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Robert Habeck spricht su den Teilnehmern der Grünen-Veranstaltung im Maulbronner Klosterhof. 

Robert Habeck bei Grünen-Veranstaltung in Maulbronn: Polizeieinsatz wegen Gegendemonstranten

Maulbronn. Von Offenburg in den Enzkreis: Der Bundesvorsitzende der Grünen Robert Habeck ist im Rahmen seiner Wahlkampftour am Samstagnachmittag im Klosterhof in Maulbronn. Gemeinsam mit Stephanie Aeffner, die Bundestagskandidatin der Grünen für den Wahlkreis Pforzheim/Enzkreis, wollte er dort mit Bürgern ins Gespräch kommen. Die gute Nachricht für Habeck: Bürger waren zahlreich zu der Veranstaltung erschienen. Die schlechte: Nicht alle waren ihm und seiner Partei wohlgesonnen.

Grünen-Spitzenkandidat Robert Habeck macht Halt in Maulbronn
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Video: Grünen-Bundesvorstand Robert Habeck macht Halt in Maulbronn

Eine Gegendemonstration - eine unübersichtliche Gemengelage aus Impfgegnern und Querdenkern - sorgte nämlich für eine aufgeheizte Stimmung. Die Redebeiträge wurdne durch lautstarke Sprechchöre und Pfiffe gestört. Laut Polizei waren es etwa 100 Personen, die sich ohne jegliche Genehmigung versammelt hatten und nicht nur gegen die Veranstaltung, sondern auch gegen die Corona-Verordnungen demonstrierten. Nach Schätzungen vor Ort nahmen etwa 500 Personen an der eigentlichen Veranstaltung teil.

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Gegendemonstration bei Grünen-Veranstaltung mit Robert Habeck in Maulbronn

Stellenweise musste die Polizei eingreifen, weil Demonstranten die Teilnehmer der Veranstaltung schubsten, oder mit Tröten und Megaphonen direkt in ihre Ohren brüllten. Grünen-Anhänger versuchten mit einer Menschenkette dagegen zu halten. Das Deutsche Rote Kreuz vermeldete keine nennenswerten Verletzungen, Mitarbeiter zeigten sich jedoch besorgt, da das Klima immer rauer wurde. Wie aus dem Wahlkampf-Team von Habeck hieß, war die Situation in Maulbronn einmalig.

Kein Dialog mit Kritikern

An den beiden Rednern ging die massive Störung nicht spurlos vorbei: Sowohl Aeffner als auch Habeck versuchten, den Kritikern ein Gesprächsangebot zu unterbreiten. Doch der Dialogversuch wurde immer wieder mit Lärm quittiert. Mit kräftiger Stimme, aber gelassen in der Sache, sagte der Grünen-Politiker: "Wenn Sie weiter lärmen wollen und nicht in Diskussion treten wollen - Ihre Entscheidung. Wir würden uns freuen, miteinander ein bisschen zu diskutieren, Ihnen Antworten auf Ihre Fragen geben. Wenn Sie es nicht wollen - okay, es ist ein freies Land." 

Ähnlich argumentierte die Bundestagskandidatin: "Es ist schade, dass kein Dialog zustande kam, weil es gerade Menschen sind, die sich aufregen, dass ihnen die Politik nicht zuhört", sagte Aeffner im Anschluss der Veranstaltung gegenüber der PZ. Gleichzeitig war Habeck von den Zuschauern, die fürs Zuhören kamen, begeistert: "Danke, dass ihr so standhaft seid." Und: "Die Spaltung der Gesellschaft darf nicht die Mitte der Gesellschaft erreichen, sondern muss am Rand bleiben."

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Beim Publikum konnten Habeck und Aeffner jedenfalls punkten. Eine Frau sagte: "Die Grundsatzdiskussion zu Freiheit fand ich gut, aber das kam bei den Querdenker wohl nicht gut an." Ein Paar, das die Grünen zwar nicht wählen möchte, war dagegen von Habecks Kompetenz positiv überrascht. Enttäuscht zeigten sich einige junge Menschen, die zur Unterstützung der Partei kamen, den Bundesvorsitzenden aber so schlecht aufgrund des Lärms verstanden hätten.

Für Robert Habeck ging es im Anschluss der Veranstaltung schnell weiter - nach Heidelberg. Auch dort will er mit Bürgern ins Gespräch kommen: über Klimaschutz, die ökologische Modernisierung der Industrie, über Beschleunigung bei der Digitalisierung, bezahlbare Mieten in der Stadt oder gute Grundversorgung auf dem Dorf.