nach oben
Auf leereren Wiesen als sonst haben die Besucher im Ranntal, wie hier eine Gruppe Freunde aus Pforzheim, ein fröhliches Maifest. Foto: Zachmann
Auf leereren Wiesen als sonst haben die Besucher im Ranntal, wie hier eine Gruppe Freunde aus Pforzheim, ein fröhliches Maifest. Foto: Zachmann
01.05.2016

Schreckt teilweises Alkohol-Verbot ab? Weniger Besucher im Ranntal

Nanu: Wie leergefegt waren die satten grünen Wiesen am Maimorgen im Ranntal. Rund um die große Eiche, wo in manchen Jahren schon zu früher Stunde der Bär steppte, waren gegen elf Uhr fast mehr Helfer, Sicherheits- und Einsatzkräfte anwesend als Besucher.

Die Würste auf dem Grill des Turnvereins Nöttingen (TVN) brutzelten, der Zapfhahn war griffbereit, doch statt diesem plätscherte nur der Rannbach. Der große Ansturm fehlte, zumindest am Vormittag. Ob die erwartete Feiermasse nach der Walpurgisnacht nicht so richtig aus den Federn kam?

„Heute ist es irgendwie komisch“, sagte einer der Ehrenamtlichen vor sich hin, während andere optimistisch warteten. Was war los an diesem Morgen? Lag es am wolkenbedeckten Schmuddel-Himmel, der nicht übermäßig Lust zum Wandern verbreitete? Oder etwa an den intensiven, aber aus vielen Gründen notwendigen Ordnungsvorschriften und Einlasskontrollen?

Keine Musikanlagen erlaubt

Die Besucherstimmen gingen auseinander. „Wir sind jahrelang drin gewesen im Ranntal, bei Wind und Wetter“, erklärte ein Jugendlicher, dessen Freunde sich wenige hundert Meter vor dem Ranntal an einer Waldaue zu einer Gruppe mit Partymusik und Grill gesellten. „Aber wir haben einfach keine Lust mehr.“ Sicher, es sei viel passiert, darum will der junge Mann keinen Hehl machen. Die Gründe für das Spirituosen-Verbot könne er nachvollziehen. Notwendig wurden die verschärften Verordnungen, nachdem 2012 zeitweise alle Rettungskräfte der Region ins Ranntal eilen mussten und dadurch die öffentliche Sicherheit andernorts nicht mehr voll gewährleisten konnten. Dass aber zusätzlich laute Musikanlagen auf dem Festgelände verboten seien, könnten er und seine Freunde nicht verstehen.

Aus einem anderen Grund enttäuscht ist der TVN-Verantwortliche Hubert Bittighofer: „Wir haben es nicht verdient, dass wir schon wieder kein gutes Wetter haben.“ Ordnungsvorschriften hin, Wetter her: Bevor man sich weiter groß Gedanken über mögliche Gründe machen konnte, kamen sie dann doch noch, die Festbesucher. So strömten zum Mittag zwar nicht Tausende, aber immerhin Hunderte Besucher zur Großen Eiche. Auch ohne riesiges Partyvolk. „Wir haben ja uns“, erklärt Lukas aus Pforzheim und blickt in die Runde: „Das reicht!“ Der 19-Jährige und seine Freunde haben den Bollerwagen einfach mit einem Regenschirm gegen das Nass von oben geschützt – und gegen nasse Hosen gebe es ja Decken. So kam schließlich doch noch Stimmung auf im Ranntal.

Polizei zufrieden

Auch der eine oder andere alkoholbedingte DRK-Einsatz blieb nicht aus, aber es gab deutlich weniger Blaulicht als sonst. „Bis jetzt können wir ein positives Fazit ziehen“, sagte Einsatzleiter Günther Haas am frühen Nachmittag, bis zu dem er etwa 500 Besucher zählte. „Die umfangreichen Maßnahmen im Vorfeld haben sicherlich nicht geschadet.“ So seien viele junge Besucher bei den Kollegen des Sicherheitsdienstes einsichtig gewesen und hätten die mitgebrachten Spirituosen ausgekippt oder abgegeben. Erstmals mischte sich auch das Haus des Jugendrechts Pforzheim-Enzkreis zur Prävention mit Alkoholtests unter die Besucher. Gemeinsam mit straffälligen Jugendlichen, die gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten müssen, unterstützt die Einrichtung außerdem am heutigen Montag wieder die Gemeinden Keltern und Remchingen sowie den TVN beim Saubermachen der Festwiesen und Zugangswege.

Leserkommentare (0)