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Gestalteten den Jubiläumsgottesdienst mit: der Frauen- und Kirchenchor von Wurmberg. Foto: Fux
Gestalteten den Jubiläumsgottesdienst mit: der Frauen- und Kirchenchor von Wurmberg. Foto: Fux
03.11.2015

Petruskirche in Wurmberg feiert mit vielen Gästen 150. Geburtstag

Am Reformationstag feierte die evangelische Kirchengemeinde mit einem besonderen Gottesdienst 150 Jahre Petruskirche. „Wir begehen das Jubiläum protestantisch nüchtern“, betonte Wurmbergs Pfarrer Andreas Kaiser zu Beginn des Gottesdienstes, der vom Frauen-, Kirchen- und vom Posaunenchor mitgestaltet und von Benjamin Löw an der Orgel begleitet wurde.

Ganz so nüchtern wurde es dann doch nicht. Denn der Geistliche bot keinen staubtrockenen, geschichtlichen Rückblick, sondern beleuchtete mit vielen Lichtbildern die Alltagsgeschichte der damaligen Zeit und spannte einen weiten Bogen bis in die Gegenwart hinein.

Auch ausgewähltes Liedgut stammte aus den Tagen des Kirchenbaus. Kaiser erinnerte an Hungersnöte, ließ die Zeit vor und nach der Industrialisierung beeindruckend lebendig werden. Dazu gehörte auch die Eisenbahn, die viele Orte, in denen einst Postkutschen fuhren, abhängte. Stattdessen wurde Mühlacker – dort fuhr die Eisenbahn – zum Dreh- und Angelpunkt. „Jede Zeit braucht ihre eigene Reformation“, betonte Andreas Kaiser. Der Pfarrer ließ Erinnerungen an den Kirchenbau und dessen berühmten Architekten Christian Friedrich Leins, der für seine Leistungen später sogar geadelt wurde, denn der Planer war beispielsweise auch Architekt der Villa Berg, der Residenz von Kronprinz Karl von Württemberg und dessen Frau und Zarentochter, Olga Nikolajewna, wach werden. Die Wurmberger waren jeden Morgen als „Rassler“ unterwegs und liefen mit ihrem rasselnden Schuhwerk täglich jeweils zwei Stunden zur Arbeit und nach elfstündigem Tagwerk auch wieder zurück.

Pfarrer Georg Haigis, der als tüchtig galt, packte damals den Kirchenbau an und sagte bei der Einweihungspredigt vom 29. Oktober 1865: „Unsere neue Kirche sagt und bezeugt uns, Christus ist König.“ Auch wenn es während des Zweiten Weltkriegs zu Zerstörungen im Innenraum kam, wurde die Wurmberger Petruskirche dennoch vor größerem Schaden bewahrt und das Glöckchen begleitet die Wurmberger seit Jahrzehnten durch Freud und Leid.