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SPD-Ziel für die Pflege: Mehr Luft für Menschlichkeit

Enzkreis. Die Corona-Pandemie führt jedem die Bedeutung der Pflegeberufe vor Augen. In der Realität kämpfen Pfleger aber mit eher niedriger Bezahlung, viel Bürokratie und zu wenig Personal. SPD-Landtagskandidat Michael Hofsäß hat mit Experten über die SItuation gesprochen.

Corona verhindert Live-Veranstaltungen, aber der digitale Ersatz hat manchmal auch Vorzüge. SPD-Landtagskandidat Michael Hofsäß beispielsweise hat am Montagabend bei einem Austausch über die Situation und die Bedürfnisse der Pflegeberufe von etlichen Teilnehmerinnen aus der Berufspraxis profitiert, die den Abend mit ihren Erfahrungen prägten. In den (ebenfalls digitalen) SPD-Landesparteitag am Samstag nimmt der Göbricher zum Beispiel dringende Appelle für eine Entbürokratisierung mit, Sorgen um zu geringe Personalstände in Alten- und Krankenpflege oder Hinweise zu schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen.

Ingela Freisler, Hofsäß‘ Ersatzkandidatin, blickt auf 30 Jahre Arbeit in der Altenpflege zurück und sagt: „Das Wichtigste ist der würdevolle Umgang mit Menschen – und dafür braucht es mehr Zeit.“ Etwas, das die Maulbronner Intensivkrankenschwester Susanne Kiefner unterstreicht: „Gute Pflege braucht menschliche Zuwendung, stattdessen hat der Dokumentationsaufwand immens zugenommen.“

Die Expertinnen sind überzeugt, dass es den Pflegeberufen enorm helfen würde, wenn die besonders in Corona-Zeiten wertgeschätzte Arbeit auch finanziell besser vergütet würde. Hofsäß und die Bundestagsabgeordnete Katja Mast umrissen die SPD-Ideen zu einer Verbesserung dieser Rahmenbedingungen: eine Bürgerversicherung ohne Unterscheidung zwischen privat und gesetzlich Versicherten, die Deckelung des Eigenanteils für Familien von Pflegebedürftigen, einen Tarifvertrag in der Altenpflege, der von allen Trägern übernommen wird, oder ein besserer Personalschlüssel. Die Expertinnen aus der Praxis drängen aber besonders auch auf den längst überfälligen Bürokratieabbau. Eine weitere Baustelle sehen sie in Aus- und Weiterbildungskonzepten. Darauf wiesen etwa Karin Sygulla-Zeil, Ulrike Feeser-Schniz oder Beate Berger hin.

Neben positiven Vorstößen fürs Pflege-Studium herrsche teils ein Wildwuchs an Ausbildungen. Manchmal seien das „Schnellbleichen“, die dem Berufsbild schaden. Reformanstrengungen wie die neue Ausbildung, die im Wesentlichen nicht mehr zwischen Kranken- und Altenpflege unterscheidet, ernten zwar Zustimmung. Aber auch das habe teilweise Nachteile, sagt eine Führungskraft aus einer Altenpflegeeinrichtung im Enzkreis. Sie fürchtet, dass Nachwuchskräfte dadurch ihre Berufszukunft dort suchen werden, wo besser bezahlt werde: in den Krankenhäusern.

Alexander Heilemann

Alexander Heilemann

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