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Foto: Symbolbild
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14.07.2017

Schadenshöhe weiter ungeklärt - Wie viel Gold wurde aus Unternehmen gestohlen?

Auch am dritten Verhandlungstag vor dem Pforzheimer Schöffengericht ist im Fall der angeklagten Golddiebesbande die Höhe des verursachten Schadens nicht klargeworden.

Über vier Stunden musste der Kaufmännische Leiter der Edelmetallverarbeitungsfirma aus dem Enzkreis den Fragen des Vorsitzenden Richters Andreas Heidrich Rede und Antwort stehen. Aus dem Unternehmen waren im Herbst vergangenen Jahres mehrere Kanister mit goldhaltiger Galvanikflüssigkeit gestohlen worden, drei der anfangs fünf Angeklagten einigten sich am vergangenen Verhandlungstag mit dem Gericht und gaben die Taten zu (PZ berichtete) Dutzende Fotos und Videos ging das Gericht mit dem Zeugen durch. Ziel des Prozederes: „Ich möchte die Arbeitsläufe der Firma verstehen“, so Heidrich. Der Richter wollte wissen, was das Unternehmen tue, um Diebstähle aus dem Goldbad zu verhindern. Zum einen gebe es natürlich klare Arbeitsanweisungen, so der Zeuge, hinzu kämen Taschenkontrollen und Videokameras. „Auch am Goldbad?“, wollte Heidrich wissen. „Nein“, musste der Kaufmännische Leiter zugeben. Richter Heidrich konnte eine gewisse Skepsis bezüglich der Überwachung in der Firma nicht leugnen.

So würden bei einfahrenden Lkw oder Transportern zwar Datum, Uhrzeit und Kennzeichen notiert, aber nicht der Fahrer, so der Zeuge weiter. Zudem reiche es bei Verkäufen oder Übergaben, wenn irgendein Mitarbeiter der Firma anwesend sei – egal mit welcher Zuständigkeit.

Zwei der mittlerweile noch vier angeklagten Männer waren zum Zeitpunkt des Diebstahls Mitarbeiter jenes Unternehmens, einer von beiden als Staplerfahrer. Er könnte in einem der Videos dabei zu sehen sein, wie er drei Kanister transportiert – kein normaler Arbeitsablauf an dieser Stelle, wie der Zeuge betonte. Auch eine freundschaftliche Verbindung des Angeklagten zum damaligen Pförtner könnte der Zeuge sich vorstellen – im Video ist zu sehen, wie sich beide mit Handschlag begrüßen. Nicht klar wurde am gestrigen Verhandlungstag, welche Rolle der Pförtner spielte.

In Ihrer Firma scheint es keine lückenlose Kontrolle zu geben“, stellte Richter Heidrich fest. Einer der insgesamt sieben Verteidiger, Rechtsanwalt Cornelius Schaffrath, warf das Gerücht in den Raum, die Diebstähle hätten auch nach der Festnahme der jetzigen Angeklagten nicht aufgehört. Sicher ist, dass die Firma bereits im Januar und Juni 2016, vor dem Diebeszug der Bande, Gold im Galvanikbad nachfüllen musste. Damals habe man diesen Umstand mit verspäteten Rückgaben von Kunden erklärt, so der Zeuge. Verteidiger Hans-Dieter Weber kritisierte: „Diese Erklärung müsste auch für den Zeitraum, für den unsere Mandanten beschuldigt werden, mitbetrachtet werden.“ Zwei Inventuren im Oktober und Dezember 2016 hatten einen Verlust von insgesamt fast 130 Kilogramm Gold im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres ergeben. Hinzu käme der Diebstahl von Stanzabfällen.

Am nächsten Verhandlungstag am 24. Juni soll ab 9 Uhr mithilfe weiterer Zeugen die Schadensfrage endgültig geklärt werden.