kasse0

Planten die bewaffneten Räuber von Dobel auch einen Überfall in Höfen?

Dobel. Nach einem Raubüberfall auf einen Netto-Markt am Mittwochabend in Dobel gingen nach dem Zeugenaufruf bislang nur sehr spärlich Hinweise ein. Allerdings verfolgen die Ermittler eine interessante Beobachtung, die zwei Zeugen am vergangenen Samstag, 20. Oktober, nach Ladenschluss auf dem Gelände eines Discounters an der Wildbader Straße in Höfen gemacht haben.

Gegen 21 Uhr sollen sich dort zwei Männer auffällig verhalten haben. Demnach hielten sich die beiden Unbekannten in einer dunklen Ecke im Bereich eines Containers auf. Nicht auszuschließen ist, dass es sich auch hier um die Täter von Dobel gehandelt haben könnte, als sie das Objekt ausbaldowerten.

Leben die Täter in der Region?

Die Polizei prüft auch, ob ein Raubüberfall am 15. Oktober im Nachbarort Bad Herrenalb mit dem Fall in Dobel zu tun haben könnte. Ein Täter hatte etwa eine halbe Stunde vor Ladenschluss einen Lebensmitteldiscounter am Ortseingang in Bad Herrenalb überfallen und die Kassiererin mit einer Pistole bedroht. Sowohl Tatort (zwei Supermärkte), Tatzeit (jeweils eine halbe bis eine Stunde vor Ladenschluss), Täterbeschreibung (schlanke Statur, plus/minus 1,80 Meter groß) sowie die Tatwaffe (Pistole) passen vom Prinzip her zu dem Dobler Fall, der ja auch räumlich eng verbunden ist.

Dazu passt auch die in Höfen gemachte Beobachtung. Sind die Täter dann vielleicht in der Region heimisch? 

Darüber hinaus liegen inzwischen Erkenntnisse vor, wonach die beiden Räuber nach Verübung der Tat in Dobel zu Fuß in Richtung der Neusatzer Straße und dem dortigen Waldgebiet geflüchtet sind. Ferner sind alle Beobachtungen von Bedeutung, die Zeugen vor der Tat in Dobel und in der Nähe des Lebensmittelgeschäfts gemacht haben. Das Kriminalkommissariat bittet in beiden Fällen um Hinweise im Zusammenhang mit Personen und Fahrzeugen. Zeugen werden gebeten, sich beim Kriminaldauerdienst Karlsruhe, Telefon (0721) 666-5555 zu melden.

Wie weit kann jemand zu Fuß flüchten? War irgendwo beim oder im Wald ein Fluchtfahrzeug geparkt? Die Fahrt vom nahen Waldgebiet hätte mit einem Auto am schnellsten nach Neusatz oder Bad Herrenalb führen können. Hätte das räuberische Duo einen Fluchtwagen auf dem Netto-Parkplatz geparkt gehabt, wäre die Flucht schwieriger verlaufen. Im Vorfeld einer Übung standen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Dobel auf dem Netto-Parkplatz. Als sie den Überfall mitbekamen, sperrten sie mit der quergestellten Drehleiter den Parkplatz ab> Hier geht es zur Täterbeschreibung. <

Große seelische Belastung für Supermarkt-Mitarbeiter

Der brutale Überfall auf den Netto-Markt in Dobel vom vergangenen Mittwoch hat gleich mehrere Opfer: Die Dobler Einwohner, die sich nach einiger schwerer Verbrechen innerhalb kurzer Zeit in ihrem eigenen Ort nicht mehr sicher fühlen und die beiden Angestellten des Netto-Marktes, die ganz sicher mit keinem unbeschwerten Gefühl mehr an der Kasse Platz nehmen werden. Wer mit einer Pistole an der Schläfe dazu gezwungen wird, die Einnahmen rauszurücken und wem ein vermummter Mann mit Handgranate gegenüber steht, der trägt unter Umständen ein lebenslanges Trauma mit sich.

Haben die Kassiererin und der Kassierer vom Unternehmen Netto Hilfe erhalten? Werden sie psychologisch betreut? Wie unterstützt ein solches Unternehmen grundsätzlich seine Mitarbeiter nach einem Überfall? Die Netto Marken-Discount AG & Co. KG in Maxhütte möchte dazu keine Stellungnahme abgeben. Es handle sich um sensible Informationen, die das Unternehmen grundsätzlich nicht öffentlich kommuniziere, um Nachahmeffekte zu vermeiden und um die Mitarbeiter zu schützen, heißt es in einer Stellungnahme.

Die Sparkasse Pforzheim Calw gibt sich nicht so verschlossen. Nach einem Banküberfall auf die Sparkasse in Öschelbronn im vergangenen Jahr erklärte Stephan Scholl, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Pforzheim Calw gegenüber der PZ: „Direkt nach dem Überfall wurden die Angestellten von speziell geschulten Mitarbeitern betreut.“ Eine fachmännische Nachbetreuung werde angeboten.

Ein Ort, zwei zuständige Polizeiposten

Das Sicherheitsgefühl der Dobler ist durch die Vorfälle stark erschüttert, wie eine Umfrage der PZ zeigt. Bedrückt ist auch die Stimmung im Ort. „Die heile Welt ist nicht mehr heile“, sagte eine Frau, die vor Postfiliale befragt wurde. Die Verbrechen würden die Menschen nachdenklich werden lassen. Zumal erst im vergangenen Jahr die Volksbankfiliale in dem Höhenort überfallen wurde und im Jahr 2014 an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden Einbrecher die Postfiliale heimsuchten.

Im Ort fragt man sich auch, ob die Zuständigkeiten der beiden Polizeiposten Bad Herrenalb und Bad Wildbad für Dobel optimal sind. In der Regel ist der für Dobel zuständige Polizeiposten in Bad Herrenalb ab 19 Uhr nicht mehr besetzt. Danach ist der Polizeiposten Bad Wildbad für den Dienst in Dobel zuständig. Das Problem dabei: Die Zufahrtszeiten von beiden Polizeirevieren zum Beispiel zum Netto-Markt nach Dobel sind sehr unterschiedlich. Laut Google Maps dauert die Anfahrt unter normalen Voraussetzungen und mit korrektem Tempo 7 Minuten (Bad Herrenalb) oder 20 Minuten (Bad Wildbad).

Mehr zum Thema:

Raubüberfall auf Netto-Markt: Feuerwehr sperrte spontan Parkplatz ab

Maskierte mit Pistolen und Handgranate überfallen Netto-Markt in Dobel