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Mehr als 500 Mitglieder des Schwarzwaldvereins kamen aus ganz Baden-Württemberg nach Baiersbronn, wo die Weichen für die Zukunft des zweitgrößten deutschen Wandervereins gestellt wurden. Ende Juni soll der SWV in Konstanz unter dem Schlagwort 2030 wegweisend neu aufgestellt werden. Foto: Löffler
Mehr als 500 Mitglieder des Schwarzwaldvereins kamen aus ganz Baden-Württemberg nach Baiersbronn, wo die Weichen für die Zukunft des zweitgrößten deutschen Wandervereins gestellt wurden. Ende Juni soll der SWV in Konstanz unter dem Schlagwort 2030 wegweisend neu aufgestellt werden. Foto: Löffler
Als Musterbeispiele unter den Schwarzwaldvereinen gelten die beiden Ortsverbände der Vorsitzenden Frederic Trautz (links, Straubenhardt) und Sven Hoffmann (Birkenfeld-Gräfenhausen). Sie haben den Altersdurchschnitt im Verein verjüngt und verzeichnen entgegen dem Trend Mitgliederzuwachs. Foto: Löffler
Als Musterbeispiele unter den Schwarzwaldvereinen gelten die beiden Ortsverbände der Vorsitzenden Frederic Trautz (links, Straubenhardt) und Sven Hoffmann (Birkenfeld-Gräfenhausen). Sie haben den Altersdurchschnitt im Verein verjüngt und verzeichnen entgegen dem Trend Mitgliederzuwachs. Foto: Löffler
13.04.2019

Schwarzwaldvereine taumeln in die Zukunft

Nordschwarzwald/Enzkreis. Bei den Wandervereinen schwinden die Mitglieder und sie werden älter. Die Ortsgruppen aus der Region sind in großer Runde ein Gegenbeispiel.

Der älteste Wanderverein Deutschlands will deutlich jünger werden und sich mit neuer Struktur auf Zukunft trimmen. Und das ist dringend notwendig, wie die Brandrede von Georg Keller, Präsident des Schwarzwaldvereins (SWV), in Baiersbronn deutlich machte. Dort hat die Vereinsspitze mit mehr als 500 Mitgliedern aus sämtlichen Ortsvereinen unter dem Leitspruch „2030 wegweisend“ heftig und kontrovers diskutiert. Themen: Der Entwicklungsprozess sowie die neue Satzung und das neue Leitbild.

Verabschiedet werden sollen diese am 29./30. Juni bei der Hauptversammlung in Konstanz. Unter den Teilnehmern der Debatte in Baiersbronn war auch der Bezirk „Schwarzwaldpforte“. Ihm gehören Pforzheim, Straubenhardt, Birkenfeld-Gräfenhausen, Neuenbürg, Dobel und Schömberg sowie Bad Wildbad, Calmbach, Engelsbrand, Höfen, Neuenbürg, Unterreichenbach, Würmtal und Bretten an.

Hinter dem Schwäbischen Albverein gilt der SWV mit rund 60.000 Mitgliedern zwar als zweitgrößte deutsche Wandervereinigung. Doch der Schein der stolzen Zahl trügt: Sie ist lediglich das Ergebnis eines dramatischen Schrumpfungsprozesses von immerhin 35 Prozent. Georg Keller mahnt angesichts des Verlustes von 32.000 Mitgliedern seit 1992 und dem Wegfall von 20 Ortsgruppen seit 2009: „Wenn wir jetzt nicht gegensteuern, wird es den Schwarzwaldverein in wenigen Jahren nicht mehr geben.“ Denn die Einzelvereine haben ein massives Demografie-Problem.

Der Altersdurchschnitt einiger Ortsgruppen übersteigt die Grenze von 70, teilweise sogar 80 Jahren.

„Mit einer Satzungsänderung alleine ist es nicht getan“, sagte der Präsident. Wichtige Ziele seien etwa: Den 27-köpfigen Vorstand auf ein schlagkräftiges Gremium von 13 Personen zu verschlanken, die Kommunikationswege nach innen und außen effizienter und transparenter zu gestalten, ein Wir-Gefühl zu entwickeln sowie vor allem die Basis in den Ortsvereinen zu aktivieren und zu unterstützen, damit sie mit attraktiven Angeboten frisches Mitgliederblut herein bringt. Hauptgeschäftsführer Mirko Bastian sagt mit Blick auf die Jugend: „Wir konkurrieren mit dem Smartphone.“

Zwei Ortsvereine im Enzkreis haben die negative Demografiespirale durchbrochen: Straubenhardt (180 Mitglieder, Altersdurchschnitt 50) und Birkenfeld-Gräfenhausen (410 Mitglieder, Altersdurchschnitt 51). Deren Vorsitzende Frederic Trautz und Sven Hoffmann präsentierten sich im PZ-Gespräch als die junge Garde im Schwarzwaldverein, die mit frischen Ideen und ansprechenden Freizeitaktionen ein Jahresprogramm auf die Beine stellt, das Familien und Jugendliche gleichermaßen anspricht. Hoffmann bemerkte für Birkenfeld-Gräfenhausen zu dem Erfolg: „Wir hatten nicht nur Glück, es ist auch harte Arbeit und man darf nie nach- lassen.“

Sie plädieren für eine Änderung eines Paragraphen im Satzungsentwurf. Dessen Mängel hat Helmut Metzger in Baiersbronn aufgedeckt. Wie der Vorsitzende des Ortsvereins Pforzheim-Brötzingen darlegte, könne demnach das künftig vierköpfige Präsidium alleine darüber entscheiden, ob es beispielsweise einen Tourismus- oder Hotel- und Gaststättenverband als sogenanntes virtuelles Mitglied aufnimmt. Dieses hätte dann bei Abstimmungen mit einer Delegiertenstimme genauso viel Gewicht wie ein SWV-Ortsverband mit 300 ordentlichen Mitgliedern.

Der Ortsverein Neuenbürg (411 Mitglieder) mit Brigitte Hegel an der Spitze sieht Metzgers Forderung nach einer Satzungsänderung nicht so dramatisch. Da müsse der Hauptverein schon viele virtuelle Mitglieder aufnehmen, wenn er in der Art Entscheidungen beeinflussen wolle. Neuenbürg werde in Konstanz jedenfalls zustimmen – wie die Mehrheit der Mitglieder in Baiersbronn.

Sigrid Maulbetsch, Vorsitzende in Dobel (130 Mitglieder), stellt sich an Metzgers Seite und ist „nicht glücklich“ über die strittige Satzungsformulierung. Wie Straubenhardt und Birkenfeld-Gräfenhausen sei auch sie vornehmlich an der Arbeit vor Ort orientiert. Mit der Verabschiedung der Neuausrichtung in Konstanz sieht sie kaum Auswirkungen auf ihren Ortsverband, dies betreffe vor allem Freiburg.