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Viel beschäftigt: In den vergangenen Monaten drängten sich bei Matthias Leyn die Termine. Bald wird er sich am Strand in Norddeutschland erholen. Foto: Seibel
Viel beschäftigt: In den vergangenen Monaten drängten sich bei Matthias Leyn die Termine. Bald wird er sich am Strand in Norddeutschland erholen. Foto: Seibel
23.07.2015

Schömbergs Schultes Matthias Leyn: „Die Menschen sind gespannt, wie es weitergeht“

Matthias Leyn ist angekommen in seinem neuen Amt: Nach 100 Tagen als Bürgermeister in Schömberg strahlt der 38-Jährige Souveränität aus. In den ersten Monaten hat ihn vor allem ein Thema beschäftigt, wie er berichtet: Die klamme Finanzlage – und die damit verbundenen nötigen Einschnitte, die auf Schömberg zukommen werden. Dennoch hat er seinen Optimismus nicht verloren – weder als Bürgermeister, noch als Fußball-Fan. Im PZ-Interview spricht Matthias Leyn über Fußball, Finanzen und Ferien

PZ: Für Sie als FC-Bayern-Fan war die jüngste Zeit sicher nicht einfach: Sie mussten das Ausscheiden von Bastian Schweinsteiger verkraften. Haben Sie gelitten?

Matthias Leyn: Nein – ich sehe das so wie der Verein: Er hat sich 17 Jahre verdient gemacht und sucht nun die neue Herausforderung. Es fehlt zwar eine Identifikationsfigur in der Mannschaft, aber für ihn ist dieser Schritt wichtig. Das ist eine mutige Entscheidung und sie passt auch zu ihm – ich kann seine Beweggründe nachvollziehen. Dazu kommt, dass die Engländer solche Typen wie ihn mögen, die sich – wie damals bei der WM – mit vollem Körpereinsatz reinhängen.

PZ: Rundum positive Nachrichten kommen dafür aus Schömberg: Die Stimmung im Ort scheint gut zu sein. Sind die Gräben schon zugeschüttet?

Matthias Leyn: Die Stimmung ist gut, das stimmt. Ich bekomme positive Rückmeldungen. In den vergangenen Monaten habe ich sehr viele Gespräche geführt: Mit Bürgern, mit Vereinsvorsitzenden, mit Geschäftsleuten und Unternehmern. Ich sammle gerade viele Ideen und nehme sehr viel Positives aus den Gesprächen mit. Die Menschen schauen nach vorne und sind gespannt, wie es weitergeht. Aber um auf Ihre Frage zurückzukommen: Ob die Gräben schon zugeschüttet sind, weiß ich nicht. Vermutlich werden diejenigen, die mich nicht gewählt haben, mich erst einmal beobachten. Und das ist auch vollkommen in Ordnung.

PZ: Auch im Gemeinderat haben Sie es bis jetzt geschafft, die heftigen Wortgefechte früherer Zeiten zu vermeiden. Was ist Ihr Rezept?

Matthias Leyn: Zum einen ist es so, dass da nur erwachsene Menschen am Ratstisch sitzen. Das muss man sich vor Augen führen. Zum anderen lasse ich jeden ausreden und seine Meinung kundtun, ohne einen Kommentar dazu abzugeben. Am Ende fasse ich das dann nur zusammen und versuche den Weg zu zeigen: Kompromiss oder Abstimmung. Wichtig ist den Gemeinderäten ja nicht unbedingt, sich durchzusetzen, sondern ihre Meinung kundzutun und ihre Ideen einzubringen. Bis jetzt bin ich mit diesem Vorgehen ganz gut gefahren.

PZ: Andererseits ging es noch gar nicht ans Eingemachte: Die Streitthemen Neue Mitte, Windkraft und die klamme Finanzlage wurden nur am Rande gestreift. Steht Ihnen die Nagelprobe noch bevor?

Matthias Leyn: Mag sein. Wenn Diskussionen aufkommen, gilt aber genau dasselbe wie jetzt. Als Moderator ist es meine Aufgabe, die unterschiedlichen Vorstellungen zusammenzufassen. Dann muss man schauen, ob ein Kompromiss möglich ist oder eben die Mehrheit entscheidet.

PZ: Manche Leute haben den Eindruck, bei diesen Themen geht es nicht so recht vorwärts. Haben sie Recht?

Matthias Leyn: In drei Monaten kann ja nicht viel passieren. Bei einem Projekt wie der Neuen Mitte, das jetzt fünf Jahre gelaufen ist und bei dem die Fronten schon ziemlich verhärtet waren, lösen sich die Probleme nicht in so kurzer Zeit. Da braucht man viel Geduld, viele Überlegungen und den Einsatz der Verwaltung.

PZ: Also konkret: Wie steht es bei der Neuen Mitte?

Matthias Leyn: Nach dem Beschluss vom Dezember sind wir mit dem Investor weiter in Verhandlungen. Er wollte ja eine abgespeckte Version, außerdem wurde der Kreisverkehr herausgelöst: Der soll nun in Regie der Gemeinde entstehen, der Investor zahlt einen Teil der Kosten. Das alles muss jetzt vertraglich aufgearbeitet werden. Momentan stockt es gerade ein bisschen. Aber ich denke, wir kriegen da eine Lösung hin. Die Verhandlungsbereitschaft ist auf beiden Seiten da. Ich denke nicht, dass das Projekt gefährdet ist, aber es braucht eben noch Zeit.

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