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„Hallo Moskau!“, steht noch auf dem Anhänger seines Lanz-Traktors. Eigentlich müsste es jetzt „Hallo Schellbronn!“ heißen. Seit gestern ist der WM-Reisende Huberth Wirth wieder zurück in der Heimat. Foto: Meyer
Das gibt’s doch nicht: Nach der Panne des Traktors macht auch der Jeep von Ingo Reinmann (links) schlapp. Huberth Wirth kennt sich aus und packt mit an. Foto: Meyer
Marmelade aus Russland: eines von vielen Geschenken, die Wirth erhalten hat. Foto: Meyer
Russlands Fahne weht am Trecker. Land und Leute haben Wirth fasziniert. Foto: Meyer
Ob „Hexe“ wohl noch von Moskau träumt? Die ganze Mammuttour über war der Hund seinem Herrchen ein treuer Begleiter. Foto: Meyer
12.08.2018

Schellbronner wieder zu Hause: Mit dem Traktor nach Moskau und zurück

Am 14. Mai hat sich Hubert Wirth auf den Weg zur Fußball-WM in Russland gemacht – mit einem knatternden Oldtimer. Der Trecker hielt fast 6000 Kilometer durch, um dann am Sonntag in Weil der Stadt, kurz vor der Rückkehr nach Schellbronn, den Geist aufzugeben. Als ob der Globetrotter am Steuer nicht schon genug zu erzählen hätte . . .

Sollte bereits jemand am Drehbuch für eine Verfilmung dieses Abenteuers schreiben, muss er nun ein weiteres unglaubliches Kapitel hinzufügen. Spektakulär wie der fast 6000 Kilometer lange Trip des Schellbronner Traktorfahrers Hubert Wirth (69) nach Moskau und retour verläuft an diesem Sonntagnachmittag dessen Rückkehr. In Weil der Stadt macht das 80 Jahre alte, die ganze Wegstrecke über so treue Gefährt schlapp – zwölf Kilometer vor der Heimat. Viel Rauch, sonst nichts. Es bleibt nicht die einzige Panne. Und dennoch: So etwas kann weder den inzwischen wohl weltweit bekanntesten Treckerfahrer noch seine Begleitung aus der Ruhe bringen: Hund „Hexe“ schlummert auf dem Beifahrersitz einfach weiter, und Wirth sagt nur lächelnd: „Ich bin meinem Lanz nicht böse.“

Bildergalerie: Die unglaubliche Reise von Huberth Wirth nach Moskau und zurück

Panne im Doppelpack

Am Schellbronner Friedhof haben sich einige Freunde versammelt, um den Globetrotter, der sich am 14. Mai auf zur Fußball-WM in Russland gemacht hatte, mit Sprudel und Schampus zu empfangen. Als sich die Kunde vom streikenden Lanz herumspricht, schwingt sich Ingo Reinmann, der Vorsitzende der Schellbronner Motorradfreunde, ans Steuer seines schweizerischen Militärjeeps, um den Gestrandeten abzuschleppen. Doch auf der Fahrt nach Weil der Stadt zerreißt es den Kühlerschlauch des Jeeps. Die Folge: Beide Fahrzeuge stehen defekt bei der Tankstelle in der Nachbarstadt, umlagert von immer mehr Schellbronnern, die per Auto oder Rad herüberkommen. Eine kleine Ewigkeit wird am Jeep geschraubt und auf die Ankunft von Wirths ehemaligem Arbeitskollegen Gerhard Speer gewartet, der den Lanz mit seinem – ebenfalls betagten – Schlüter-Traktor abschleppen soll. Die Zeit vergeht jedoch wie im Flug angesichts der Geschichten, die der frühere Kfz-Mechaniker zu erzählen hat.

Rund um den Globus sind die TV-Bilder von dem Fußballfan auf dem Traktor mit dem fassähnlichen Anhänger geflimmert. Dabei hatte es der ruhige, zurückhaltende Schellbronner darauf nun wirklich nicht abgesehen. Als 2010 die Entscheidung für Russland als WM-Ausrichter fiel, sei für ihn gleich klar gewesen: „Da fahr’ ich hin.“ Er brachte seinen Lanz in Schwung und gab bei einer eigentlich auf den Bau von Saunen spezialisierten Firma den Anhänger in Auftrag. Gut gerüstet, ging es im Frühjahr los – ganz ohne mediales Getöse.

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Mehr dazu:

Ein Schellbronner und sein Weg mit dem Traktor zum Start der Fußball-WM

Schreiberling
13.08.2018
Schellbronner wieder zu Hause: Mit dem Traktor nach Moskau und zurück

Dieser Tausendsassa hat mehr für die Völkerverständigung getan und erreicht als viele Honoratioren, die sich als Spesenritter auf die Titelseiten drängen. Gäbe es mehr von seiner Sorte, hätten wir weniger Kriege und - weniger Flüchtlinge. Der Mann gehört für die Verdienstmedaille des Landes oder für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen. Denn er hat etwas aus eigenen Stücken angeschoben und durchgezogen - anders als so manche, die meinen, sie hätten aufgrund ihrer Stellung ein Anrecht auf eine ...... mehr...

Dr. Dolittle
13.08.2018
Schellbronner wieder zu Hause: Mit dem Traktor nach Moskau und zurück

In der Tat eine wirklich schöne und begrüßenswerte Aktion. Gefällt mir persönlich auch viel besser wie eine martialisch auftretende Horde halbseidener Motorradrocker, bei denen einem eher ein Gefühl der Einschüchterung und weniger der Völkerverständigung beschleicht. mehr...

Ekinger
13.08.2018
Schellbronner wieder zu Hause: Mit dem Traktor nach Moskau und zurück

[QUOTE=Dr. Dolittle;304704]In der Tat eine wirklich schöne und begrüßenswerte Aktion. Gefällt mir persönlich auch viel besser wie eine martialisch auftretende Horde halbseidener Motorradrocker, bei denen einem eher ein Gefühl der Einschüchterung und weniger der Völkerverständigung beschleicht.[/QUOTE] Das war ja nicht seine erste Aktion. Mit seinem Traktor war er bereits im Vatikan und im spanischen Wallfahrtsort Santjago de Compostella. mehr...

Schreiberling
13.08.2018
Schellbronner wieder zu Hause: Mit dem Traktor nach Moskau und zurück

[QUOTE=Ekinger;304710]Das war ja nicht seine erste Aktion. Mit seinem Traktor war er bereits im Vatikan und im spanischen Wallfahrtsort Santjago de Compostella.[/QUOTE] Für mich ist und bleibt er ein Held. Basta. mehr...