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Das Unfallfoto stammt von einem Frontalzusammenstoß am 17. September 2010 auf der Bu296 zwischen Calw-Stammheim und "Sieben Tannen". © Polizei
04.03.2011

Polizei Calw: Mehr Unfälle, aber weniger Verkehrstote

CALW. Bei der Verkehrsunfallbilanz des Jahres 2010 der Polizeidirektion Calw gibt es überwiegend erfreuliche Nachrichten. Insgesamt wurden von der Polizei 2.888 (2009: 2.593) Verkehrsunfälle mit einem Gesamtschaden von 5,5 Millionen Euro aufgenommen. Mit acht Verkehrstoten wurde, wie im Jahr 2005, der niedrigste Wert innerhalb der letzten Jahrzehnte erreicht. Im Zehnjahresmittel verunglückten durchschnittlich 13 Personen tödlich auf den Straßen des Landkreises Calw.

Bildergalerie: Omnibus kippt um - alle Fahrgäste verletzt

Die Zahl der Leichtverletzten blieb mit 439 nahezu gleich wie im Jahr zuvor mit 437. Bei den Schwerverletzten war im Vergleich zum Vorjahr eine Zunahme um 41 auf 153 Personen zu verzeichnen. Damit liegt die Zahl jedoch immer noch deutlich unter dem Zehnjahresmittel von 171.

„Sorgenkinder“ sind nach wie vor die jungen Fahrer im Alter von 18 bis 24 Jahren sowie Verkehrsteilnehmer, die sich unerlaubt von der Unfallstelle entfernt haben.

Die Zunahme bei der Gesamtunfallzahl um 295 ist vor allen Dingen auf eine deutliche Steigerung der Verkehrsunfälle bei denen nur Sachschaden entstanden ist zurück zu führen. Bei den tödlichen Verkehrsunfällen wurden drei Motorradfahrer, drei Fußgänger und zwei Auto-Fahrer getötet. Besonders tragisch war ein Schulwegunfall in Nagold, bei dem ein zwölfjähriger Junge auf dem Heimweg von der Schule die Bundesstraße 28 an einer nicht dafür vorgesehenen Stelle überquerte und von einem in Richtung Rohrdorf fahrenden Autofahrer erfasst wurde.

Junge Fahrer im Alter von 18 bis 24 Jahren stehen immer besonders im Fokus der Öffentlichkeit, da sie häufig besonders schwere Verkehrsunfälle verursachen. Erfreulicherweise war im Jahr 2010 kein klassischer „Disco-Unfall“ zu verzeichnen. Dennoch verursachten Junge Fahrer im Landkreis Calw, 27 Prozent aller Verkehrsunfälle mit Personenschaden, obwohl ihr Anteil an der Bevölkerung nur etwas mehr als 8 Prozent (etwa 13.000 Personen) beträgt. Sie waren bei 265 (252) Verkehrsunfällen Hauptverursacher. Dabei wurden bei 117 Verkehrsunfällen Personen verletzt. Eine Person zog sich tödliche Verletzungen zu, 30 Insassen wurden schwer- und 138 leicht verletzt. Jeder dritte Unfall unter Alkoholeinwirkung wurde von jungen Fahrern verursacht. Auch bei der Hauptunfallursache überhöhte Geschwindigkeit sind sie mit 92 von 213 Fällen überrepräsentiert.

Neben nicht angepasster Geschwindigkeit, Vorfahrtsverletzungen und Fehler beim Rückwärtsfahren zählt auch nach wie vor das Fahren unter Alkoholeinwirkung zu den Hauptunfallursachen. Bei Alkohol im Straßenverkehr handelt es sich um eine vermeidbare Unfallursache. Von 70 alkoholisierten Unfallverursachern waren 54 Fahrer absolut fahruntüchtig, das heißt, sie hatten 1,1 Promille oder mehr im Blut. Die Frauenquote liegt bei 13 Prozent. In diesem Bereich sind die jungen Fahrer ebenfalls mit 24 unter Alkoholeinwirkung stehenden Verursachern deutlich überrepräsentiert.

