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Der Weg ist frei: Im Hotel Mönchs Lamm werden voraussichtlich im Frühjahr die ersten Flüchtlinge einziehen.  Foto: Seibel
Der Weg ist frei: Im Hotel Mönchs Lamm werden voraussichtlich im Frühjahr die ersten Flüchtlinge einziehen. Foto: Seibel
16.12.2015

Schömberger Gemeinderat sagt Ja zu Asylplänen in Mönchs Lamm

Am Ende nutzte auch die Liste mit 265 Protestunterschriften nichts: Mit großer Mehrheit gab der Schömberger Gemeinderat grünes Licht für die Pläne des Kreises, aus dem Hotel Mönchs Lamm eine Gemeinschaftsunterkunft für bis zu 125 Asylbewerber zu machen (PZ hat berichtet).

Die Gemeinde sei verpflichtet, die Menschen aufzunehmen, so die Begründung. Bei der Prüfung unterschiedlicher Standorte sei nur dieses Gebäude als geeignet eingestuft worden. Wie berichtet, war das Hotel Krone an der Ortsdurchfahrt bereits abgelehnt worden. Die Sorgen der Bürger nehme man zwar ernst, betonten Bürgermeister und Gemeinderäte. Sie appellierten jedoch an die Schömberger, unvoreingenommen auf die Asylbewerber zuzugehen.

Mehr Transparenz gewünscht

Dass das Thema die Gemüter erregt, wurde schon bei einem Blick in den Sitzungssaal deutlich: Es waren so viele Interessierte gekommen, dass die Menschen bis in den Gang standen. Sie nutzten die Fragestunde, um ihre Bedenken zu äußern. Der Standort sei – genau wie beim Hotel Krone – zu zentral, um dort so viele Flüchtlinge unterzubringen, lautete ein Einwand. Schließlich seien nicht nur Einzelhandel, Banken und Cafés in direkter Näher, sondern auch die geplante Neue Mitte.

Die Bürger betonten auch, sie hätten sich mehr Transparenz gewünscht: Es habe nur Gerüchte gegeben, keine offiziellen Informationen. Bürgermeister Matthias Leyn verwies darauf, dass der Kreis am 13. Januar eine Info-Veranstaltung im Kurhaus plane. „Dann können Sie all Ihre Sorgen und Ängste gegenüber den Fachleuten äußern.“ Jetzt gehe es nur darum, die prinzipielle Zustimmung der Gemeinde zu signalisieren. Das überzeugte die Menschen jedoch nicht. „Wenn heute zugestimmt wird, ist die Sache doch erledigt“, meinte ein Mann. „Das ist dann der Startschuss.“

Um den doch noch zu verhindern, hatten die Bürger Unterschriften gesammelt. UWV-Gemeinderat Michael Wernecke übergab die Liste, auf der 265 Menschen unterzeichnet hatten, an Bürgermeister Matthias Leyn. „Hier werden Ängste widergespiegelt, die man nicht unter den Tisch kehren sollte“, forderte er dazu auf, die Bürger „sehr ernst“ zu nehmen. Und an die Adresse des Bürgermeisters: „Das ist jetzt Ihre Aufgabe.“

Matthias Leyn betonte, dass die Gemeinde verpflichtet sei, Asylbewerber aufzunehmen. Entweder müsse man auf Kosten der Kommune bis Ende nächsten Jahres Wohnraum für 200 Flüchtlinge zur Verfügung stellen – oder eben die Gemeinschaftsunterkunft des Kreises akzeptieren. Für die Schaffung von Wohnungen fehle der Gemeinde sowohl der Platz als auch das Geld. Bei der Gemeinschaftsunterkunft trage der Kreis die Kosten – und die Anzahl der Menschen werde auf Schömbergs Kontingent angerechnet. Er habe zwar Verständnis für die Sorgen der Bevölkerung, betonte Leyn. Aber es gebe nunmal keinen idealen Standort. Man sei sich einig, dass das Gewerbegebiet ungeeignet sei. Außerdem wolle der Kreis keine Sporthallen belegen. Das bedeute für Schömberg: „Wir haben keine Alternative.“

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