Harry Wörz bei SWR-Dreharbeiten im Stadtgarten
Harry Wörz bei den Dreharbeiten zum Film über den Justizskandal. 

SWR verfilmt in Pforzheim Leben von Harry Wörz

Pforzheim/Region. Mit einem Film über den Prozessmarathon Harry Wörz will der Südwestrundfunk (SWR) die «Arroganz des Justizsystem» aufzeigen. «Wenn einmal Recht gesprochen ist, dann wird daran nichts mehr geändert, auch wenn die Zweifel noch so groß sind», sagte SWR-Redakteur Michael Schmidl am Dienstag in Pforzheim.

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Harry Wörz bei SWR-Dreharbeiten im Stadtgarten

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Dort dreht der SWR seit einigen Tagen einen Spielfilm über die Prozesse des Pforzheimer Bauzeichners Wörz, der 1997 wegen versuchten Totschlags an seiner von ihm getrennt lebenden Frau zu elf Jahren Haft verurteilt worden war. Nach einem komplizierten Gang durch die Instanzen sprach ihn der Bundesgerichtshof 2010 frei.

Einen exklusiven Bericht zu den Wörz-Dreharbeiten im Pforzheimer Stadtgarten und ein Interview mit Harry Wörz lesen Sie in der Mittwochausgabe der "Pforzheimer Zeitung" oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.

Nach Ansicht des Produzenten Sascha Schwingel von teamWorx demonstriert die Akte Wörz ebenso wie der aktuelle Fall Gustl Mollath die Borniertheit der Justiz, vor allem im Umgang mit ihren Opfern. «Es ist eine Unverschämtheit, dass Wörz noch immer um Schadenersatz kämpfen muss. Der Staat kann hier offenbar keine Größe zeigen.»

Wörz selbst erklärte, das Verfahren habe sein Leben zerstört. «Es gab drei Opfer: Meine Exfrau, mich und meinen Sohn, den sie mir weggenommen haben.» Er könne sich noch immer schwer in die Gesellschaft eingliedern. Immer wenn er einen Polizisten sehe, steige Wut in ihm auf. Und beim Anblick von Kindern müsse er daran denken, was er verpasst habe, sagte der 47-Jährige. «Eine Entschuldigung hat es bis heute nicht gegeben.»

Das Gericht hatte Wörz 1997 für schuldig befunden, seine von ihm getrennte Frau so lange gewürgt zu haben, dass sie bleibende Hirnschäden davontrug. Sie wohnt heute in einem Pflegeheim. Wörz saß viereinhalb Jahre unschuldig in Haft. Der Sohn wuchs bei den Schwiegereltern auf.