In 171 Fällen hatten Auto-Fahrer zu tief ins Glas geschaut ohne in einen Verkehrsunfall verwickelt zu sein. Dabei liegt der Frauenanteil bei knapp unter zehn Prozent. 119 Fahrer davon lagen mit mehr als 1,1 Promille im Bereich der absoluten Fahruntauglichkeit, 70 Fahrer erreichten sogar Werte von 1,6 Promille. Sie müssen zur Wiedererlangung der Fahrerlaubnis eine MPU (medizinisch-psychologische Untersuchung), den sogenannten „Idiotentest“ bestehen. Die höchsten Werte lagen bei etwas mehr als drei Promille.

Am häufigsten hat es bei der Einmündung der aus Richtung Neuhengstett kommenden Landesstraße in die Bundesstraße B295 zwischen Althengstett und Simmozheim gekracht. In den zurückliegenden fünf Jahren ist diese Einmündung durch zehn Vorfahrts- und sechs Abbiegeunfälle in den Fokus der Unfallanalyse gerückt. Dabei wurden fünf Personen schwer und zehn leicht verletzt. Um die Sicherheit und Leistungsfähigkeit dieser Einmündung zu steigern, ist der Bau eines Kreisverkehrs vorgesehen.

Die sogenannten Unfallschwerpunkte haben sich im Vergleich zu den Vorjahren deutlich reduziert, was auch auf bauliche Maßnahmen zurück zu führen ist. Ein positives Beispiel dafür ist die „Buchenkurve“ auf der Bundesstraße 294 zwischen Höfen und Bad Wildbad-Calmbach. Hatte es dort in den Vorjahren noch häufig gekracht, waren nach mehreren baulichen Maßnahmen seit dem 1. Oktober 2009 noch vier Unfälle mit sechs leichtverletzten Personen zu registrieren.

Ein besonders spektakulärer Busunfall ereignete sich an einem Sonntag im Juli auf der B28 im Bereich des Spielberger Sportplatzes. Ein voll besetzter Reisebus kam aus dem Landkreis Freudenstadt und wollte von einer Tagesfahrt nach Hause in den Großraum Stuttgart fahren. Der 56-jährige Busfahrer geriet ins Schleudern, kam zuerst nach rechts in den Grünstreifen und schleuderte danach quer über die Fahrbahn. Dabei kippte der Omnibus um. Eine Person wurde schwer und 27 leicht verletzt - das hätte auch dramatischer ausgehen können.

Das unerlaubte Entfernen von der Unfallstelle war schon immer ein großes Problem und bereitet der Polizei zunehmend mehr Sorgen. Im vergangenen Jahr mussten 628 (567) Unfallfluchten polizeilich bearbeitet werden. Dabei wurden neun Personen schwer und 23 leicht verletzt. Der hierdurch entstandene Sachschaden beträgt annähernd 900.000 Euro. Die Aufklärungsquote lag im vergangenen Jahr bei etwa 36 Prozent. Dabei gilt grundsätzlich, je schwerer die Unfallfolgen, umso größer sind die Aufklärungschancen. Die bei den Polizeirevieren Calw und Nagold seit Jahrzehnten fest installierten Sachbearbeiter für Unfallfluchten haben sich bestens bewährt. Diese beiden erfahrenen Spezialisten ermitteln auch in den Bereichen fingierter und manipulierter Unfälle mit Zielrichtung Versicherungsbetrug sehr erfolgreich.

Trotz aller von der Polizei unternommenen Anstrengungen kommt dem Zeugenhinweis nach wie vor eine ganz enorme Bedeutung zu. Aufmerksame Zeugen können eine Unfallflucht vollständig aufklären, noch ehe die polizeiliche Maschinerie anläuft. Der Gesetzgeber hat vor allen Dingen die Geschädigten im Blickfeld. Ihnen soll an erster Stelle der entstandene Schaden ersetzt werden. pol