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02.05.2008

Regionalverbandsdirektor Dirk Büscher: "Wir sind positive Lobbyisten"

Die Region voranbringen: das will Dirk Büscher, seit 1. April neuer Direktor des Regionalverbands Nordschwarzwald. Auch den regionalen Zusammenhalt will er stärken und konkrete Projekte angehen. Das kündigte er im PZ-Interview mit den Redakteuren Holger Knöferl und Bruno Knöller an.

Pforzheimer Zeitung: Herr Büscher, vergessen Sie mal für einen Moment, dass Sie der neue Direktor des Regionalverbandes Nordschwarzwald sind. Was fällt Ihnen dann zur Region Nordschwarzwald ein?
Dirk Büscher: Wenn man sich als Außenstehender überlegt, was die Region Nordschwarzwald ausmacht, dann sind das imageprägende und positiv besetzte Begriffe wie Wellness, Tourismus, Urlaub und Wandern. Das ist aber nur eine Facette der Region. Beschäftigt man sich ein klein wenig mehr mit der Region, gelangt man schnell zur Erkenntnis, dass die Region darüber hinaus einen hohen Wohnwert bietet und eine starke Wirtschaftsregion ist.

PZ: Erklären Sie einem normalen Bürger doch einmal kurz und knapp die Notwendigkeit Ihrer Arbeit.
Büscher: Es gibt im Prinzip zwei Bereiche. Zum Ersten nehmen wir die Aufgabe eines positiven Lobbyisten wahr. Beispielhaft sei das Thema Verkehrsentwicklung genannt, also der Bundes- und Landesstraßenbau.
Dies begleiten wir politisch und fachlich, um im Sinne der Region das Beste heraus zu holen. Der zweite wesentliche Bereich ist die Regionalplanung, das heißt wir beschäftigen uns als Planungsverband mit allen Themen, die von regionaler Bedeutung sind. Zu nennen ist beispielsweise die gewerbliche Entwicklung in der Region, insbesondere die Frage der Standortausweisung und -entwicklung. Was die Menschen sehr stark erleben können, sind auch regenerative Energien. Denken Sie an den Windpark in Simmersfeld/Seewald als regional bedeutsamer Standort.

PZ: Um das regionale Wir-Gefühl könnte es in der Breite besser bestellt sein. Welchen Beitrag wollen und können Sie da leisten?
Büscher: Es geht letztendlich um die Frage des regionalen Zusammenhalts. Der erste wichtige Baustein ist das Bekenntnis zur Region. Dafür sind solche Ereignisse wie die Stallwächterparty oder der regionalpolitische Gedankenaustausch wichtig und entscheidend. Man muss miteinander sprechen, um regional tätig zu werden. Wichtig ist auch, gemeinsame Positionen zu definieren. Hier ist die Region beispielsweise unter dem Stichwort Metropolregion bereits aufgestellt. Regional tätig werden heißt auch, mit konkreten Projekten, die der Region nutzen, aktiv zu werden. Darüber kann man ein regionales Wir-Gefühl aufbauen. Mit dem Projekt „Tourismus trifft Technik“ haben wir beispielsweise zu den Themen Tourismus und regenerative Energien eine solche Nische besetzt.

PZ:Wie wollen Sie unter dem Stichwort „Tourismus trifft Technik“ die Lücke zwischen Simmersfeld und Straubenhardt schließen und auch zurückhaltende Kommunen wie Neuenbürg von dem Projekt überzeugen?
Büscher: Die Resonanz, die ich in dreieinhalb Wochen mitbekommen habe, ist insgesamt positiv. Es gibt eine einzelne negative Meinungsäußerung, aber die nehme ich relativ gelassen, schließlich ist das eine freiwillige Sache. Unser Versuch ist es, zu überzeugen, um eigene interessante Dinge vorstellen und damit werben zu können – ob das nun Solardächer auf den Schulen sind oder Wasserkraftanlagen. Es gibt neun weitere Gemeinden, die an dem Projekt teilnehmen möchten. Wenn die Umsetzung gelingt, werden noch weitere Gemeinden mitmachen wollen. Vielleicht überlegt sich dann auch die Stadt Neuenbürg, ob sie dabei sein will.

