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Im Büro des Noch-Landrats: Karl Röckinger mit dem Geschäftsführender Verleger Thomas Satinsky (Mitte) und Chefredakteur Magnus Schlecht.
Im Büro des Noch-Landrats: Karl Röckinger mit dem Geschäftsführender Verleger Thomas Satinsky (Mitte) und Chefredakteur Magnus Schlecht.
22.12.2017

Röckinger: „Ich habe den Kopf hinhalten müssen“

Kurz vor Ende seiner Amtszeit am 31. Januar hat sich Landrat Karl Röckinger noch einmal richtig mit dem Kreistag streiten und am Ende den Kürzeren ziehen müssen. War das notwendig? Der Geschäftsführende Verleger Thomas Satinsky und Chefredakteur Magnus Schlecht fragten bei einem Gespräch mit Röckinger in dessen Landratsbüro nach.

PZ: Herr Röckinger, welches Auto fahren Sie?

Karl Röckinger: Ich fahre schon seit über zwölf Jahren einen schönen Audi, eine Reiselimousine. Das ist mein fahrendes Büro. Ich bin sehr viel unterwegs und würde mein Arbeitspensum gar nicht schaffen, wenn ich nicht während dem Fahren – aber natürlich sitze ich dabei nicht selbst am Steuer – vieles erledigen könnte.

PZ: Und wissen Sie auch schon, welches Sie privat nach Ihrem Ausscheiden fahren werden?

Natürlich hat man seine Träume. Ich bin zurzeit unterwegs in Autohäusern und schaue mir verschiedene Fahrzeuge an.

PZ: In welche Richtung geht die Auswahl? Ist es eine Reiselimousine?

Nein. Ich brauche ein praktisches Auto. Früher bin ich immer VW-Bus gefahren, und deshalb liebe ich diese höhere Sitzposition. Es wird wohl ein SUV werden von einem namhaften deutschen Hersteller. Ich liebe deutsche Autos.

PZ: Der Streit um einen Audi e-tron für 130 000 Euro hat die Haushaltsdebatte im Kreistag geprägt. Gab es da zu viele widersprüchliche Aufklärungsansätze von Ihnen?

Da war die Verwaltung insgesamt sicherlich nicht ganz unschuldig. Wir haben im Frühsommer die Mitteilung bekommen, dass wir in das Förderprogramm „Elektromobilität“ reinkommen. Dabei ging es um eine Fördersumme von 150 000 bis 200 000 Euro bei einem Kaufvolumen von insgesamt 300 000 bis 400 000 Euro. Meine Mitarbeiter haben mich darüber informiert, woraufhin ich gesagt habe: „Gut, entwickelt was. Ich möchte etwas für den normalen Fuhrpark, ein Fahrzeug für einen Dezernenten und einen Ersatz für unseren VW-Bus.“ Seit diesem Gespräch habe ich nichts mehr von dieser Geschichte gehört. Es ist auch nicht meine Aufgabe, mich um ein paar Autos zu kümmern. Ich bin dann genauso wie die Mitglieder des Verwaltungsausschusses von dem Vermerk überrascht worden: Ein Audi etron für 130 000 Euro. Am nächsten Tag habe ich dann noch erfahren, dass ein Förderbescheid vorlag, in dem ein Q7 aufgeführt ist. Mittlerweile wissen wir, dass es den ursprünglich genannten e-tron ab 2019 tatsächlich für 78 000 Euro gibt. Das heißt aber überhaupt nicht, dass diese Fahrzeuge konkret beschafft werden sollte. Aufgabe war nur, den möglichen Förderrahmen mit Beispielen zu hinterlegen.

PZ: Ärgert es Sie im Nachhinein, wie das Ganze gelaufen ist?

Ich bin eigentlich jemand, der gerne in Harmonie arbeitet. Bei den Haushalten der vergangenen Jahre habe ich die entscheidenden Hinweise gegeben, wie wir zu einer günstigen Kreisumlage kommen können. Auch dieses Jahr waren wir nur knapp eine Million Euro auseinander. Aber sicherlich hat die Auto-Sache das Klima verschlechtert, obwohl ich persönlich gar nichts dafür konnte und nur als Chef der Behörde den Kopf hinhalten musste.

PZ: Sie haben gesagt, Sie seien an Harmonie interessiert. In den vergangenen drei Jahren gab es doch aber immer Knatsch mit den Bürgermeistern wegen der Kreisumlage. Was ist da Ihrer Ansicht nach passiert?

Die Verwaltung war immer an einem effizienten Arbeiten interessiert. Wenn seit 2014 die Steuerkraft der Kommunen von 200 Millionen Euro auf 260 Millionen Euro ansteigt und gleichzeitig die Ausgaben des Enzkreises für Soziales im gleichen Zeitraum von 280 Euro pro Einwohner auf über 386 Euro wachsen (das sind bei 190 000 Einwohnern Mehrausgaben in Höhe von 19 Millionen Euro), dann bin ich schon der Meinung, dass der Kreis etwas von der höheren Steuerkraft abbekommen soll. Das wollte der Kreistag uns aber nicht zugestehen. Denn die Kreisumlage ist seit 2014 quasi bei 70 Millionen Euro gedeckelt, was letztlich dazu geführt hat, dass wir mit 355 Euro Kreisumlage pro Einwohner deutlich unter dem Landesdurchschnitt mit 441 Euro liegen.

PZ: Für die einzelnen Kommunen ist es natürlich trotzdem immer ein großer Batzen Geld im Haushalt, zumal der Enzkreis in den vergangenen Jahren ja auch Millionenüberschüsse erzielt hat. Liegt es da nicht auf der Hand, dass die Bürgermeister an einer geringen Kreisumlage interessiert sind?

Das ist natürlich ganz normal. Aber wenn Sie sehen, wie die Kosten im sozialen Bereich gestiegen sind, dann stelle ich fest, dass sich die Kommunen an diesen Mehrkosten nicht beteiligen mussten. Wobei nicht vergessen werden darf, dass wir die niedrigsten Sozialausgaben im Land vorweisen. Das ist eine große Leistung unserer Mitarbeiter, die durch sehr umsichtiges und kompetentes Handeln so einen Spitzenwert möglich machen.

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