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Nur sechs Verkehrstote gab es 2011 im Landkreis Calw. Der  40-jährige Fahrer dieses Lastwagens hatte Glück: Sein Lkw kippte in der Kurve um und stürzte eine etwa zehn Meter tiefe Böschung hinunter. Der Fahrer wurde nur leicht verletzt.
Nur sechs Verkehrstote gab es 2011 im Landkreis Calw. Der 40-jährige Fahrer dieses Lastwagens hatte Glück: Sein Lkw kippte in der Kurve um und stürzte eine etwa zehn Meter tiefe Böschung hinunter. Der Fahrer wurde nur leicht verletzt. © Polizei
15.03.2012

Positiver Trend: Nur sechs Unfalltote im Kreis Calw

Calw. Der Landkreis Calw kann 2011 auf positive Zahlen zurückblicken. Besonders erfreulich ist der Rückgang bei 6 (Vorjahr: 8) Unfalltoten auf den niedrigsten Stand seit vielen Jahrzehnten. Das Zehnjahresmittel bei den im Straßenverkehr Getöteten liegt bei 12.

Die Zahlen bei den Schwer- und Leichtverletzten folgen diesem Trend ebenfalls. 236 Mal waren junge Fahrer im Alter von 18 bis 24 Jahren Unfallverursacher, im Jahr 2010 lag diese Zahl noch bei 265. Insgesamt musste die Polizei 2791 (2888) Verkehrsunfälle bearbeiten. Dabei entstand ein Schaden von annähernd fünf Millionen Euro.

Bei sechs Verkehrsunfällen waren sechs Todesopfer zu beklagen. Dabei zeichnete sich sowohl örtlich als auch bei der Art der Entstehung kein Schwerpunkt ab. Unter den Opfern waren zwei Zweiradfahrer im Alter von 42 und 17 Jahren, eine 74-jährige Fußgängerin sowie drei Autofahrer im Alter von 18, 19 und 38 Lebensjahren. Bei 439 Verkehrsunfällen wurden 568 Personen verletzt. 149 (153) Verkehrsteilnehmer wurden mit schweren Verletzungen in Krankenhäuser eingeliefert, 419 (439) zogen sich leichte Verletzungen zu.

Wie immer spielt Alkohol im Straßenverkehr eine unerfreuliche Rolle. Bei 63 Verkehrsunfällen standen die Fahrer unter Alkoholeinwirkung. Davon waren 52 Personen mit mehr als 1,1 Promille im Blut nach den Buchstaben des Gesetzes absolut fahruntüchtig. 35 Lenker eines Fahrzeugs lagen sogar bei mehr als 1,6 Promille! Neben einer empfindlichen Geldstrafe und einem längeren Führerscheinentzug müssen diese Personen den sogenannten „Idiotentest“ (medizinisch-psychologische Untersuchung/MPU) erfolgreich hinter sich bringen, ehe sie wieder als Fahrer am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen dürfen.

Ohne dass sich ein Verkehrsunfall ereignet hatte, wurden 122 Verkehrsteilnehmer bei Trunkenheitsfahrten ertappt. Die Fahrer mit den höchsten Werten zwischen 2,98 und 2,78 Promille - allesamt Männer - wurden alle nachmittags in der Zeit zwischen 14 und 17 Uhr erwischt! Das weibliche Geschlecht ist generell bei Alkoholfahrten deutlich unterrepräsentiert.

Bei der jüngeren Generation mussten 18 Fahrer wegen Drogeneinfluss eine Blutprobe abgeben. In sechs Fällen wurde die Fahrerlaubnis entzogen, in zwölf Fällen war ein Fahrverbot neben einem Bußgeld und Punkten in Flensburg die schmerzhafte Konsequenz.Bei 29 Verkehrsunfällen mit Personenschaden war Alkoholeinwirkung Unfallursache.

Überhöhte Geschwindigkeit, die bisherige Unfallursache Nummer 1 wurde im vergangenen Jahr aus nicht nachvollziehbaren Gründen durch Vorfahrtsverletzungen abgelöst. Die Hauptunfallursachen bei Karambolagen, bei denen Personen verletzt oder getötet wurden sind jetzt Vorfahrtsverletzungen (91), überhöhter Geschwindigkeit (59) an zweiter Stelle, Sicherheitsabstand (31), Alkohol und Verstößen gegen das Rechtsfahrgebot (23).

