nach oben
Nicht so schnell unterkriegen lassen wollen sich Irmgard Zachmann von der Remchinger Bürgerinitiative „Ruhe jetzt!“ und Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon im Kampf um einen verbesserten Lärmschutz an der A8.   Zachmann
Nicht so schnell unterkriegen lassen wollen sich Irmgard Zachmann von der Remchinger Bürgerinitiative „Ruhe jetzt!“ und Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon im Kampf um einen verbesserten Lärmschutz an der A8. Zachmann
29.11.2015

Remchingen: Kampf für Lärmschutz geht weiter

Einen ruhigeren Schlaf hatten sich zahlreiche Nöttinger und Darmsbacher Bürger vom sechsspurigen Ausbau der A8 und damit versprochenen Lärmschutzmaßnahmen erhofft. Das ernüchternde Ergebnis beschert ihnen weiterhin schlaflose Nächte, in denen sie sich unermüdlich Gedanken machen über Paragrafen und Verordnungen, über meterhohe Solaranlagen oder Wall-Bewaldungen, um endlich Ruhe zu haben.

Irmgard Zachmann, Sprecherin der Bürgerinitiative „Ruhe jetzt!“, verdeutlichte bei einer Informationsveranstaltung von BI und Gemeinde das Ergebnis: Bei der nachweislich fehlerhaften Berechnung zur A8-Planfeststellung im Jahr 2006 lagen 134 Remchinger Gebäude über dem nächtlichen Schallgrenzwert von 49 Dezibel – die nachgebesserte Untersuchung aus den Jahren 2014/15 zeigt 272 nicht ausreichend geschützte Gebäude (214 in Nöttingen, 57 in Darmsbach, eines in Wilferdingen). Selbst diese Berechnung setze Grenzwerte im Mischgebiet hoch und beziehe freie Bauplätze nicht ein.

Andererseits musste die BI feststellen, dass der Bund die Lärmschutzmaßnahmen nicht in voller Höhe ausgeschöpft hatte. Auf Nachfrage in Berlin erfuhren die Vertreter, dass eine Mittelwand auf der Pfinztalbrücke technisch nicht machbar sei, eine weitere Geschwindigkeitsbegrenzung auf 100 Stundenkilometer ein Eingriff in die Belange Dritter wäre und ein lärmmindernder Asphalt frühestens in zehn Jahren folge. Eine Schutzwanderhöhung stünde in keinem Kosten-Nutzen-Verhältnis. Stattdessen bot man Förderungen beim passiven Lärmschutz durch dichtere Fenster oder Raumlüfter an: „Dann haben wir ein Loch in der Wand und zusätzlich Energie- und Reparaturkosten. Wir fordern eine Gleichbehandlung wie in anderen Gemeinden durch aktiven Lärmschutz“, bekräftigte Zachmann mit Blick ins benachbarte Karlsbad. „Keine Gemeinde von Karlsruhe bis Leonberg ist nach unserem Wissen so stark betroffen“, verdeutlichte die Lärmschutz-Kämpferin.

Warum die damalige Gemeindeverwaltung nicht schon 2006 die Fehler aufgedeckt habe, wollte ein Betroffener wissen. „Es kann nicht sein, dass eine Verwaltung grundsätzlich vom Regierungspräsidium vorgelegte Gutachten in Frage stellen muss“, hielt Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon seinem Vorgänger Wolfgang Oechsle zu Gute. „Über viele Jahre haben wir für einen Lärmschutz gekämpft, der nur mit dem A 8-Neubau möglich war“, erinnerte sich Oechsle. „Da der Lärm damals beidseitig nicht auszuhalten war, wollten wir so schnell wie möglich, noch vor Niefern, den Ausbau. Da muss man sich doch darauf verlassen können, dass die Gutachten stimmen – inzwischen haben wir andere Erfahrungen.“

Prayon, dessen Angebot, den lärmmindernden Asphalt selbst zu bezahlen, abgelehnt worden war, warnte vor dem Weg vors Gericht: „Es ist frustrierend, aber eine Klage dauert Jahre, kostet viel Geld und die Aussichten auf Erfolg sind geringst. Das Regierungspräsidium und das Land haben einen langen Atem.“ Diesen Atem wollen jedoch auch die Remchinger beweisen – und zunächst mit einem außerjuristischen Widerspruch und Unterschriftensammlungen auf aktiven Lärmschutz sowie auf die Beantwortung noch offener Fragen pochen.