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Zu einem tödlichen Unfall ist es am Bahnhof in Remchingen gekommen. © PZ-Archiv
21.12.2010

Schon wieder ein Toter auf Remchinger Gleisen

REMCHINGEN. „Auf dem Gleis bot sich uns ein schreckliches Bild“, schildert ein Feuerwehrmann den Einsatz am Dienstagmorgen am Remchinger Bahnhof. Ein 43-Jähriger ist dort von einem Güterzug erfasst und getötet worden. Was besonders zum Nachdenken zwingt: Zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres verunglückte ein Mensch auf den Schienen am Haltepunkt in Wilferdingen-Singen, wie der Bahnhof in Remchingen heißt.

Ende Juni war ein 19-Jähriger Nöttinger beim Besteigen eines Kesselwaggons getötet worden, als er der Starkstromleitung zu nahe kam. Bahnhof Wilferdingen/Singen: Um 1.56 Uhr soll gestern an Gleis 3 die letzte nächtliche Stadtbahn in Richtung Karlsruhe abfahren. Ein 43-jähriger Karlsruher versucht zusammen mit einem Begleiter – von Bahnsteig 1 kommend – die Gleise zu überqueren. Offensichtlich wollen die beiden noch zurück in ihre Heimatstadt gelangen, ehe dreieinhalb Stunden lang keine Bahn mehr verkehrt. Was sie nicht oder zumindest zu spät bemerken: Just in diesem Moment saust ein Güterzug mit hoher Geschwindigkeit durch den Bahnhof und erfasst einen der Männer. Als etwa eine Viertelstunde später die Rettungskräfte eintreffen, ist sofort klar: Jede Rettung kommt zu spät.
Rasch am Ort des Geschehens
Unter dem Alarmstichwort „Eingeklemmt“ ist die Feuerwehr Remchingen mit drei Fahrzeugen und 18 Mann rasch am Ort des tragischen Geschehens. Auch ein Noteinsatzfahrzeug, der Rettungsdienst sowie das Rote Kreuz Remchingen rücken vergeblich an. Beamte des Polizeireviers Neuenbürg, die für die Bahngleise zuständige Bundespolizei und die Kriminalpolizei sind ebenfalls sofort an Ort und Stelle. „Vieles deutet auf einen Unfall hin“, heißt es nach ersten Ermittlungen der Polizei.
Der Remchinger Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon hatte schon vor Monaten, nach dem tödlichen Unfall Ende Juni, einen weiteren Zaun auf der Singener Seite des Bahnhofs angeregt. Auch der Gemeinderat sprach sich dafür aus. Dennoch räumt er ein: „Beide tödlichen Unfälle wären durch einen Zaun nicht verhindert worden, weil die Männer jeweils von Wilferdinger Seite kamen.“ Trotzdem müsse man als Gemeinde vorausschauend handeln. Erst vor wenigen Wochen seien die Warnschilder erneuert worden. Sein dringender Appell: „Bleibt von diesen blöden Schienen fern.“
Die Bahn überlege sich selbstverständlich, ob bauliche Maßnahmen die Situation verbessern könnten, sagt Bernd Herlan, Pressesprecher der Bundespolizei in Karlsruhe. Dennoch betont er: „Es müsste allen klar sein, dass Gleise nicht überquert werden dürfen.“

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