker/Knittlingen-Kleinvillars/Tiefenbronn. Um die Perspektiven der deutschen Landwirtschaft bis 2030 in Bezug auf die Struktur- und Marktentwicklung geht es beim heutigen Kreisbauerntag ab 12.30 Uhr im Uhlandbau in Mühlacker. Hauptredner ist der Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Robert Habeck. Die „Pforzheimer Zeitung“ hat sich vorab in der Region umgehört, wie sich hier die Landwirtschaft derzeit aufstellt.

Die Landwirtschaft ist nicht erst seit gestern ein äußerst schwieriges Feld, das es zu beackern gilt. Da braucht es schon die eine oder andere zündende Idee, um über die Runden zu kommen. Das hat die Landwirtsfamilie Bonnet im beschaulichen Knittlinger Teilort Kleinvillars schon vor Jahren erkannt. Derzeit wird der bäuerliche Betrieb, der seit 1997 Baumbachhof heißt, in der dritten Generation bewirtschaftet. Und auf den rund 100 Hektar an Feld- und Wiesenfläche wird so einiges geboten.

„Schon vor über dreißig Jahren, als ich noch ein kleiner Junge war, haben meine Eltern Käse gemacht“, berichtet Tobias Bonnet, der längst die Käserei übernommen hat und hier vom Frisch- bis zum Hartkäse leckere Sorten produziert. Denn rund 50 Prozent der eigenen Milchproduktion von jährlich über 200.000 Litern verarbeiten die Bonnets im eigenen Betrieb. Renner beim Käseangebot ist dabei sowohl der Rauch- und Kräuterkäse als auch der sogenannte „Kleinvillarser Laib“, der sich, laut Tobias Bonnet, sehr gut zum Überbacken eignet.

Dorf ist von Hofläden geprägt

Aber auch mit dem eigenen Bioladen, der von Käse, hausgemachter Wurst, frischgebackenem Brot über Gemüse aller Art bis hin zu exotischen Gewürzen wie frischer Kurkuma (Gelbwurz) vieles zu bieten hat, liegen die Landwirte voll im Trend. Denn das kleine Waldenserdörfchen Kleinvillars ist ohnehin von etlichen lokalen Hofläden geprägt. „Ziel ist es, ein möglichst großes Sortiment von eigenen Produkten anzubieten“, sagt der 34-jährige Jochen Bonnet. Er führt den Baumbachhof gemeinsam mit Bruder Tobias (39) und dem landwirtschaftlichen Lohnunternehmer Axel Hagmann, der für den Ackerbau zuständig ist. Mehrere Standbeine seien wichtig, um in Sachen Verdienstmöglichkeiten auch einmal Dinge ausbalancieren zu können, die nicht so gut laufen. Wie etwa den Möhrenanbau im vergangenen Jahr. „Zuerst hatten wir zuviel Wasser, was fast zu Überschwemmungen geführt hätte, dann kamen Unkraut und Trockenheit dazu“, schildern die Bonnets die Situation. „Trotz all dieser Schwierigkeiten haben wir aber zumindest keinen Verlust gemacht“, bilanziert Tobias Bonnet. Im Übrigen bringe das breite Sortiment an Produkten nicht nur beim Verkauf Vorteile. Auch was den eigenen Hof angeht, sei man wesentlich flexibler als in vergangenen Jahren. „Früher haben wir vieles zukaufen müssen, beispielsweise, als uns die Eier zum Brotbacken ausgegangen sind“, erinnert sich Jochen Bonnet. Das sei nun überhaupt kein Problem mehr, weil mittlerweile ein Mobilstall mit 221 Legehennen und vier Hähnen angeschafft worden ist.

Schweine und Rinder

„Unser größtes Standbein ist aber die Viehwirtschaft“, sagt Tobias Bonnet und verweist neben mehreren Mastschweinen auf derzeit 36 Rinder, inklusive Mastbullen. Gerade im abgelaufenen Trockenheitsjahr habe man – trotz eigener Heuhalle – deswegen große Mengen Futtermittel zukaufen müssen. „Aber das war es uns wert“, sagt der 39-Jährige und spricht von „genetischem Kapital“. Die Fleischverarbeitung ist derweil die Domäne von Bruder Jochen, der eigens dafür eine Metzgerlehre abgeschlossen hat. Kürzlich erst wurden in der hauseigenen Wurstküche Maultaschen produziert. Aber auch das Hacksteak aus reinem Rindfleisch sei bei der Kundschaft im Hofladen äußerst beliebt, versichert der 34-Jährige. In der Landwirtschaft sei heutzutage vor allem Weitblick gefragt. Und man müsse als Erzeuger für den Biomarkt voll und ganz hinter seinen Produkten stehen.

