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24.05.2009

Rund 5000 Zuschauer lassen sich ins Mittelalter versetzen

MÖNSHEIM. „So, Volk von Mönsheim, jetzt wollen wir ´mal Extase üben!“ Weil das „Handgeklapper“ der Zuschauer den abenteuerlich gewandeten Akteuren der „Gaukeley“ auf dem Grenzbachhof der Reitschule Popp unterm Dach der Sportvereinigung Mönsheim am Samstagnachmittag noch gar zu dürftig war, provozierten die Gaukler das Beifallklatschen wieder und wieder mit immer waghalsigeren Kunststückchen und Sprüchen wie: „Schickt ehrsame Frauen und Jungfrauen nach vorne, so genau nehmen wir den Unterschied nicht, sie dürfen nur nicht zu alt sein.“

Mittelalter im Heckengäu, wie sich das die von Film und Fernsehen Verwöhnten zu Anfang des 21. Jahrhunderts eben so vorstellen. Herrliches Wetter, großartige Naturkulisse um ein malerisches Lager und ein nicht abreißender Strom lieblich bis martialisch gewandeten Volks waren Markenzeichen der „5. Mittelalterlichen Ritterspiele“. Die Mönsheimer Reitschule Popp hatte vor einigen Jahren mit einem stalleigenen Reiterfest begonnen. Inzwischen sind regionale Historiengruppen wie die tanzende und schlagende Verbindung der „Heimsheimer Schlegler“, die Renninger „Freyen Rittersleut zu Randingen“, die „Königlichen Hofsänger Wilfer“ oder „Ritter Martinus von Weißenstein und seine Getreuen“ mit von der Partie.

Am Wochenende strömten an drei Tagen – vom freitäglichen „Wanstvollschlagen beim Rittermahl für 130 Personen an Tafeln in der Reithalle“ bis zum „Aufmarsch aller Beteiligten“ am Sonntagabend – gut 5000 kleine und große Mittelalterfans von den hochgelegenen Parkplätzen hinunter zum Fest- und Turnierplatz im oberen Grenzbachtal. 36 malerisch gruppierte Stände waren im numerierten Angebot. Das ging von „OO Das stille Örtchen“, über „14 Bruder Michaels Ablasshandel“ bis „36 Schreiber, Informationen“ . Väter und Mütter, die sich beim „Wegzoll“ (Familienkarte für zwölf Euro), an „1001 Nacht Süßigkeiten“, „Wahrsagerey“ oder „Muselmanen Getränk und Gebäck“ finanziell übernommen hatten, konnten sich am „Pfandhaus“ die Börse wieder füllen lassen. Dann erwartete sie und ihre reit- wie fechtbegeisterten Kleinen ein bei allem Spektakel straff organisiertes Programm, auf das sich das Team um Monika Popp-Greule seit Monaten vorbereitet hatte.

Höhepunkt, und als Tag- und Nachtturnier fünfmal aufgelegt, war ein weiteres, gar nicht so finsteres Mittelalter-Kapitel nach dem Fortsetzungs-Motto „Wir schreiben das Jahr 1430, König Martinus hat seine Isabella durch die Pestilenz verloren, er braucht eine neue Königin“. Die Braut kommt aus dem Morgenlande und reitet stilecht auf einem feurigen Araberpferd. Mit „El Naarah“ („Das Feuer“) ist das Vollblutarabergestüt in Sichtweite im malerischen Gefolge ihres Vaters, des Kalifen Rei Ner al Hab. Die Poppsche 1001-Nacht-Fantasie sorgte mit dem guten Zauberer Merlin und der bösen Hexe Kalana für so viel virtuose Dramatik, dass Ross, Reiter und das fahrende Volk fünfmal mit „Handgeklapper“ nur so überschüttet wurde. Einige hielten es – angeheizt nach nächtlichem „Kampf der Feuerschwerter“ und „Bowen Mc Lead, der Feuerspucker“ – tatsächlich bis ins Morgengrauen aus.

Wer es noch einmal mittelalterlich haben will: In Friolzheim findet unter der Regie der Heimsheimer „Schlegler“ am 12. und 13. September der „Mittelaltermarkt“ statt.

www.reitschule-popp.de