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Mit Pistolen bewaffnete Räuber drohten in einem Netto-Markt in Dobel, eine Handgranate zu werfen, wenn kein Geld herausgegeben würde. 

Raubüberfall auf Netto-Markt: Feuerwehr sperrte spontan Parkplatz ab

Dobel kommt nicht zur Ruhe. Erneut wurde der Ort zum Schauplatz eines schweren Verbrechens: Am Mittwochabend gegen 19 Uhr drohten zwei vermummte Täter im Netto-Markt auf den Dorfwiesen damit, eine Handgranate im Laden zu zünden. Einem Kassierer hielten sie zeitweise eine Pistole an die Schläfe. Die Männer konnten mit einem, so die Polizei, „niederen vierstelligen Betrag“ zu Fuß in Richtung Wald flüchten.

An der sofort eingeleiteten Suche nach den Flüchtigen war auch die Polizei-Hundestaffel beteiligt. Ein Polizeihubschrauber mit Wärmebildkamera konnte nicht eingesetzt werden. Die Fahndung blieb erfolglos.

Nachdem die beiden Männer den Einkaufsmarkt betreten hatten, forderten sie einen Kassierer und eine Kassiererin unter Vorhalt von zwei Pistolen zur Herausgabe des Bargelds auf. Laut Polizei wurde einer der Täter von seinem Komplizen mit dem Namen „Jakob“ angesprochen. Als die beiden Täter das Bargeld aus den offenen Kassen hatten, verstauten sie es in ihren offenen Rücksäcken und flüchteten zu Fuß.

Feuerwehr sperrt Parkplatz ab

Hätten sie einen Fluchtwagen auf dem Netto-Parkplatz geparkt gehabt, wäre die Flucht mit dem Autoschwieriger verlaufen. Am Mittwochabend wollten die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Dobel von ihrem Feuerwehrhaus, das neben dem Netto-Markt liegt, gerade zu ihrer wöchentlichen Übung starten. Bevor es losging, sorgte ein Kamerad noch im Discounter für Proviant. Als er an der Kasse bezahlen wollte, stürmten die Räuber den Laden und rissen ihm das Wechselgeld aus den Händen, berichtet Kommandant Werner Stengle.

Die vor dem Netto-Markt wartenden Feuerwehrleute reagierten geistesgegenwärtig. Noch während die Täter mit dem Überfall beschäftigt waren, sperrten sie mit der quergestellten Drehleiter den Parkplatz ab. Doch die Räuber wählten die Flucht über die Gebäuderückseite in den nahen und schon dunkel gewordenen Wald. > Hier geht es zur Täterbeschreibung. <

Ähnlicher Supermarkt-Überfall in Bad Herrenalb

Wie Polizeisprecherin Sabine Doll berichtet, erinnert die Tat an einen Raubüberfall am 15. Oktober im Nachbarort Bad Herrenalb. Ein Täter hatte etwa eine halbe Stunde vor Ladenschluss einen Lebensmitteldiscounter am Ortseingang überfallen und die Kassiererin mit einer Pistole bedroht. Sowohl Tatort (zwei Supermärkte), Tatzeit (jeweils eine halbe bis eine Stunde vor Ladenschluss), Täterbeschreibung (schlanke Statur, plus/minus 1,80 Meter groß) sowie die Tatwaffe (Pistole) passen vom Prinzip her zu dem Dobler Fall, der ja auch räumlich eng verbunden ist.

Der Lebensmitteldiscounter Netto liegt nur wenige hundert Meter entfernt vom Ort eines anderen schlimmen Verbrechens, das die Dobler am 17. September erschüttert hatte. Ein 47-jähriger Iraker wurde von zwei Männern an der Landesstraße 340 zwischen Dobel und Bad Herrenalb erschossen. Zwei Tatverdächtige sitzen inzwischen in Untersuchungshaft.

„Wir haben keine Polizei im Ort“ - Sicherheitsgefühl sinkt

Das Sicherheitsgefühl der Dobler ist durch die Vorfälle stark erschüttert, wie eine Umfrage der PZ zeigt. Bedrückt ist auch die Stimmung im Ort. „Die heile Welt ist nicht mehr heile“, sagte eine Frau, die vor Postfiliale befragt wurde. Die Verbrechen würden die Menschen nachdenklich werden lassen. Zumal erst im vergangenen Jahr die Volksbankfiliale in dem Höhenort überfallen wurde und im Jahr 2014 an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden Einbrecher die Postfiliale heimsuchten.

„Wir haben keine Polizei im Ort“, ärgerte sich ein Passant. Er sieht darin den Grund für die Straftaten. In der Regel ist der für Dobel zuständige Polizeiposten in Bad Herrenalb ab 19 Uhr nicht mehr besetzt. Danach ist der Polizeiposten Bad Wildbad für den Dienst in Dobel zuständig.

Lange Anfahrtszeiten

Laut Google Maps benötigt man unter normalen Voraussetzungen und mit korrektem Tempo für die rund 17 Kilometer vom Bad Wildbader Polizeirevier zum Netto-Markt in Dobel rund 20 Minuten. Im Notfall können auch Polizisten aus Neuenbürg anrücken. Da wären die Beamten auf der fast 15 Kilometer langen Strecke 18 Minuten unterwegs. Noch schneller würde es vom Polizeirevier in Bad Herrenalb aus gehen. Laut Google Maps fährt man die rund 5 Kilometer in 7 Minuten. Aber die Polizisten aus dem Albtal sind in der Regel nur tagsüber in Dobel im Einsatz.

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