„Wer Bio gekostet hat, geht nicht mehr zurück“, meint Bruder Tobias Bonnet. Außerdem weist der Landwirt aus Kleinivllars darauf hin, dass im Baumbachhof noch selbst – ohne Roboter – gemolken wird. „Der direkte Kontakt zu unseren Tieren war und ist uns sehr wichtig“, betont er.

Dämpfer verderben Spaß an der Arbeit nicht

2.000 Liter Milch – so viel produzieren die Kühe auf dem Römerhof der Familie Stähle in Tiefenbronn Tag für Tag. Hinzu kommen rund 1.000 frischgelegte Eier der Hennen. Erzeugnisse, die für die Betreiberfamilie überlebenswichtig sind: „Wir verkaufen den größten Anteil der Milch an eine bekannte Molkerei. Die Eier kommen in den Hofautomaten und gehen an örtliche Betriebe“, erklärt Pina Stähle, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Ihno den Bauernhof betreibt. Er übernahm direkt nach seinem Studium der Agrarwissenschaften den damals noch etwas kleineren Hof seiner Eltern. Sie stieg kurze Zeit später ein und absolvierte eine Ausbildung zur Bauernhofpädagogin – mit Erfolg: Heute ist der Hof so groß, dass er für die Eltern und ihre beiden Kinder als einzige Einnahmequelle ausreicht: Insgesamt 90Milchkühe, weitere 70Jungtiere und rund 1.300 Legehennen, 30 Pensionspferde, ein Hund und etliche zugelaufenen Katzen zählen zum Inventar des Römerhofes. „Ich liebe die Arbeit mit den Tieren. Sie bauen uns auch an schlechten Tagen immer wieder auf“, sagt die Familienmutter, die neben dem alltäglichen Geschäft zusätzlich auch im geschäftsführenden Vorstand des Bauernverbandes Enzkreis aktiv ist.

Sie und ihr Mann wissen aus eigener Erfahrung gut, dass die Arbeit auch einiges an Kräften abverlangt. Bereits um halb fünf in der Früh beginnt der Alltag auf dem Hof. Die erste Aufgabe des Tages: die Fütterung der Tiere – natürlich mit den eigenen Erzeugnissen: „Wir bauen unser Gras und den Mais, das wir den Tieren geben, selbst an“, erklärt Pina Stähle. Im Sommer werde das Gras mehrmals abgemäht und entsprechend eingelagert. Nicht so im vergangenen Jahr: „Das Grünland mussten wir nur ein einziges Mal mähen“, blickt Ihno Stähle zurück. Und auch der Mais sei spürbar weniger gewesen. „Vielen unserer Kollegen ist die anhaltende Trockenheit zum Verhängnis geworden“, weiß die Mutter zweier Kinder durch ihre Tätigkeit im Bauernverband. Den Römerhof habe es trotz der ausbleibenden Ernte im Gesamten nicht so heftig getroffen. Der Grund: Für die Fütterung ihrer Tiere greift die Familie auch jetzt noch auf die Reserven aus dem – landwirtschaftlich gesehen sehr gutem – Jahr 2017 zurück. Wären diese nicht vorhanden, hätte die Familie Futter einkaufen müssen – und damit einhergehend wohl ein Minus zu verzeichnen gehabt.

Auch, wenn die Sommer immer extremer würden, könne laut den Betreibern für den Hof eine Gefahr drohen: „Unsere Kühe essen und trinken bei Hitze weniger. Die Folgen sind dann an der Menge der Milch zu spüren“, erklärt Pina Stähle. Bisher sei all dies aber noch nicht eingetreten. Die größten Unannehmlichkeiten hat Pina Stähle bisher eigentlich lediglich mit der Bürokratie: „Immer mehr Abläufe müssen dokumentiert werden“, sagt sie. Es gibt Momente, da raubt ihr das den letzten Nerv.

Mehr über den Kreisbauerntag lesen Sie am Freitag, 8. Februar, in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.