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22.04.2008

Schock über drohende Abschiebung

CALW/PFORZHEIM. Beim Pforzheimer Verein „Afrika- Präsenz“ ist die Bestürzung groß: Eines ihrer Mitglieder sitzt seit Dienstag in Calw in Haft. Dem 34-Jährigen droht die Abschiebung in sein Heimatland Kamerun.

Am Mittwoch entscheidet das Amtsgericht Calw, ob Luc Kamga zurückgeschickt wird. Sollte der Richter dem Antrag des Regierungspräsidiums zustimmen, würde der 34-Jährige bereits in wenigen Tagen in einem Flugzeug nach Kamerun sitzen. „Wenn er abgeschoben wird, dann ist das für ihn als Exil-Oppositionellen extrem gefährlich“, sagt Alexander Ngnoubamdjum vom Pforzheimer Verein „Afrika-Präsenz“. Kamga werde bei seiner Ankunft in Kamerun sicher von Sicherheitsbehörden in Empfang genommen. „Und manche Leute verschwinden dann einfach“, sagt der Mitarbeiter von „Afrika-Präsenz“, der am Dienstag nach Calw eilte, um dem Vereinsmitglied Luc Kamga zur Seite zu stehen.

Von Ereignissen überrumpelt

Denn Kamga war von den Ereignissen völlig überrumpelt und schockiert: Laut Ngnoubamdjum nahm die Polizei den Kameruner auf dem Landratsamt Calw in Gewahrsam, als er dort seine Duldung verlängern und Gutscheine für Grundnahrungsmittel beantragen wollte. Die Gutscheine brauchte der 34-Jährige, der früher in Unterreichenbach gearbeitet hatte, weil er vor einiger Zeit keine Arbeitserlaubnis mehr bekommen hatte.

Für Alexander Ngnoubamdjum ist die drohende Abschiebung Kamgas völlig unverständlich: „Er ist nie straffällig geworden, hat die Sprache gelernt und sich hier voll integriert“, sagt er. So wirkte Kamga bei Afrika-Festivals in der Region mit, sei Mitglied bei „Afrika-Präsenz“ und in der Kirchengemeinde Unterreichenbach aktiv.

In der Opposition aktiv

Nach Deutschland kam Kamga im Jahr 2001, weil er laut Ngnoubamdjum in seinem Heimatland Schikanen zu befürchten hatte. Denn dort war der 34-Jährige in der politischen Opposition aktiv und organisierte Demonstrationen mit, die zum Teil gewaltsam niedergeschlagen wurden. „Solche Leute werden dort verfolgt“, so Alexander Ngnoubamdjum.

Allerdings schienen diese Gründe nicht ausreichend: Nach Angaben von Uwe Herzel, Sprecher des Karlsruher Regierungspräsidiums, wurde Kamgas Asylantrag 2004 abgelehnt. Dass er seitdem in Deutschland geduldet wurde und in einer Asylunterkunft in Neuweiler lebte, hängt laut Herzel mit dem fehlenden Pass zusammen, um den sich Kamga jedoch auch nicht sonderlich bemüht habe. Nun läge ein Reisedokument vor. Sollte der Richter dem Antrag der Behörde zustimmen, sei die Abschiebung daher für die nächsten Tage vorgesehen, so Herzel.

Für Barbara Stein kam die Nachricht von der gestrigen Verhaftung Luc Kamgas völlig überraschend: „Er hat immer so viel Zuversicht ausgestrahlt und wir dachten, er habe gute Chancen, hier zu bleiben“, sagt die Mitarbeiterin der evangelischen Kirchengemeinde Unterreichenbach erschüttert. Der 34-Jährige sei fast so etwas wie ein Familienmitglied gewesen, habe die Familie jede Woche besucht und mit ihnen Ostern oder Weihnachten gefeiert.

Enge Bindung

Kennengelernt hat die Familie Luc Kamga als er noch arbeiten durfte und danach von Unterreichenbach nach Hause trampte. Aus Gesprächen entwickelte sich eine enge Bindung. Barbara Stein ist schockiert darüber, dass der 34-Jährige abgeschoben werden soll. „Er hat die Sprache gelernt und hätte gerne wieder gearbeitet, um niemandem auf der Tasche zu liegen“, sagt sie. Sollte Luc Kamga tatsächlich in Abschiebehaft kommen, steht dem Kameruner allerdings noch der Rechtsweg offen. Laut Herzel könnte er vorläufigen Rechtsschutz beim Verwaltungsgericht Karlsruhe beantragen.