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Der Soziologe Prof. Dr. Ulrich Eith von der Universität Freiburg (vorne) definierte, was Populismus ist.  Foto: Fotomoment 

Podiumsdiskussion in Mühlacker zur Rolle der Kirche in Zeiten des Populismus

Mühlacker. Die Kirche soll sich in die Gesellschaft einbringen – das war das Fazit einer Podiumsdiskussion, die am Dienstagabend in der Mühlacker Pauluskirche stattgefunden hat. Pfarrerin Gabriele Sauer hatte in Zeiten des Populismus, verstärktem persönlichem und nationalem Egoismus sowie menschenverachtender Tendenzen innerhalb der deutschen Gesellschaft zu dem Austausch eingeladen.

Gekommen war unter anderem Prof. Dr. Ulrich Eith von der Universität Freiburg, der den Begriff Populismus definierte. Ihn kennzeichne das Denken, „die da oben – wir da unten“ oder „Wir die Deutschen – das die Fremden“. Verbunden mit dem Versuch „die anderen“ als unangemessene Nutznießer zu sehen, die den eigenen Wohlstand gefährden. Pfarrerin Yasna Crüsemann vom Bündnis „Kirche für Demokratie und Menschenrechte“ in Württemberg regte die theologische Auseinandersetzung mit dem Populismus an. Sie nannte Themen wie Frauen- und Familienbild, Abtreibung oder der Umgang mit Randgruppen. Die Kirche sollte sich „als Teil der Zivilgesellschaft“ betrachten. Aufgabe sei es, die „Zusammengehörigkeit von Verschiedenen“ zu meistern.

Auch die grüne Landtagsabgeordnete aus Mühlacker, Stefanie Seemann, war zur Podiumsdiskussion erschienen. Die Würde des Menschen und die Bewahrung der Schöpfung seien für sie christliche Werte, die viel nachhaltiger und lauter von der Kirche vertreten und eingefordert werden sollten. Bundestagsabgeordneter Prof. Dr. Erik Schweickert (FDP) wünschte sich, Populisten nicht in ihrer Opferrolle zu bestätigen. Die gesellschaftliche und politische Auseinandersetzung mit der AfD sei für ihn deshalb der richtige Weg.

Die von Reinhard Kafka vom Kuratorium der Landeszentrale für politische Bildung moderierte Diskussion wurde von Gitarrist Martin Mohr und Querflötistin Mirjam Weber musikalisch begleitet. „Die Kirche hat eine große Kraft, demokratisch zu wirken und Menschen zu gewinnen“, brachte Gabriele Sauer das Thema auf den Punkt. Außerdem erinnerte sie an das Gebot: „Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst.“