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Einige Wochen nach dem Tod eines Ehepaares wurden die schon verwesten Leichen in einem Gartengrundstück bei Bretten gefunden. Rechtsmediziner müssen sich jetzt auf die Suche nach Giftstoffen machen, die möglicherweise in Blut- oder Muskelresten angereichert haben.
doppelmord in bretten - leichenfund im garten © Lorch-Gerstenmaier
27.08.2014

Rechtsmediziner Wehner: Schwierige Suche nach dem Gift

Bretten. Doppelmord im Juni. Ein paar Wochen später am 31. Juli findet die Polizei die Leichen eines Ehepaares in einem Gartengrundstück in Bretten. Im Fernsehkrimi wäre sofort obduziert und dann umgehend dem „Tatort“-Kommissar ein Gutachten überreicht worden. Der Polizeialltag sieht anders aus – und deshalb ist es ganz normal, dass das toxikologische Gutachten im Brettener Mordfall erst im Oktober vorliegt, wie der Tübinger Rechtsmediziner Prof. Dr. Frank Wehner erklärte.

Das chemisch-medizinische Verfahren soll klären, ob die Eltern eines weitgehend skelettiert in Thailand aufgefundenen 34-jährigen Stuttgarters vergiftet wurden. Die Polizei geht von einem Tötungsdelikt aus, sucht aber noch Gewissheit bei der Todesursache. Und diese Gewissheit ist nicht leicht zu bekommen. Da Leichen häufig und je nach Fundort unterschiedlich verunreinigt sind, gestaltet sich ihre Analyse oft sehr schwierig, so Wehner. Beamte der Kriminalpolizei Bruchsal hatten mit Hilfe von Polizeihunden die stark verwesten Leichen der 65-jährigen Frau und ihres 71 Jahre alten Ehemannes in einem verwilderten Garten am Stadtrand von Bretten gefunden.

Um Giften auf die Spur zu kommen, ist eine Blutuntersuchung von enormer Bedeutung. Das Blut, was den Leichen entnommen wird, muss zunächst kompliziert aufbereitet werden, so Wehner. Je älter die Leiche, desto problematischer werde jedoch die Entnahme von Blut. Oft sei gar keines mehr vorhanden.

In solch einem Fall könnten Gerichtsmediziner etwa auf die Entnahme von Muskeln zurückgreifen. Die Untersuchung von toxikologischen Rückständen in Knochen sei meistens erst die letzte Maßnahme, die ein Mediziner ergreife, da sich darin Stoffe erst nach längerer Zeit im Körper anreichern würden und Gifte deshalb schwerer nachweisbar seien.

Und Wehner, der auch Lehrbeauftragter am Uniklinikum Tübingen ist, verweist auf einen weiteren Faktor für die Langwierigkeit von toxikologischen Untersuchungen: Beim Nachweis von giftigen Stoffen in Körpern sei eine zentrale Frage, wonach überhaupt gesucht werden soll. Habe der Rechtsmediziner einen triftigen Hinweis oder Verdacht, sei es um einiges leichter, die toxikologische Untersuchung schnell und gezielt durchzuführen. Je nach Sachlage muss die Leiche aber auf viele unterschiedliche Stoffe getestet werden, um ans Ziel zu kommen.

Solch eine Giftsuche nach dem Tod sei keineswegs vergleichbar mit einem einfachen Screening des Urins, das in aller Schnelle durchgeführt werden könne. In jedem Fall dauere, so Wehner, eine toxikologische Untersuchung mehrere Wochen. Berühmte Beispiele hierfür wären die Obduktionen von Amy Winehouse und Michael Jackson. Der Zustand der Leiche, „frisch oder faul“, so Wehner, sei ausschlaggebend dafür, wie lange sich die Untersuchungen letztlich hinzögen.

Der Zustand der Brettener Leichen lässt offenbar keine schnellere Untersuchung zu, weshalb die Staatsanwaltschaft wohl erst im Oktober erfahren wird, ob und wie das Ehepaar vergiftet wurde.