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Im Birkenhof Neuhausen arbeiten bald zwei Generationen: Neben Gerd und Karen Philipp steigt auch Tochter Lara (von links) mit ein. Zuchtstute Aische und die beiden Hunde Milka (Mitte) und Cookie leben auch auf dem Hof. Foto: Ketterl
Im Birkenhof Neuhausen arbeiten bald zwei Generationen: Neben Gerd und Karen Philipp steigt auch Tochter Lara (von links) mit ein. Zuchtstute Aische und die beiden Hunde Milka (Mitte) und Cookie leben auch auf dem Hof. Foto: Ketterl
Pferdepension, Weinbau sowie Garten- und Landschaftsbau: Landwirt Andreas Weigel (links) setzt auf verschiedene Einnahmequellen. Sein Sohn Micha soll die Betriebe einmal übernehmen. Foto: Schierling
Pferdepension, Weinbau sowie Garten- und Landschaftsbau: Landwirt Andreas Weigel (links) setzt auf verschiedene Einnahmequellen. Sein Sohn Micha soll die Betriebe einmal übernehmen. Foto: Schierling
25.01.2018

Pferdepensionen sichern Landwirten ganzjährig das Einkommen

Illingen-Schützingen/Neuhausen. So mancher landwirtschaftliche Hof steckt in Schwierigkeiten: die Anforderungen in Umwelt- und Tierschutz steigen stetig, genauso wie der finanzielle Druck des Marktes. Und auch das Wetter kann einem Landwirt die Bilanz verhageln. So sind mitunter pfiffige Strategien gefragt, um als landwirtschaftlicher Betrieb langfristig überleben zu können. Einige Bauern suchen sich außerdem zusätzliche, alternative Einnahmequellen, um Geld zu verdienen. Sie transportieren etwa Erde für Bauunternehmen oder fahren Mais zur Biogasanlage.

Andreas Weigel aus Schützingen hat sein Unternehmen aus diesem Grund breit aufgestellt. Dabei wollte er, als er 2002 den Hof von seinem Vater übernahm, eigentlich ganz auf Milchvieh setzen. Heute ist er – auch mit Blick auf die schwankenden Milchpreise – froh, dass er sich anders entschieden hat und über verschiedene Einkommensquellen verfügt. So besitzt er rund 15 Hektar an Weinbergflächen, hat rund 40 Pensionspferde bei sich untergebracht und zusätzlich ein Gewerbe im Garten- und Landschaftsbau angemeldet. Zudem übernimmt er Winterdienste für die Gemeinde und Unternehmen. Um all diesen Aufgaben Herr zu werden, hat er das ganze Jahr über vier Angestellte.

Mitarbeiter angestellt

„Bei uns gibt es kein schlechtes Wetter. Wir haben das ganze Jahr über zu tun“, erklärt er einen der Vorteile. In den Pferdeställen fällt Tag für Tag konstant Arbeit an, in den Weinbergen ist im Juni und Juli am meisten zu tun und im Garten- und Landschaftsbau ist im Frühjahr Hochsaison. Aber auch in milden Wintern kann er damit Geld verdienen und die eine oder andere Rechnung schreiben. „Ich kann gut einteilen, was ich und meine Mitarbeiter machen“, sagt er. Noch einfacher wäre es allerdings, wenn die Bürokratie ihm keine Steine in den Weg werfen würde. Denn seine Mitarbeiter darf er nur in jeweils einem der beiden Betriebe anstellen. Auch wenn es um die Nutzung von Schleppern und landwirtschaftlichen Geräten geht, muss er sich selbst eine Rechnung schreiben. „Das geht dann von der linken Tasche, in die rechte Tasche“, sagte er und lacht.

Sein Verdienst ist in allen drei Sparten etwa gleich hoch. Der Weinbau sei allerdings am schwersten kalkulierbar. So sind Weigel 2017 rund 35 Prozent der Reben erfroren. Der Schaden: 60 000 Euro. Glücklicherweise sei er jedoch versichert gewesen. Doch auch Hagel, Trockenheit oder die Essigfliege können für Einbußen sorgen, erzählt Sohn Micha Weigel. Der 21-Jährige ist nach einer Ausbildung zum Winzer nach verschiedenen Stationen mittlerweile im Familienbetrieb eingestiegen und plant, diesen auch irgendwann zu übernehmen. Die Nachfolge ist also geregelt.

Gleiches gilt für den Birkenhof in Neuhausen, der im kommenden Jahr 50 Jahre alt wird. 50 Jahre, in denen sich viel verändert hat, wie Inhaber Gerd Philipp erzählt. Gemeinsam mit seiner Frau Karen hat er neue Wege beschritten und den Hof anders aufgestellt. Mit Erfolg: Heute läuft der Betrieb wirtschaftlich und begeistert auch die nächste Generation. Wenn Tochter Lara im Frühjahr ihr Studium der Agrarwissenschaft beendet hat, wird sie in das Familienunternehmen einsteigen.

„Früher waren wir ein richtiger Gemischtwarenladen“, erinnert sich der 58-Jährige. Ein paar Kühe, ein paar Bullen, ein paar Schweine und Ackerbau – wie es damals eben üblich war. Über die Jahre sei viel Land dazu gekommen, so wuchs der Bauernhof auf 260 Hektar. „Aber wir hatten zu wenig Tiere, um den Ertrag des Grünlands zu verwerten“, berichtet Philipp, der für die CDU im Gemeinderat und Kreistag sitzt. In den 1980er-Jahren bereiteten die Milch-Kontingente und die BSE-Krise Probleme. Und so entschied sich Philipp, der nach seinem Studium 1988 in den Betrieb eintrat, auf Pferde zu setzen.

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