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Deutsch-italienisches Gedenken an die Opfer von Marzabotto – in der juristischen Aufarbeitung der Verbrechen herrscht oft weniger Einigkeit zwischen den Ländern. Das bekommt jetzt die Gemeinde Engelsbrand zu spüren. Ein Bürger gilt in Italien als Beteiligter an dem Massaker. Foto: dpa-Archiv
Deutsch-italienisches Gedenken an die Opfer von Marzabotto – in der juristischen Aufarbeitung der Verbrechen herrscht oft weniger Einigkeit zwischen den Ländern. Das bekommt jetzt die Gemeinde Engelsbrand zu spüren. Ein Bürger gilt in Italien als Beteiligter an dem Massaker. Foto: dpa-Archiv
15.03.2016

Schatten eines SS-Massakers: Kriegsverbrechen kosten die Ehrung

Engelsbrand. Der in Italien verurteilte Engelsbrander gibt seine Auszeichnung für soziale Dienste an die Gemeinde zurück. Es geht um seine Anwesenheit bei Verbrechen der Waffen-SS im Herbst 1944 bei Marzabotto.

Nachdem die übersetzten Gerichtsdokumente aus Rom der Gemeinde Engelsbrand vorlagen, ging es schnell. 2008 hatte das dortige Militärgericht einen Engelsbrander wegen Beteiligung an Kriegsverbrechen der 16. SS-Panzergrenadierdivision im Herbst 1944 bei Marzabotto zu lebenslanger Haft verurteilt. Er bestreitet die Verwicklung in die damaligen Morde an Zivilisten. In der deutschen Justiz ist der Fall noch immer in der Schwebe. Bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart laufen Ermittlungen gegen den Mann, der vor einem Jahr für sein Engagement nach dem Krieg in Kommunalpolitik und Vereins- und Gemeindeleben die Ehrenmedaille Engelsbrands erhalten hatte. In Unkenntnis der Vorwürfe aus Italien.

Für Freitag hatte die Verwaltung eine Sondersitzung des Gemeinderats zu einer möglichen Aberkennung der Ehrung geplant. Dazu kommt es nun nicht. Der Mann wird Urkunde und Medaille an Bürgermeister Bastian Rosenau zurückgeben. Er wähle diesen Schritt, um eventuellen Schaden von der Gemeinde abzuwenden, erklärt sein Verteidiger Christoph Bühler. Die Auszeichnung habe keinen Bestand mehr, teilt die Gemeinde dazu mit.