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Foto: dpa
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17.05.2019

Remchinger Bürgermeister hätte beinahe gegen Boris Becker gespielt - aber nur beinahe

Remchingen. Und jetzt seufzen wir alle abgrundtief: Aach! Und gleich nochmal: Oooch! Denn es hätte alles so schön werden können: Eine Promi-Geschichte mit allem drum und dran, die das Zeug für bundesweite Schlagzeilen gehabt hätte – und Remchingens Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon mittendrin. Aber wie das eben so ist mit solchen Geschichten, manchmal ist der Wurm drin und es klappt einfach nicht. Aaaach.

Worum es geht, ist sofort klar, wenn die Stichworte „Boris Becker“, „Waldweg“ und „Remchingen“ fallen. Es war Mitte März, als die Tennislegende – besser gesagt: sein Chauffeur – einen Stau auf der Autobahn umfahren wollte und dabei eine unerlaubte Abkürzung durch den Wald nahm. Dabei erwischte ihn der Remchinger Förster – der Rest ist Geschichte. In allen Medien wurde über Boris auf Abwegen berichtet. Und über die humorvolle Art von Bürgermeister Prayon, mit dem unverhofften Promi-Besuch umzugehen. Er verzichtete nicht nur großzügig auf einen Strafzettel, sondern lud den ehemaligen Wimbledon-Sieger auf ein Match Tischtennis nach Remchingen ein – damit die Chancen nicht allzu einseitig verteilt sind. Mit einer Reaktion auf diesen spontanen Einfall rechnete der Bürgermeister natürlich nicht.

Kommentare aus Deutschland

Aber siehe da: Es meldete sich ein Unternehmer aus Heidelberg. Der Mann schrieb, er sei mit Becker befreundet und könne behilflich sein, tatsächlich einen Termin für das Match „Becker gegen Bürgermeister“ zu finden. „Ich habe natürlich zuerst recherchiert, ob das alles stimmt“, erzählt Prayon. Denn im Rathaus seien damals unzählige Kommentare aus ganz Deutschland zu dem Vorfall eingegangen – mal anerkennend, mal erbost, mal kurios. So meldete sich zum Beispiel eine Visagistin aus Hessen, die anbot, das Tennis-Ass für das Match zu schminken. Da wollte Prayon sichergehen, dass sich nicht einfach jemand einen Witz erlaubt.

Der Unternehmer übertrieb jedoch nicht und überbrachte Beckers Einverständnis, im April zu kommen. Er habe zu diesem Zeitpunkt einen Termin im Europapark Rust und könne das gut mit einem Abstecher nach Remchingen verbinden. „Aber leider passte das bei uns gar nicht, wir waren eingedeckt mit Terminen“, bedauert Prayon, der selbst Tennis spielt. Das Rathaus habe dann einen anderen Termin vorgeschlagen, der passte aber nicht in Beckers Pläne – und so ist die Idee mit dem Tischtennis-Match schließlich eingeschlafen. Und jetzt alle: Oooch! Was hätte das für eine legendäre Begegnung werden können! Mindestens so nervenzerfetzend wie 1987 das Davis-Cup-Spiel gegen John McEnroe, das Becker nach fast sechseinhalb Stunden gewann.

Warum nicht die Stones?

Sei’s drum. Der Bürgermeister findet es zwar schade, dass aus seiner spontanen Idee nichts wird. Aber das könne man leider nicht ändern, sagt er – und hat schon eine neue Eingebung. „Noch toller wäre es doch, wenn die Rolling Stones hier auftreten würden“, meint Prayon – und wer wollte ihm da widersprechen? Im Gegenteil: Die Alt-Rocker würden doch super ins Jubiläumsjahr 1250 Jahre Singen (Nomen est Omen) passen, schließlich sind die Vier zusammen grob geschätzt genauso alt. Trotzdem haben sie sich gut gehalten – und auch Mick Jagger ist nach seiner Herz-OP wieder topfit. Deshalb nun der ultimative Vorschlag: ein Doppel-Tischtennismatch zwischen Boris Becker, Mick Jagger, Keith Richards und Bürgermeister Prayon – mit anschließendem Konzert. Jetzt fehlt nur noch ein guter alter Freund der Stones, der die Sache einfädeln könnte.