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Aus der Luft werden saure Waldböden gekalkt. Wo und in welchem Umfang diese Maßnahmen wirklich notwendig sind, wird mittlerweile in der Region kontrovers diskutiert. Foto: Stratenschulte, dpa/lni-Archiv
Aus der Luft werden saure Waldböden gekalkt. Wo und in welchem Umfang diese Maßnahmen wirklich notwendig sind, wird mittlerweile in der Region kontrovers diskutiert. Foto: Stratenschulte, dpa/lni-Archiv
12.07.2016

Pro und Kontra: BUND und Enzkreis-Forstamt über Waldkalkung in der Region

Enzkreis. Ab August wird in vielen Wäldern im Enzkreis wieder gekalkt. Immer öfter wird in den Gemeinderäten das Thema aber kontrovers diskutiert.

Im Kampf gegen saure Böden zählt die Waldkalkung vom Hubschrauber aus zu den Vorgehensweisen, die in früheren Jahren noch nicht zu den Grundsatzdiskussionen geführt haben, wie dies inzwischen der Fall ist. Wenn beispielsweise die Vertreter des Enzkreis-Forstamts in die Gemeinderäte kommen und für die Waldkalkung werben, ergeben sich nun nicht nur kritische Fragen aufgrund der Kosten. Auch grundsätzliche Abwägungsaspekte lassen ein breites Spektrum erkennen im Spannungsfeld von Boden- und Naturschutz. So kam es erst jüngst zum Meinungsaustausch in den Gemeinderäten von Birkenfeld und Keltern. Pro und Kontra skizzieren nachfolgend der stellvertretende Leiter des Enzkreis-Forstamts, Andreas Roth und der Vorsitzende des BUND-Regionalverbandes Nordschwarzwald, Walter Appenzeller aus Keltern.

Andreas Roth vom Enzkreis-Forstamt argumentiert: „Hauptursache für die Schädigung des Ökosystems Wald sind Säuren und andere Schadstoffe, die der Regen aus der Luft ausgewaschen und so in den Boden eingebracht hat. Diese Einträge haben in den vergangenen Jahrzehnten zu einer starken Versauerung der Waldböden geführt. Dadurch werden grundsätzliche Bodenfunktionen, beispielsweise als Wurzelraum für Bäume und andere Pflanzen, deren Ernährung mit Wasser und Nährstoffen, aber auch die Filter- und Pufferleistung der Böden für wassergefährdende Stoffe wie Nitrat, organische Säuren oder toxische Metalle – erheblich beeinträchtigt oder teilweise auch ganz zerstört. Gesunde Waldböden sind Voraussetzung für stabile und artenreiche Wälder. Neben der Säurepufferung wird mit der Bodenschutzkalkung eine Ergänzung der durch Versauerung und Biomassenutzung verlorengegangenen Nährelemente sowie eine Verbesserung des Humusumsatzes angestrebt. Hierfür wird nun den Kalken, bestehend aus dolomitischem Gesteinsmehl, unbelastete Holzasche beigemischt. Holzaschen eignen sich für die Pufferung von Säuren und weisen zusätzlich relevante Kalium- und Phosphoranteile auf.“

Walter Appenzeller vom BUND-Regionalverband sagt: „Aus meiner Sicht entzündet sich viel Kritik daran, dem Wald Kalk mit einer geringen Beimischung von Holzasche zuzuführen, was letztendlich zu einer Zuführung von Nährstoffen führt. Das gab es bisher nicht in dieser Form und darf hinterfragt werden. Denn ein Landwirt, der eine Fläche von über einem Hektar bewirtschaftet, muss alle fünf Jahre, wenn es Ackerland oder Weinberg oder Obstanlage ist, und alle acht Jahre, wenn es sich um Grünland handelt, eine Bodenprobe zur Ermittlung des Grund-Pflanzennährstoff-Status seiner Fläche ziehen, um eine Düngemaßnahme zu rechtfertigen. Es gibt eine ganze Reihe von landwirtschaftlichen Betrieben in Pforzheim und dem Enzkreis, die bei einer Kontrolle über 100 Bodenanalysen vorlegen müssen. Gleichzeitig wird für den Forst zur Begründung der beabsichtigten Kalkung für ganz Baden Württemberg gerade mal eine Grundgesamtheit von einer niedrigen dreistelligen Probenzahl als Grund herangezogen.“

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