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27.04.2009

Schweinegrippe: "Wir müssen erst einmal abwarten"

ENZKREIS. Die Schweinegrippe breitet sich rasend schnell aus, in Spanien wurde der erste Krankheitsfall gemeldet - damit hat die Grippe Europa erreicht. PZ-Redakteur Magnus Schlecht hat mit Roswitha Kull, Leiterin des Gesundheitsamts Enzkreis, über Risiken und mögliche Vorsorgemaßnahmen für die Menschen in der Region gesprochen.

PZ: Frau Kull, machen Sie sich Sorgen wegen der Schweinegrippe?
Dr. Roswitha Kull: Eigentlich nicht, denn wir sind gut vorbereitet. Ich denke auch, dass das in Mexiko gut gelaufen ist. Wenn jetzt alle vernünftig zusammen arbeiten, dann kann man die Schweinegrippe sicher in Griff kriegen.

PZ: Was bedeutet vernünftig zusammenzuarbeiten?
Kull: Das bedeutet: erhöhte Aufmerksamkeit. Ich habe das auch jetzt schon so wahrgenommen. Die Krankenhäuser haben zu uns Kontakt aufgenommen. Wir versuchen nun das, was man im Pandemieplan festgelegt hat, abzuarbeiten und warten jetzt auf Informationen vom Landesgesundheitsamt und Robert-Koch-Institut. Bisher ist das Virus bei uns glücklicherweise noch nicht angekommen. Käme es aber an, würden wir durch geeignete Maßnahmen (erkennen und isolieren) eine Weiterverbreitung zu verhindern versuchen.

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PZ: Was würden Sie denn tun und was empfehlen Sie, wie sollten sich die Menschen in Pforzheim und der Region verhalten?
Kull: Man sollte sich so schützen, wie man sich auch vor einer saisonalen Grippe schützen würde: Persönliche Hygiene, speziell Händehygiene und das Meiden von Massenveranstaltungen, bei denen man einer Tröpfcheninfektion schutzlos ausgeliefert ist, falls die Schweinegrippe auch bei uns ankommt. Es wird diskutiert, dass diejenigen, die sich regelmäßig gegen die saisonale Grippe impfen lassen, besser dran sind. Bis der passende Impfstoff gegen die Schweinegrippe entwickelt ist, vergehen vier bis sechs Monate. In dieser Zeit kann man die Erkrankung aber behandeln und zwar mit Neuraminidasehemmern wie Tamiflu, die sich offenbar als wirksam erwiesen haben. Menschen, die unaufschiebbar in Grippe-Pandemie-Länder reisen müssen, sollten sich noch vorbeugend gegen die saisonale Grippe impfen lassen.

PZ: Wie kann man sich vorstellen, reagiert eine Behörde wie die Ihre auf Meldungen von der Schweinegrippe?
Kull: Wir haben einen so genannten Grippe-Pandemieplan, wo stufenweise festgelegt ist, was zu tun ist. Im Moment sind wir in der pandemischen Warnphase drei. Das heißt für uns hier erst einmal abwarten. Das Landesgesundheitsamt und das Robert-Koch-Institut die führen natürlich Krisensitzungen durch und stimmen sich mit anderen Ländern über das weitere Vorgehen ab.