An der Einmündung der Landesstraße 179 aus Richtung Neuhengstett in die Bundesstraße 295 zwischen Simmozheim und Althengstett wurde im vergangenen Jahr ein Kreisverkehr eingeweiht. Dadurch wurde ein Unfallschwerpunkt entschärft, an dem sich in der Vergangenheit folgenschwere Vorfahrts- und Abbiegeunfälle ereignet hatten. Eine angenehme Begleiterscheinung des neuen Kreisverkehrs liegt auch darin, dass sich in den untergeordneten Straßen keine Rückstaus mehr bilden und der Verkehr erfreulich flüssig wurde.

Die „Buchenkurve auf der Bundesstraße 294 zwischen Höfen und Bad Wildbad-Calmbach weist nach kleineren Umbaumaßnahmen im Jahr 2009 zwar günstigere Unfallzahlen auf, bleibt jedoch trotzdem ein „Dauerbrenner“. Von 2003 bis zum Herbst 2009 mussten bei 32 Verkehrsunfällen neun Schwer- und 22 Leichtverletzte gezählt werden. Nach den Umbaumaßnahmen bis heute mussten bei zwölf Verkehrsunfällen neun Leichtverletzte registriert werden, jedoch keine Schwerverletzten mehr. Trotzdem werden von der Verkehrsunfallkommission im Landkreis nach wie vor bauliche Verbesserungsmaßnahmen angestrebt.

In 573 Fällen wurde bei der Polizei im Landkreis eine Unfallflucht angezeigt, lediglich ein Drittel konnte häufig auch mit Hilfe von präzisen Zeugenhinweisen aufgeklärt werden.

Bei den Unfallfluchten wurden zwei Personen schwer- und 37 leicht verletzt. 15 Mal war mehr oder weniger Alkohol im Spiel. Der insgesamt alleine beim unerlaubten Entfernen von der Unfallstelle entstandene Schaden liegt bei annähernd 900.000 Euro. Häufig entziehen sich Autofahrer selbst auf belebten Parkplätzen von Supermärkten ihrer Verantwortung und suchen das Weite, obwohl ihr Fehlverhalten beobachtet wurde.

Erfreulich ist der Rückgang im Vergleich zum Vorjahr, dort mussten noch nach 628 Flüchtigen gesucht werden. Unfallflucht ist kein Kavaliersdelikt, es handelt sich um eine Straftat, die mit sieben Punkten in der Flensburger Sünderkartei zu Buche schlägt. Ab einer bestimmten Schadenshöhe droht darüber hinaus ein Führerscheinentzug.

Im Vordergrund steht nicht die Bestrafung des Verursachers, sondern die Schadensregulierung. Grundsätzlich ist die Polizei ganz speziell bei diesem Delikt auf die Hilfe der Bevölkerung angewiesen. Nicht nur unter der Prämisse, dass Sie selber der Nächste sein könnten, ist Zivilcourage gefragt. Notieren Sie das Kennzeichen und weitere markante Merkmale und rufen Sie umgehend bei der nächsten Polizeidienststelle an.

Dass der Landkreis Calw sehr waldreich ist, lässt sich schon alleine an der großen Zahl der Wildunfälle ablesen. Nahezu jeden Tag ereignete sich im vergangenen Jahr ein Wildunfall (348). Dabei wurden vier Personen schwer und vier leicht verletzt. Der Sachschaden geht dabei in die Hunderttausende. An vielen Straßen mit häufigem Wildwechsel versucht man das Problem durch die Anbringung von Wildwarnreflektoren zu reduzieren. Defensive Fahrweise schützt auch in diesen Fällen vor Eigenschaden.

Über einen typischen Disco-Unfall können wir glücklicher Weise nicht berichten. Leider wird eine durchgängig positive Bilanz durch die Unfallzahlen der „Jungen Fahrer“ im Alter von 18 bis 24 Jahren getrübt. Von den sechs im Straßenverkehr tödlich verunglückten Opfern waren drei diesem Kreis zuzuschreiben. Bei 439 Verkehrsunfällen mit Personenschaden sind Junge Fahrer bei 116 Karambolagen die Unfallverursacher. Hingegen beträgt ihr Bevölkerungsanteil nur 8,4 Prozent. Ähnlich sehen die Proportionen auch bei den Schwerverletzten 35 von 149 und bei den Leichtverletzten mit 129 von 419 aus. Auffällig ist darüber hinaus, dass das weibliche Geschlecht in diesem Alter offensichtlich vorsichtiger fährt. Von den 116 Verkehrsunfällen sind sie 31 Mal die Verursacher, auch die Unfallfolgen sind weniger dramatisch.

Im vergangenen Jahr waren im Landkreis mehr als 107.000 Kraftfahrzeuge zugelassen. Davon 87.156 Personenwagen und 8380 Motorräder. Es ist ein leichter Trend zu mehr Zulassungen zu verzeichnen, was bei gleich bleibendem Straßennetz zu einer höheren Verkehrsdichte führt. dpa