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Schulhaussturm in Ersingen.
Schulhaussturm in Ersingen © Schott
07.02.2013

Schulhaussturm in Ersingen

Kämpfelbach-Ersingen. Unverkennbar steuert in Ersingen die Fasnet ihrem Höhepunkt entgegen. Im Strudel des närrischen Treibens lösen sich die Institutionen der herkömmlichen Ordnung eine um die andere auf.

Jetzt ist die Kirchbergschule, geschätzte Bildungsstätte des Ortes, den wilden Mächten der Fasnet in die Hände gefallen. Bis Aschermittwoch geht dort gar nichts mehr, jedenfalls was Unterricht und Lernen betrifft. Statt Schulleiter Harald Müller regiert dort jetzt das amtierende Kinderprinzenpaar der „Fledermaus“, Nils I. (Kälber) und Emilia I. (Anselment). Ohne Verletzungen, dafür mit viel Spaß ging die Machtübernahme an der Schule vonstatten.

Einfach war es nicht. Denn auch wenn die Schüler von Hause aus in der Überzahl sind: Die Lehrer sind nun mal schlaue Füchse und haben als erfahrene Erwachsene zudem so manche Kniffe im Repertoire. Deshalb wollten die Schülerinnen und Schüler den Umsturz auch nicht gerne alleine wagen. „Befreit uns von der Herrschaft der Lehrer“, sandten sie als Hilferuf vom Kirchberg hinunter in den Ort. Die Fleckenhexen, die zu den furchterregendsten Gestalten der Ersinger Fasnet gehören, ließen sich das nicht zweimal sagen. Stets zu jedem Schabernack bereit, stürmten sie den Kirchberg hinauf und umlagerten das Schulhaus. Dazu kam eine große Narrenschar der Karnevalsgesellschaft „Fledermaus“, darunter das amtierende Prinzenpaar Robin I. (Brenk) und Lea I. (Sickinger), die ihre Solidarität bekundeten. Das ermutigte die Kinder zum Aufstand und zur Jagd auf die hoffnungslos unterlegenen Lehrer. Schulleiter Müller rief denn auch bald seine Lehrerkollegen dazu auf, den aussichtlos gewordenen Widerstand aufzugeben und auf diese Weise eine gnädige Behandlung durch Kinder, Hexen und die ganze übrige Narrenschar zu erreichen. Im Pausenhof überreichte Müller unter dem Jubel der Menge dem Kinderprinzenpaar die Schlüssel zum Schulhaus. Nils und Emilia, selbst Schüler an der Kirchbergschule, zeigten sich gnädig und ließen die Lehrer ziehen. Allerdings nicht, ohne zuvor freie Verpflegung für alle Versammelten ausgehandelt zu haben. Mit einem ausgelassenen Rundtanz über den Pausenhof zu den Klängen der Fasnetskapelle des Musikvereins wurde die gelungene Schulhausstürmung gefeiert. msch