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Gut besucht war die Gemeinderatssitzung in der „Rose“ zum Thema Wohnbauflächenausweisung.  Tilo Keller
Gut besucht war die Gemeinderatssitzung in der „Rose“ zum Thema Wohnbauflächenausweisung. Tilo Keller
16.05.2016

Rege Diskussion ums Wachstum der Tiefenbronner Gemeinde

Die geplante Neuausweisung von Wohnbauflächen in der Gemeinde Tiefenbronn hat für eine außerordentlich gut besuchte Gemeinderatssitzung gesorgt. Da bei diesem Thema auch Bürgerbeteiligung zugelassen war, haben einige betroffene Anwohner ihre Bedenken deutlich gemacht.

Bürgermeister Frank Spottek stellte dar, dass für die Gemeinde im Flächennutzungsplan nur noch 1,85 Hektar Wohnbauflächenreserven auf der Gemarkung von Lehningen vorhanden sind. Das noch junge Baugebiet Heimerwegwiesen im Ortsteil Lehningen sei bereits komplett verkauft und auch schon zum größten Teil bebaut. Aktuelle Anfragen von Bauwilligen müsse die Gemeinde derzeit abschlägig beantworten, abgesehen von Privatgrundstücken stehen keine Baugrundstücke zur Verfügung. Nach einer Behördenrunde wurde der Bedarf von 6,5 Hektar als genehmigungsfähig gesehen.

„Künftige Entwicklungen sind nur möglich, wenn im Flächennutzungsplan Flächen zur Verfügung stehen“, führte Spottek aus. Dafür sind die Bereiche „Finkenhütte“ in Tiefenbronn und der Bereich oberhalb „Auf der Steig“ in Mühlhausen ins Blickfeld geraten. „Wir wollen keinen Verbrauch von Landschaft“, meldete sich ein Bürger zu Wort und verwies auf die sogenannte Innenentwicklung vor Außenentwicklung. Der Bürgermeister erklärte, dass derzeit ein Innenentwicklungskonzept zusammengestellt wird. Zu den freien Bauplätzen erklärte er, dass diese in privater Hand liegen und die Gemeinde darauf nicht zugreifen könne.

Ein Bürger schlug vor, dafür ein Baugebot zu verhängen. Statt des anvisierten Areals in Mühlhausen wurde auch ein Gelände beim dortigen Sportplatz ins Gespräch gebracht. Gefragt wurde auch, warum Tiefenbronn überhaupt Bauflächen brauche, wenn die Gemeinde Neuhausen, die mit Tiefenbronn im Gemeindeverwaltungsverband ist, noch zehn Hektar zur Verfügung hat. Spottek betonte, dass beide Gemeinden Anfragen haben.

Gemeindemitarbeiterin Manuela Krentzel berichtete, dass frei werdende Häuser kaum ausgeschrieben werden müssten. „Bei einem Sterbefall stehen meist schon Bewerber für das Haus da“, sagte sie. „Der Druck aus der einheimischen Bevölkerung ist sehr groß.“

Gemeinderat Karl-Heinz Wagner (LMU) betonte hinsichtlich unbebauter Grundstücke, dass Privateigentum ein hohes Gut sei. Gemeinderat Stefan Kunle (CDU) stellte fest, dass die Infrastruktur mit Schule und Kindergärten wegbreche, wenn es nicht genügend Einwohner gebe. Er betont außerdem, dass es seiner Fraktion wichtig sei, dass die neuen Flächen nicht zu schnell vermarktet werden. Spottek erklärte, dass man erst in das Verfahren einsteigen müsse, um zu wissen, ob die Flächen überhaupt entwickelt werden können. Gemeinderätin Bettina Günther (LMU) waren die freien privaten Baugrundstücke ein „Dorn im Auge“ weshalb sie vorschlug, Anreize zu schaffen. „Wenn ich Freiflächen sehe, finde ich es bedenklich neue Flächen auszuweisen“, stellte sie fest.

„Wir nehmen das auf, was sie uns als Bürgerschaft mitgegeben haben“, sagte Spottek am Ende der Diskussion. Die Entscheidung, in das Verfahren zur Neuausweisung der anvisierten Flächen in Tiefenbronn und Mühlhausen einzusteigen, wurde vertagt.