PZ: Der Regionalverband hat sich vorgenommen, mit einem regenerativen Energiemix der Umweltzerstörung entgegenzutreten. Teilen Sie die Auffassung, dass dies zwar hehre Ziele sind, die Umsetzung jedoch nur
lückenhaft erfolgt?
Büscher: Was unter meinem Vorgänger hier angegangen wurde, ist als ein sehr positives politisches Signal zu werten. Themen wie Biomasse, Wind, Solarenergie, Geothermie und Wasserkraft sind umsetzungsorientiert angelegt. So kann sich der Privatmann über die Solareffizienzkarte, die der Regionalverband zusammen mit Sponsoren erstellt hat, informieren, ob sein Dach für die Nutzung der Solarenergie geeignet ist. Das Gleiche gilt für die Geothermie (Erdwärme), dafür gibt es die Geothermie-Karte, durch die sich die Bürger auch informieren können. Das Wesentliche ist, dass man von dem Ziel auf die Umsetzungsebene kommt. Ob das dann nachher eine Reduzierung um 300.000 Tonnen oder 250.000 Tonnen Kohlendioxid in der Region bedeutet, ist nicht so wichtig. Wichtig ist dagegen, ein Zeichen zu setzen.

PZ: Der Ausbau der A8 ist das zentrale Infrastruktur-Thema. Inwieweit ist der Regionalverband da involviert?
Büscher: Es ist nicht so, dass mit mir die Zeit neu anfängt. Der Regionalverband hat in der Vergangenheit für die A8 im Speziellen und für Verkehrsstrukturen insgesamt einiges getan. Der Regionalverband war zusammen mit anderen regionalen Interessensvertretern zwei Mal in Berlin und hat sich im Sinne des positiven Lobbyisten deutlich für den Ausbau eingesetzt. Dass solche Dinge Zeit brauchen, ist leider so. Ich würde mir wünschen, dass es nicht erst das Jahr 2014 oder 2016 ist, bis die Strecke komplett fertig ist. Der Abschnitt von der Karlsbader Steige bis zum Leonberger Dreieck wird aber sicher noch Zeit in Anspruch nehmen.

PZ: In der Region schreitet die Ausweisung von Gewerbeflächen ungebremst voran. Macht das Sinn – und wann ist das Ende der Fahnenstange aus planerischer Sicht erreicht?
Büscher: Letztlich ist das immer ein Abwägen von Interessen. Im gewerblichen Bereich gilt es, vernünftige und zukunftsfähige Entwicklungsperspektiven zu haben. Was die Nachfrage angeht, sind sicherlich die Autobahnabfahrten prädestiniert. Die Frage ist aber: Wie geht man mit den Flächen um? Man muss sich immer vergegenwärtigen, dass diese Flächen endlich und nicht vermehrbar sind. Regional geht es, aus meiner Sicht, immer darum, in Richtung interkommunale Zusammenarbeit zu wirken. Wenn jede Kommune für sich Gewerbe ausweisen würde, könnte es zu interkommunalen Konkurrenzen führen. Das wäre nicht immer produktiv. Das heißt, man braucht ein vernünftiges Maß an Flächen an den richtigen und vertretbaren Standorten und muss sich dann überlegen: Was mache ich mit den Flächen und wem möchte ich sie anbieten? Es ist sicher möglich, in einem Gewerbegebiet an der Autobahn die Leute auch mal mit Fast Food zu versorgen oder einen Autohof anzusiedeln. Nur sollte das eben nicht die Regel sein. Wir brauchen Flächen für arbeitsplatzintensive Unternehmen. Hierfür ist Vorsorge zu treffen.

PZ: Sie haben angekündigt, die Kommunen, die Sie zurzeit eifrig besuchen, in alle Entscheidungen umfassend einzubinden. Wie soll das geschehen?
Büscher: Mir ist es wichtig, kommmunikativ vorzugehen, das heißt, nicht nur im Büro in Pforzheim zu sitzen, sondern vor allem Ansprechpartner vor Ort zu sein. Das wird einen Großteil meiner Zeit beanspruchen. Im Sinne des Austausches und der Information möchte ich mit den Gremien und den Partnern in der Region offen umgehen.

PZ: Die Geschäftsstelle des Verbandes sitzt ja in Pforzheim. Wäre da nicht eine Außenstelle in Nagold oder Freudenstadt sinnvoll?
Büscher: Das ist ein netter Gedanke. Wir sind aber eine sehr kleine , schlanke und effektive Geschäftsstelle mit insgesamt acht Leuten. Allein daraus beantwortet sich schon die Frage, dass es keine Außenstelle geben wird. Umso wichtiger ist es – und deshalb komme ich auf die vorige Frage zurück – in der Region präsent zu sein.

PZ: Nach Winfried Scheuermann (CDU) und Jens Kück (SPD) sind Sie der erste parteilose Regionalverbandsdirektor. Wird das in den nächsten acht Jahren, für die Sie gewählt sind, so bleiben?
Büscher: Ich bin angetreten mit dem Ziel, im Sinne der regionalen Sache überparteilich zu arbeiten. Das heißt, dass ich gemeinsam mit allen Partnern die Themen angehen möchte. Da ist es für mich nicht primär entscheidend, mit welcher Couleur ich es zu tun habe oder welcher Couleur ich möglicherweise selbst angehöre.