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28.09.2009

SPD verliert im Enzkreis massig Wähler

ENZKREIS. Die SPD hat im Vergleich zur Bundestagswahl 2002 im Enzkreis rund die Hälfte ihrer Wähler verloren. Besonders extrem fallen die Verluste in den einstigen Hochburgen aus. Die Linke profitierte davon nur zum Teil.

Das ganze Ausmaß der SPD-Niederlage bei der Bundestagswahl wird deutlich, wenn man sich im Enzkreis nicht nur die Stimmanteile der Partei anschaut. Die sind ja schon dramatisch genug eingebrochen. Aber was das genau bedeutet, zeigt der Blick auf die Zahl der Wähler, die sich dahinter verbirgt – und ein Vergleich mit der Bundestagswahl 2002.

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Zur Erinnerung: Das war eine Wahl, bei der die SPD mit Ach und Krach und Verlusten die Regierungsverantwortung mit den Grünen verteidigte. Aus heutiger Sicht klingt die Zahl der Wähler im Enzkreis, die damals ihr Kreuzchen bei der SPD gemacht hatten, für die Sozialdemokraten wie ein schöner Traum. 39 869 Enzkreis-Bürger stimmten im Jahr 2002 für die Genossen. Dieses Jahr sind davon nur noch 20 678 übrig geblieben. Die Wählerzahl der SPD hat sich damit in den vergangenen sieben Jahren praktisch halbiert.

Dieser Trend zeigte sich im Enzkreis von Gemeinde zu Gemeinde – auch wenn die SPD dort unterm Strich immer noch leicht besser davonkam als im Landesschnitt. Krass ist die Entwicklung besonders in den früheren Hochburgen der Partei. In Kieselbronn zum Beispiel. 2002 waren die Sozialdemokraten dort noch klar die stärkste Kraft, 2005 schafften sie gerade noch den Gleichstand mit der CDU, dieses Mal lagen sie nicht nur über zehn Prozent hinter der ebenfalls schwächeren Union, sondern auch hinter der FDP. Im selben Zeitraum sank die Zahl der SPD-Wähler in dem kleinen Ort von 710 auf heute 364. In Sternenfels sorgten vor sieben Jahren 746 Wähler für einen SPD-Wahlsieg mit 43,6 Prozent. 2005 hielten die Genossen in der Gemeinde trotz Verlusten den Vorsprung auf die Union. Dieses Mal machten ganze 410 Sternenfelser ihr Kreuzchen bei der SPD – die Partei verlor ihren Spitzenrang auf ähnlich dramatische Weise wie in Knittlingen.

Wo sind die vielen SPD-Wähler hin? Wohl eher nicht zum großen Konkurrenten CDU. Die Union hat in den letzten Jahren selbst kontinuierlich an Boden bei den Wählern verloren – wenn auch in weitaus schwächerem Maß. Das gilt für die einstigen SPD-Hochburgen, wo die CDU die Sozialdemokraten nicht wegen der eigenen Stärke überholt hat, sondern wegen der Schwäche der SPD. Verluste für die Union gab es aber auch in ihren eigenen traditionell starken Gemeinden. In Kämpfelbach hat die CDU zum Beispiel seit 2002 373 Wähler verloren, in Neuhausen sogar 447. Klar an der Spitze geblieben ist die Partei trotzdem.

Den offensichtlichen Unterschied zwischen der SPD im Enzkreis 2002 und der heutigen Partei ist, dass sich seit 2004 eine Gruppierung links der Sozialdemokraten etabliert hat. Sie begann als WASG, trat aber schon 2005 gemeinsam mit der Linkspartei/PDS zur Bundestagswahl an. Aus dem Stand erreichte sie im Enzkreis und in Pforzheim vier Prozent. In Kieselbronn überzeugte die heutige Linke jetzt 103 Wähler, in Knittlingen 288 und in Sternenfels 124. Aber selbst wenn sie die alle von der SPD geholt hätte, wäre die Linke nicht der einzige Faktor.

Leiden unter der Wahlbeteiligung

In allen früheren SPD-Hochburgen sind zuletzt FDP und Grüne erstarkt. Den größten Sprung machten beide Parteien dort aber bei dieser Wahl. In Kieselbronn und Sternenfels holten die Grünen abgesehen von Maulbronn mit ihre besten Kreisergebnisse. In allen ehemals sozialdemokratisch geprägten Gemeinden ist aber auch die Wahlbeteiligung seit 2002 um rund acht Prozent gesunken. Das Statistische Landesamt hat in einer Untersuchung der Landesergebnisse bei Bundestagswahlen seit 1949 gezeigt, dass die beiden traditionellen Volksparteien unter einer niedrigen Wahlbeteiligung besonders stark leiden.