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02.12.2010

Schnee in der Region: Toter 18-Jähriger, ausgebremster Sommerreifen-Schleicher, Blechschäden

NORDSCHWARZWALD. Die anhaltend starken Schneefälle haben in Baden-Württemberg bis Donnerstagvormittag wieder zu zahlreichen Unfällen geführt. Im südbadischen Waldshut-Tiengen starb ein 18- Jähriger bei einer Kollision mit einem Lieferwagen. Ein Autofahrer, der bei Höfen mit Sommerreifen extrem langsam unterwegs war und den Verkehr behinderte, musste sein Auto stehen lassen. Die Straßen im Landkreis Calw sind teilweise noch schneebedeckt, insbesondere die Seitenstraßen. Die Bundesstraßen sind im Nordschwarzwald aber im Großen und Ganzen sehr gut geräumt.

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Sommerreifen sind einem 23-jährigen Fiat-Fahrer am Mittwoch gegen 22.30 Uhr zum Verhängnis geworden. Der junge Mann war mit rund 20 Stundenkilometern von Höfen nach Calmbach unterwegs und zog eine lange Autoschlange hinter sich her. Eine Polizeistreife, der die langsame Fahrt auffiel, kontrollierte ihn und forderte ihn auf, sein mit Sommerreifen ausgestattetes Auto auf einem Parkplatz stehen zu lassen.

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Am Mittwoch gegen 19 Uhr ist ein 31-jähriger Mercedes-Fahrer zwischen Stammheim und Gechingen aufgrund schneeglatter Fahrbahn ins Rutschen gekommen. Er geriet zu weit links auf die Gegenfahrbahn und streifte den Spiegel einer entgegenkommenden 44-jährigen VW-Fahrerin. Dabei brach auch noch das Seitenfenster. Der Mann fuhr ohne anzuhalten weiter. Die Frau folgte dem Verursacher und rief die Polizei.

Der bei Waldshut-Tiengen zu Tode gekommene 18-jährige Autofahrer war auf der mit Schneematsch bedeckten Fahrbahn auf die Gegenfahrbahn geraten und auf einen Lieferwagen geprallt. Dieser kippte um, der Fahrer wurde im Fahrzeug eingeklemmt und schwer verletzt. Der 18-Jährige schleuderte mit seinem Auto in das angrenzende Ackergelände und erlitt tödliche Verletzungen.

Insgesamt ereigneten sich im Zeitraum zwischen Mittwoch 21 Uhr, und Donnerstag, 1 Uhr, insgesamt drei Unfälle aufgrund schneeglatter Fahrbahn im Bereich der Polizeidirektion Pforzheim. Es entstand hierbei Sachschaden in Höhe von rund 10.000 Euro, es wurden keine Personen verletzt. Zudem kamen mehrere Fahrzeuge im Enzkreis von der Fahrbahn ab, ohne dass Sachschaden entstand.

Am Mittwochabend, gegen 21.45 Uhr, rutschte im Bereich der Anschlussstelle Pforzheim-Ost ein Sattelzug in eine Böschung und musste durch ein Abschleppunternehmen geborgen werden. Am Donnerstagmorgen kam es bislang zu drei witterungsbedingten Verkehrsunfällen mit Sachschaden im Stadtkreis Pforzheim sowie zu einem Verkehrsunfall im Bereich Mönsheim. Es entstand hierbei Sachschaden in Höhe von rund 8.000 Euro. Personen kamen ebenfalls nicht zu Schaden.

Im Bereich der Autobahn A8 im Bereich des Enzkreises kam es zu keinen nennenswerten Störungen. Räumdienste waren im gesamten Bereich im Einsatz. Infolge der Schneefälle war allerdings die A8 am Aichelberg (Kreis Göppingen) für rund eine Stunde gesperrt. Dort hatte sich in der Nacht zum Donnerstag ein Lastwagen quer gestellt. Am Flughafen Stuttgart kam es zu leichten Verspätungen, da die Maschinen enteist werden mussten oder bereits zu spät von anderen Flughäfen gestartet waren.

Âuch in anderen Teilen Deutschlands gab es Probleme. Schnee und Eis haben den Zugverkehr rund um Leipzig seit Mittwochabend lahmgelegt. Etliche Reisende, deren Anschlusszüge am Abend ausfielen, haben die Nacht auf dem Bahnhof oder in einem

Aufwärmzug verbracht. Helfer schenken kostenlos Tee und Kaffee aus. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie erwartete am Donnerstagvormittag an wieder Sturmfluten an der Ostseeküste Schleswig-Holsteins mit Wasserständen von 1,2 Metern über dem Normalstand.

Am Mittwochabend starb ein LKW-Fahrer beim Zusammenprall mit einem Zug auf einem Bahnübergang in Ostholstein. Der Lokführer wurde leicht verletzt. Auch in Bayern kam es aufgrund schneebedeckter Straßen zu einem ähnlichen Unfall. Ein Lastwagen wurde ebenfalls auf einem Bahnübergang bei Nürnberg erfasst, weil das Fahrzeug steckenblieb. Der Fahrer starb. Im Zug wurden vier Passagiere verletzt - die Strecke von Bayreuth nach Nürnberg wurde deshalb bis in die Morgenstunden am Donnerstag gesperrt. Zudem starb eine 30-jährige Frau, nachdem sie sich mit ihrem Auto bei Aschaffenburg auf glatter Straße überschlagen hatte.

Immer wieder stellte die Polizei fest, dass Fahrzeuge noch mit Sommerreifen und dazu teilweise fast ohne Profil unterwegs sind. Spezielle Kontrollen, ob die Fahrzeuge mit Winterreifen unterwegs sind, gab es nach Angaben der Polizei jedoch nicht, da die Beamten damit ausgelastet waren, die vielen Unfälle aufzunehmen.

Eine gute Nachricht hatten die Meteorologen aber doch: «Die Winde werden am Donnerstag schwächer werden», sagte DWD-Fachmann Martin Jonas. Zwar werde der Schnee immer noch locker und pulverig sein und deshalb mit leichten Böen schon wirbeln können. Nur die Ostsee werde von schnellen und stürmenden Winden heimgesucht. Ansonsten werde es ruhiger. Auch für Bayern und Baden-Württemberg sagte ein DWD-Fachmann das voraus. Aber: «Die tiefen Temperaturen bleiben weiterhin wirklich extrem.» Mit bis zu minus 15 Grad nämlich. Ein Polizeisprecher aus Stuttgart fasste die Lage zusammen: «Hier liegt so viel Schnee. Da dreht sich kein Rädle.» dpa

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