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Der Tatort: Direkt am Sommerberghotel wird am Dienstag dieses Schaf tot aufgefunden. Fotos: Stadtverwaltung Bad Wildbad
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Ein paar Tage zuvor, am 30. April, tappt ein Wolf im Jagdrevier auf dem Sommerberg in eine Fotofalle.

Schafsriss beim Touristenmagnet

Bad Wildbad. Tier wird bei Bergstation auf dem Sommerberg Opfer eines Angriffs. Experten müssen nun klären, ob ein Wolf dafür verantwortlich ist.

Im Oberen Enz- und Murgtal häufen sich in den vergangenen Tagen wieder Nach- und Hinweise auf einen Wolf. Am Dienstag ist nun ein gerissenes Schaf auf dem Sommerberg gefunden worden – direkt am gleichnamigen Hotel, ein paar Meter von der Bergbahnstation entfernt, von wo aus viele Tausend Besucher in Richtung Wildline und Baumwipfelpfad strömen. Den Vorfall teilte Bad Wildbads Bürgermeister Klaus Mack gestern mit. War es ein Wolf, der für die tödliche Attacke verantwortlich ist? Das sei laut dem Rathaus-Chef wahrscheinlich, jedoch nicht bestätigt. Mitarbeiter der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) haben dem Kadaver DNA-Proben entnommen. Das Senckenberg-Institut untersucht diese nun.

Erst, wenn das Ergebnis der Analyse vorliegt, könne man verlässliche Aussagen darüber machen, was für ein Tier für den jüngsten Riss verantwortlich ist, teilt das Umweltministerium des Landes mit. Laut Tobias Beigel von der FVA vergehen mindestens zwei Wochen, bis Gewissheit besteht.

Erst am Sonntag war ein Wolf von einer Fotofalle bei Forbach im Murgtal automatisch abgelichtet worden. Am 30. April wurde ein Raubtier von einer Wildtierkamera im Jagdgebiet auf dem Sommerberg aufgezeichnet. Exakt ein Jahr nach der Wolfsattacke zwischen Bad Wildbad und Enzklösterle, bei der über 40 Schafe ums Leben gekommen waren.

Mack wertet die Sichtung auf Bad Wildbader Gemarkung Ende April als Indiz dafür, dass ein Wolfsriss auf dem Sommerberg nicht ausgeschlossen werden könne. „Wir als Stadt möchten in dieser Sache für die größtmögliche Transparenz sorgen und unsere Bevölkerung informieren“, schreibt der Bürgermeister in einer Mitteilung und verweist auf die offiziellen Verhaltensregeln bei Begegnungen mit Wölfen, die das Umweltministerium herausgegeben hat.

Im Gespräch mit der PZ sieht Mack die Stadt nicht in der Verantwortung, durch den jüngsten Schafsriss Maßnahmen für das beliebte Ausflugsziel Sommerberg zu ergreifen. Er wolle den Experten, die sich mit der Gefahrenlage auskennen nicht vorgreifen und sieht die Verantwortung ohnehin beim Ministerium in Stuttgart. Auch eine Infoveranstaltung für die Bevölkerung habe es im vergangenen Jahr schon gegeben, so Mack.

Gleichwohl plädiert der Bürgermeister, der gleichzeitig seit jüngstem auch Vorsitzender des Naturparks Scharzwald Mitte/Nord ist, dafür, das Raubtier in das Jagdrecht mit aufzunehmen. „Ein Wolf ist kein Problem. Aber somit wäre eine größere Rudelbildung nicht möglich.“

Ob es sich bei den jüngsten Nachweisen des Wolfs um das Tier „GW 852m“ handelt, das vor rund eineinhalb Jahren das erste Mal im Nordschwarzwald aufgetaucht ist, ist laut Experten unklar. Die jüngst aufgenommenen Bilder klassifiziert das Umweltministerium zwar als sicheren Nachweis eines Wolfs. Mithilfe eines Fotos lasse sich ein Individuum jedoch nicht eindeutig bestimmen, sagte Jochen Bock, einer der beiden Wildtierbeauftragten des Kreises Calw, Anfang der Woche der PZ.

Hundertprozentig bestimmen lasse sich ein einzelnes Tier nur durch eine qualitativ hohe DNA-Probe, so Bock weiter. Eine solche könnte der FVA nun durch den Schafsriss auf dem Sommerberg in die Hände gefallen sein. Sicher ist, dass das getötete Schaf mit seinen verbliebenen Artgenossen nicht wolfssicher eingezäunt war. Das teilt das Umweltministerium mit. Der Eigentümer werde trotzdem für seinen Verlust entschädigt.