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16.07.2015

Programm bei Alkoholproblemen geht weiter

Die Fälle, dass „sturztrunkene“ Jugendliche am nächsten Morgen in der Pforzheimer Kinderklinik oder auch in einer der Enzkreis-Kliniken aufwachen, reißen nicht ab. Diese Erfahrung schilderte der mit dem Thema bestens vertraute Sozialpädagoge Harald Stickel im Jugendhilfe-Ausschuss des Kreistags. Die Fortführung des Hilfeprogramms „Projekt 13“ sei ihm also ein wichtiges Anliegen.Was steckt dahinter?

Die Aktionsgemeinschaft Drogen bietet seit rund zehn Jahren pädagogische Hilfen bei der Bewältigung von Alkoholproblemen bei Jugendlichen an. Und dieses Programm, das mittlerweile in die neu gegründete gemeinnützige Tochtergesellschaft „Plan B“ ausgegliedert wurde, aber von denselben Fachkräften umgesetzt wird, soll nach dem Votum des Jugendhilfe-Ausschusses vorerst auch fortgesetzt werden.

Zum Selbstläufer geworden

Laut Stickel sei es ein zielgerichtetes Angebot für Jugendliche, die aus Leichtsinn oder Übermut derart dem Alkohol zugesprochen hatten, dass für sie ärztliche Hilfe und Übernacht-Betreuung angesagt waren. Durch die langjährige Zusammenarbeit mit der Kinderklinik am ehemals „Städtischen“ in Pforzheim sei es zu einem Selbstläufer geworden, dass die Klinik „Plan B“-Mitarbeiter verständigten, die dann am nächsten Morgen in der Regel im Beisein der Eltern den „Patienten“ zum Krisengespräch aufsuchten. Laut Stickel werde dieses Angebot dankend angenommen.

Wie der Experte erzählte, seien es nicht unbedingt notorische Trinkkumpanen, vielmehr würden sie häufig in die Situation hineinschlittern, meist noch gruppendynamisch bedingt, nach dem Motto „und noch eins – und noch eins …“ Mit dem Erstgespräch im Krankenzimmer lasse man es freilich nicht bewenden. Weitere Beratung würde vermittelt, mit dem Ziel, Konflikt- und Stresssituationen besser bewältigen zu lernen, statt diese im Alkohol zu ertränken. 2014 waren die „Plan B“-Experten mit 37 Jugendlichen aus dem Enzkreis und 27 aus Pforzheim befasst, im laufenden Jahr waren es bisher 21 Fälle. Und durchweg seien hochprozentige Getränke mit im Spiel – häufig auch in Kombination mit illegalen, synthetischen Rauschmitteln.

Im Jugendausschuss herrschte Übereinstimmung, das Projekt zunächst fortzuführen, allerdings mit einer geänderten Zuschusspraxis in Anlehnung an die Vorgehensweise der Stadt Pforzheim, die eine Fallpauschale von 520 Euro bezahlt, während der Enzkreis bislang pauschal 13.000 Euro an die Projektträger überwies. Das letzte Wort hat der Kreistag bei seiner Sitzung in zehn Tagen.