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In Remchingen – im Bild Wilferdingen – herrscht laut dem Landesministerium für Finanzen und Wirtschaft ein angespannter Wohnungsmarkt. Fotos: Ketterl (Archiv)
In Remchingen – im Bild Wilferdingen – herrscht laut dem Landesministerium für Finanzen und Wirtschaft ein angespannter Wohnungsmarkt. Fotos: Ketterl (Archiv)
09.08.2015

Remchingen will keine Mietpreisbremse

Noch in diesem Sommer will die Landesregierung die Mietpreisbremse in 68 Städten und Gemeinden umsetzen. Auf der Liste des Wirtschaftsministeriums steht auch Remchingen – als einzige Kommune aus dem Nordschwarzwald. Bis heute hatten die betroffenen Gemeinden Zeit, sich zu dem Entwurf zu äußern und Stellung zu nehmen. Die Mitteilung aus Remchingen dürfte der Landesregierung nicht schmecken.

„Wir wollen die Mietpreisbremse nicht angehen“, sagt Luca Wilhelm Prayon. Zu diesem Ergebnis sei der Finanzausschuss des Gemeinderats gekommen. Grund: Die Kommune befürchtet, dass Investoren abgeschreckt würden. „Das hilft uns auch nicht weiter“, so Prayon. Der Schultes spricht in diesem Zusammenhang von einigen Flächen, die noch als Baugrund entwickelt werden könnten. In der Neuerschließung sieht er auch einen Ausweg aus dem Dilemma: „Wir betonen seit mehreren Jahren, dass der Mietmarkt in Remchingen angespannt ist.“ Viele junge Familien müssten wegziehen, weil sie keinen geeigneten Baugrund finden würden.

Doch wie kommt Remchingen überhaupt auf die Liste des Wirtschaftsministeriums? In zwei Schritten habe man die Gemeinde ermittelt, sagt Sprecherin Martina Schäfer. Entscheidend seien der Wohnungsversorgungsgrad und die Warmmietenbelastungsquote gewesen. „Wo der Wohnungsversorgungsgrad unter 100 Prozent lag, wird von einer Anspannung des örtlichen Wohnungsmarkts ausgegangen“, so Schäfer. In Remchingen sei dies der Fall.

Heißt: In Wilferdingen, Singen, Nöttingen und Darmsbach gibt es weniger Wohnungen als Haushalte. Die Zahlen der Volkszählung von 2011 sowie des Statistischen Landesamts sprechen auf den ersten Blick allerdings eine andere Sprache: 4900 Haushalte gab es 2011 in Remchingen und zur selben Zeit 5216 Wohnungen. Das Wirtschaftsministerium hat beim Wohnangebot jedoch noch pauschal eine Fluktuationsreserve von drei Prozent abgezogen und bei der Zahl der Haushalte fünf Prozent draufgepackt. Denn oft wohnen mehrere Parteien in einem Haushalt zusammen, erklärt Schäfer. So stehen in Remchingen plötzlich 5145 Haushalte 5059 Wohnungen gegenüber. Und das, obwohl der Wohnbestand dort seit 2002 wächst – zwischen 0,4 und 1,5 Prozent bis 2013.

Doch auch die Warmmietenbelastungsquote spielt eine Rolle. Für diese wird der Anteil der Warmmiete am monatlichen Haushaltsnettoeinkommen mit dem Landesdurchschnitt verglichen. Das Problem: Remchingen führt keinen Mietspiegel und das Ministerium will keine Zahlen preisgeben. Lediglich für 2009 führt das Statistische Landesamt die jährlichen Gesamteinnahmen pro Person. Gerechnet auf die durchschnittliche Haushaltsgröße desselben Jahres sind es in Remchingen fast 64.000 Euro