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Der Einsatz von Pestiziden soll in Remchingen deutlich zurückgefahren werden. Foto: Zachmann/Archiv

„Pestizidfreie Kommune“ soll nicht zulasten der Remchinger Landwirte gehen

Remchingen. Für eine emotionale Diskussion sorgte die Grünen-Fraktion in einer Sondersitzung am Samstagvormittag mit ihrem Antrag, dass Remchingen „Pestizidfreie Kommune“ wird.

Die Gemeinde solle auf den Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel auf eigenen Liegenschaften und Pflegeflächen verzichten, zudem Straßenbegleitgrün und mehr insektenfreundliche, minimal gepflegte Blühwiesen anlegen.

Außerdem könne der Pestizideinsatz auf den an Landwirte verpachteten Ackerflächen der Gemeinde durch Verträge und ein positives Anreizsystem verträglich immer weiter oder ganz ausgesetzt werden. Ziel sei, dem Artensterben und Biodiversitätsrückgang entgegenzuwirken, Zuschauer Eric Huser wies zudem auf gesundheitliche Aspekte hin. „Wir sind nicht die Ersten, sollten aber auch nicht die Letzten sein, das Thema als Chance verstehen und als Gemeinde mit gutem Beispiel vorangehen“, verwies Antragsteller Till Siegenthaler auf ähnliche Entwicklungen in Heimsheim. Gleichzeitig müsse der Schutz der kleineren Landwirte gewährleistet bleiben.

Für den Bauhofanteil rechnete Bauamtsleiter Markus Becker bei Pestizidverzicht mit mindestens anderthalb mehr benötigten Arbeitskräften und samt Maschinen zur mechanischen Bekämpfung grob 70.000 Euro Mehrkosten pro Jahr. Hinzu komme der ästhetische Aspekt, dass Flächen dann nicht mehr so gepflegt wirken. Das könne durchaus Aufschreie mancher mit sich bringen, stellte Marianne Butz (CDU) fest und hinterfragte, was mit Sportplätzen sei. Hier waren sich die Räte einig, dass zunächst eine Bestandsaufnahme erfolgen soll.

In Sachen Landwirte verdeutlichte Referent Thomas Köberle vom Landschaftserhaltungsverband, dass diese die wichtigsten Partner der Kommunen in Sachen Landschaftspflege seien. Deutschlandweit gibt es 500 BUND-klassifizierte pestizidfreie Kommunen, wobei es bei vielen nur ums öffentliche Grün geht. In ganz Baden-Württemberg kenne Köberle keine Gemeinde, die es bis jetzt geschafft habe, ihre Pachtflächen ganz pestizidfrei bewirtschaften zu lassen.

„Pestizidfrei ist momentan noch übers Ziel hinausgeschossen“, erklärte Markus Gartner (Freie Wähler) und plädierte für die Vokabel „pestizidarm“.

Über den Inhalt der weiteren Ratssitzung wird noch berichtet.