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Unter diesem Sandsteinhäuschen im Eyachtal sprudelt die Eschenbach-Quelle. Wilfried Seitz (links) gewährte den PZ-Lesern einen Einblick. Foto: Meyer
Blau sind die Rohre, in denen im Wasserwerk das Trinkwasser fließt. Foto: Meyer
In der großen Schaltzentrale hat der technische Leiter Wilfried Seitz den Überblick über das gesamte Leitungsnetz und die angeschlossenen Anlagen. Foto: Meyer
In acht Metern Tiefe kommt das Wasser der Eschenbach-Quelle aus dem Stein. Foto: Meyer
31.07.2017

Schau mal, wo du lebst: Mit allen Wassern gewaschen

Rund 1,9 Millionen Kubikmeter Wasser sprudeln pro Jahr aus den sechs Quellen der Mannenbach-Wasserversorgung im Eyachtal. Rund 45.000 Einwohner aus den sechs Gemeinden Birkenfeld, Neuenbürg, Straubenhardt, Karlsbad, Dobel und Bad Herrenalb werden damit versorgt. Am Montag konnten rund 20 PZ-Leser zum Auftakt der Sommeraktion „Schau mal, wo du lebst“ einen Blick hinter die Kulissen des Wasserwerks, in einen der Quellsammelbehälter und die Quelle Eschenbach werfen.

Bildergalerie: Schau mal, wo Du lebst - PZ Leser im Eyachtal

„Wir haben hier als Einzugsbereich einen riesengroßen Trichter bis Kaltenbronn, in dem es keine Landwirtschaft und keine Industrie gibt. Alles Naturschutzgebiet“, erklärt der technische Betriebsleiter Wilfried Seitz (54), der seit 17 Jahren bei der 1936 gegründeten Mannenbach Wasserversorgung ist. Deshalb sei das Wasser bei der Schadstoffbelastung auch immer im Minimalbereich. Allerdings sprudle das „Rohwasser“ mit einem pH-Wert von 5,5 sehr sauer aus dem Buntsandstein. „So würde es sämtliche Leitungen zerfressen, deshalb mischen wir Kalk bei, um auf einen pH-Wert von etwa 8,5 zu kommen“, so Seitz.

Spaziergang zur Quelle

Nach dem ein Kilometer langen Spaziergang vom Wasserwerk zur Eschenbach-Quelle hört man das Rauschen des Wassers schon außerhalb des kleinen Sandsteinhäuschens. „Früher war hier einfach ein runder Brunnenschacht, 1999 wurde die Quelle dann ausgebaut“, erzählt Seitz, der zusammen mit zwei Kollegen alles am Laufen hält. Drinnen geht es über Treppen acht Meter in die Tiefe. Dort sprudelt das Wasser aus Rissen im Sandstein in ein Becken. Frisch ist es in dem Bau aus Beton, Fließen und Edelstahl. „Die Wassertemperatur liegt das ganze Jahr über unverändert bei acht Grad“, klärt Seitz auf. Nach den Regenfällen zuletzt ist das Wasser im Augenblick leicht bräunlich. „Das kommt, wenn das Hochmoor überläuft. Die Einheimischen nennen das ,Rotwasser’. Aber das gibt sich in ein paar Tagen wieder“, sagt Seitz.

Mit einer Schüttung von 30 bis 85 Litern pro Sekunde sei die Eschenbach-Quelle eine der größten der Mannenbach-Wasserversorgung. Derzeit werde das gesamte Wasser aber in die Eyach abgeleitet. „Wir bekommen gerade aus den Quellen am Lehmannshof genug Wasser. Und von dort fließt das Wasser von allein, weil der 80 Meter höher liegt“, erklärt Seitz. Von der Eschenbach-Quelle im Talgrund müsste das Wasser ins Netz gepumpt werden – und das frisst Strom: „Den erzeugen wir zwar über Wasserkraft zum Teil auch selber, aber immer Sommer reicht das nicht ganz.“ Der trockene Sommer 2016 habe sich zum Beispiel gleich mal in einer um 80 000 Euro höheren Stromrechnung niedergeschlagen.

Im Quellsammelbehälter bei der Eyachmühle sind zwei 3,70 Meter tiefe Becken mit insgesamt 750 Kubikmetern glasklarem Wasser gefüllt. „Es ist das letzte Mal, dass wir das Wasser offen sehen. Ab hier ist es nur noch in geschlossenen Leitungen und Tanks“, erklärt Seitz.

„Lebensmittel Nummer eins“

Die Aufbereitung als „Lebensmittel Nummer eins“, wie Seitz sagt, erfolgt dann im Wasserwerk selbst. Hier wird der Kalk zugesetzt, das Wasser läuft durch Aktivekohle- und Quarzsand-Filter, es wird mit UV-Licht bestrahlt, um Keime abzutöten. Von hier geht das Wasser dann in die Leitungen zu den angeschlossenen Verbandsgemeinden.

In einer riesigen Schaltzentrale kann Seitz den ganzen Prozess überwachen und sieht am Computer die aktuellen Verbrauchskurven aus den Gemeinden. „Wenn in der Halbzeitpause eines Fußballspiels im Fernsehen alle pinkeln gehen und danach die Spülung drücken, sieht man hier einen deutlichen Ausschlag nach oben“, schmunzelt Seitz. Aber auch Rohrbrüchen könne man dank der Daten auf die Spur kommen.

Die PZ-Leser zeigten sich beeindruckt. „In Zukunft werde ich wohl den Hahn noch bedachter aufdrehen“, sagt Monika Rau, die als Neuenbürgerin zu Hause selbst täglich in den Genuss des Mannenbach-Wassers kommt.