nach oben
Der Pforzheimer Auktionator Helmut Janz nimmt das um 1800 entstandene Kriegsgemälde von Ellen Linsenmeier in Augenschein. Foto: Molnar
Der Pforzheimer Auktionator Helmut Janz nimmt das um 1800 entstandene Kriegsgemälde von Ellen Linsenmeier in Augenschein. Foto: Molnar
13.05.2018

„Schätzchen-Tag!“ im Schloss Neuenbürg am Internationalen Museumstag

Drei Taschenuhren hat Günther Frank im Gepäck. „Ich schätze sie über 100 Jahre alt“, sagt der Birkenfelder und setzt sich ans Ende der langen Schlange. Auch seine Frau Rosemarie hat ein Sammlerstück dabei – eine alte Schildkrötpuppe mit Baby.

„Die habe ich von einer alten Dame geschenkt bekommen“, erzählt sie. Für ihre Kinder wolle die fast 80-Jährige nun wissen, wie viel die Puppe wert sei.

Beim Internationalen Museumstag und im Rahmen der Sonderausstellung „Kurios. Dubios. Famos!“ fand im Schloss Neuenbürg erstmals ein „Schätzchen-Tag!“ statt. Zahlreiche Besucher brachten ihre Gemälde, Gefäße und Porzellanfiguren vorbei, um sie begutachten zu lassen. Helmut Janz vom Auktionshaus Pforzheim nahm die Alltagsgegenstände unter die Lupe, neben ihm saßen seine Frau Kathleen Janz und Sohn Jonas. Diamantprüfgerät, Schmuckwaage, Blaulampe – alles hatte der Auktionator dabei. Denn neben viel Trödelware kamen dem Experten auch echte Schätze auf den Tisch – das Ölgemälde von Lovis Corinth zum Beispiel. „Das ist ein berühmter Maler“, sagte Janz über das Landschaftsbild von 1924 und schaute in seiner Kartei auf dem Laptop nach etwas Vergleichbarem. 3000 bis 6000 Euro sei die kleine Malerei wert, die Besitzerin war sprachlos: „Und das mit diesem fürchterlichen Rahmen.“ Dieser sei unwichtig, so Janz, wurde später angebracht.

Auch das um 1800 entstandene Kriegsgemälde, das Ellen und Detlef Linsenmeier mitgebracht haben, würde ein paar Hundert Euro einbringen. Die Signatur des Künstlers konnte Janz jedoch nicht entziffern.

Schlag auf Schlag kamen die Flohmarktgänger, Sammler und Nachlassempfänger ins Kanzleizimmer, mal mit Silberhochzeit-Geschirr, Dekorationsmalereien oder einer hochwertigen Vase von Émile Gallé. Begeistert zeigte sich der Auktionator auch bei kuriosen Gegenständen wie einem Offiziers-Feuerzeug aus Messing oder einem Zahnstocher aus Horn. „Diese Kleinigkeiten haben mit Materialwert nicht viel zu tun, aber sie sind originell und viel zu schade zum Verhökern“, sagte er.

Neben dem „Schätzchen-Tag!“ gab es im Schloss auch Führungen, den Workshop „Auf der Spur der Kelten“ sowie die Raum- und Videoinstallation „Apfelschuss“ im Schlosskeller.