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Volker Winkel möchte bei der nächsten Schultes-Wahl in Ispringen noch einmal Bürgermeister werden. Seine Gemeinderäte können sich mit der Idee nicht so recht anfreunden.
Volker Winkel möchte bei der nächsten Schultes-Wahl in Ispringen noch einmal Bürgermeister werden. Seine Gemeinderäte können sich mit der Idee nicht so recht anfreunden.
21.12.2016

Schultes-Wahl: Ispringer Gemeinderäte gegen Rathauschef Volker Winkel

Ispringen. Dass der Bürgermeisterwahlkampf in Ispringen keiner wie jeder andere würde, war schon sehr früh deutlich. Dass Volker Winkel gerne am 5. Februar für weitere acht Jahre an die Verwaltungsspitze gewählt werden wollte, ist schon lange bekannt. Dass aber sein Stellvertreter, der Freie-Wähler-Gemeinderat Wolfgang Ballarin, öffentlich den Vorsitz des Gemeindewahlausschusses ablehnte, weil er nicht neutral bleiben wollte, war ein ungewöhnliches Signal. Mittlerweile machten 11 der 18 Ispringer Ratsmitglieder in einem Pressegespräch deutlich, dass sie ebenfalls Zweifel haben, dass Ispringens Zukunft mit weiteren acht Jahren Winkel im Interesse der Gemeinde und der Bürger gut gestaltet werden könne.

Für die Fraktionen äußerten Wolfgang Ballarin (Freie Wähler), Martin Kärcher (CDU), Manuel Linkenheil (SPD) und Pascal Stoll (Liste Mensch und Umwelt) für den 5. Februar den Wunsch nach einer „echten“ Wahl mit weiteren kompetenten Bewerbern. Die werden seit Beginn der Wahlvorbereitungen auch erwartet.

Was steckt dahinter? Die PZ hatte schon von Ballarins Vorwurf berichtet, Winkel sei für einen Rathauschef schlicht zu oft weg. Sein Stellvertreter vermisse bei ihm anscheinend preußische Tugenden, hatte Winkel erwidert. Doch die Ratsfraktionen verstehen diese Tugenden auch im Sinn eines Chefs, der mit seinen Ideen vorangehe. Das vermissten sie an Volker Winkel, so die Beteiligten an dem Gespräch: „Er hat keine Vorstellungen, wie es weitergehen soll.“ Die Lösung der meisten Aufgaben gehe von Initiativen aus der Mitte des Gemeinderates aus, statt dass der Bürgermeister mit seinem Fachwissen die richtungsweisenden Vorschläge fundiert unterbreite.

Winkel verweist darauf, dass sein Ziel immer gewesen sei, „eine positive Kultur des Miteinanders zu schaffen, bei der gemeinsam Ideen entwickelt werden. Das passe zu einem Gremium, das weniger Kontrollorgan wie ein Parlament, als das Hauptverwaltungsorgan der Gemeinde sei.

Die Gemeinderäte sagen, sie müssten sich aber auch auf Aussagen zur tatsächlichen und rechtlichen Situation verlassen können. Das Zuhören und Verstehen werde beim Bürgermeister ebenso vermisst wie eine angemessene Kommunikation, auch im Verhältnis zu anderen Institutionen, Firmen, Kindergartenträgern, Vereinen und zum Rathauspersonal. Damit hätten beispielsweise auch Probleme in der Personalführung mit Blick auf die starke, auch kostenintensive Personalfluktuation der letzten Jahre besser gelöst werden können. Dieser Vorwurf ärgere ihn besonders, entgegnet Winkel, weil ihn die zuletzt schwierige Personalsituation viel Zeit und viele Gedanken gekostet habe und heute „eine toll funktionierende Verwaltung“ stehe.

Die Gemeinderäte vermissen bei Winkel auch ein engagierteres Eintreten für die Interessen Ispringens – falls notwendig, auch gegenüber seinem früheren Arbeitgeber, dem Landratsamt. Er sei der Überzeugung, dass er das immer wieder bewiesen habe, so der Kritisierte.

Ispringens Potenzial

In einem sind sich beide Seiten einig: Ispringen sei eine Gemeinde mit Riesenpotenzial. Wo aber die Räte finden, Bürgermeister und Verwaltung sollten dieses zu 100 Prozent ausschöpfen und „nicht nur zu 50 Prozent wie derzeit“, sieht Winkel das Potenzial als Ansporn für eine weitere Amtszeit. Die Bürger sollten sich ruhig in einer Ratssitzung selbst ein Bild machen. Aus der Runde der Gemeinderatsfraktionen kamen dagegen Stimmen wie diese: „Uns geht die Lust verloren, aktiv mitzugestalten. Man muss überall hinschauen, wo Tretminen liegen. Es muss sich radikal etwas im Rathaus ändern.“ Die Bewerbungsfrist für die Wahl läuft noch bis Montag, 9. Januar, um 18 Uhr.