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Premiere in Straubenhardt: Bufdi mit 59 Jahren.
Premiere in Straubenhardt: Bufdi mit 59 Jahren © Marx
25.10.2011

Premiere in Straubenhardt: Bufdi mit 59 Jahren

STRAUBENHARDT-LANGENALB Seit 1. September gilt bei der Tagespflege in Langenalb eine neue Zeitrechnung. Zu diesem Zeitpunkt hat dort Friedrich Kozel aus Conweiler seine Tätigkeit als Bundesfreiwilligendienstleistender im Haus der Sozialen Dienste Straubenhardt an der Karlsbader Straße aufgenommen.

Weil die offizielle Bezeichnung ein Zungenbrecher ist, wird gerne vom Bufdi geredet, eine Abkürzung, die dem Zivi nachempfunden ist. Das Besondere an Friedrich Kozel: Er gehört zu den Bufdis, die als gereifte Persönlichkeit das Berufsleben bereits hinter sich gelassen haben, um sich im Ruhestand für seine Mitmenschen zu engagieren. Es ist noch nicht lange her, da war Kozel Allgemeinmediziner mit einer Praxis in Feldrennach. Nach fast 30 Jahren ist das seit Januar allerdings Geschichte.

Wenn man zur Vorlesestunde die Tagespflege betritt, ist der 59-Jährige voll in seinem Element. Die Pforzheimer Zeitung aufgeschlagen vor sich, plaudert er mit den älteren Herrschaften über die spannendsten Artikel des Tages. Die große Weltpolitik und das Euro-Desaster kommen dann ebenso zu Wort, wie neueste Erkenntnisse über Depressionen auf den Lebenswelten-Seiten oder das Veranstaltungs- und Vereinsgeschehen in der Region, vorzugsweise aus Straubenhardt und Keltern, denn von dort kommen zahlreiche Senioren und Seniorinnen. Der Bufdi war übrigens in seiner Jugendzeit auch schon Zivi: am Krankenhaus in Ludwigsburg. Und mit der Erinnerung wird deutlich, welch eine enorme Veränderung die bundesdeutsche Gesellschaft in rund vierzig Jahren durchlaufen hat. Seinerzeit musste Kozel als Wehrdienstverweigerer eine vierstündige Anhörungsverhandlung mit drei Richtern durchstehen. Als „Drückeberger“ sei man damals angefeindet worden, wenn man das Wort „Kriegsdienstverweigerer“ in den Mund genommen habe. Heute trauerten so manche Institutionen den Zivildienstleistenden nach und seien froh um jeden Bufdi oder diejenigen, die bereit seien, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) zu absolvieren.